Die Rottweiler Hebammen sind begeistert, dass das Thema „Hebammenhilfevertrag“ jetzt endlich in den Fokus der Öffentlichkeit rutscht und hoffen, dass sich doch noch etwas ändert. Foto: Siegmeier

Die massenhaften Kündigungen von Hebammenteams in Baden-Württemberg sorgen für immer mehr Unruhe.

Mittlerweile haben in mehreren Städten in Baden-Württemberg ganze Hebammengruppen gekündigt. Im Rottweiler Kreißsaal reißt der Medienrummel nicht ab.

 

Die drastischen Änderungen im Hebammenhilfevertrag zum 1. November und die Kündigung des kompletten Rottweiler Beleghebammensystems an der Helios-Klinik hatte drei Rottweiler Mamas veranlasst, für Samstag eine Protestaktion in der Rottweiler Innenstadt zu initiieren. Die Resonanz war riesig. Mehr als 500 Teilnehmende wurden gezählt, und auch zahlreiche Fernsehsender aus der gesamten Bundesrepublik waren vor Ort. Mittlerweile wird bekannt, dass auch weitere Hebammenteams im Land gekündigt haben, Rottweil ist also kein Einzelfall (mehr), teilt der Landesverband der Hebammen mit. Der Druck steigt also.

Der SWR und RTL+ haben ihre Beiträge von der Protestaktion bereits gesendet, der Beitrag von RTL soll wohl an diesem Samstag in der Sendung „Life“ ausgestrahlt werden. Und im Rottweiler Kreißsaal ist der Medienrummel weiterhin groß. Auch die Wochenzeitung „Die Zeit“ ist mit den Rottweiler Hebammen in Kontakt, lassen sie wissen. Unsere Berichterstattung über die Kündigung hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Neue Anforderungen

„Acht Beleghebammenteams in Baden-Württemberg haben bereits gekündigt, oder sind dabei, ihre Verträge zu kündigen, oder zu pausieren: 40 Prozent der Belegkliniken im akuten Umbruch“, heißt es in der Pressemitteilung des Hebammenverbandes weiter.

Auslöser dieser Situation seien die im neuen Hebammenhilfevertrag festgelegten Anforderungen. Sie würden es vielen Beleghebammenteams und Kliniken unmöglich machen, das bisherige Belegsystem fortzuführen. Das Problem, vor dem die Beleghebammenteams stehen, sei ein grundlegendes. Denn wenn sie im Belegsystem bleiben würden, dann drohen ihnen Verdienstsenkungen zwischen 30 und 60 Prozent.

Würden sie sich für eine Anstellung entscheiden, müssten sie ihre Belegverträge kündigen und würden so ebenfalls Kolleginnen verlieren, die diesen Weg aus verschiedensten Gründen nicht mitgehen könnten. Die Lage ist verfahren und in beiden Fällen sei das Fortbestehen der Teams und kompletter Geburtshilfen bedroht.

Alarmierendes Signal

Der Hebammenverband Baden-Württemberg warnt eindringlich: „Wenn 40 Prozent aller Beleghebammenteams in Baden-Württemberg sich gezwungen sehen, ihre Verträge zu kündigen oder umzustrukturieren – darunter eines der ältesten Teams des Landes, das seit 1997 besteht – zeigt das die ganze Dramatik der Lage. Niemand stellt freiwillig ein funktionierendes System auf den Kopf. Diese erzwungene Umstellung oder die Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ist ein alarmierendes Signal für die gesamte Geburtshilfe“, schreibt Lisa Kunz, vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit des Hebammenverbandes Baden-Württemberg.

Das Rottweiler Team entscheidet sich wohl Mitte Januar wie es konkret weitergeht, heißt es aus dem Rottweiler Kreißsaal.