Bei einer Einführung in die Kinästhetik lernen die Teilnehmer im Hüfinger Nachbarschaftshilfekurs, wie man Menschen beim Aufstehen helfen kann: indem man selbst etwas in die Knie geht. Foto: Lutz

19 Frauen und drei Männer lernen in einem Vorbereitungskurs, wie sie alten Menschen am besten helfen können. Es geht um Prävention, Ängste und auch um fehlende Fahrtüchtigkeit.

Schulungsabend im Hüfinger Nachbarschaftskurs. Wann ist man alt? Den 19 Frauen und drei Männern fällt einiges ein: Wenn man in der Gesellschaft nicht mehr mitkommt; wenn man seinen Lebensmut verloren hat; wenn man merkt, dass man nicht mehr alles selbst erledigen kann, wenn man sich alt fühlt, oder wenn die Umwelt einen als alt empfindet.

 

Verbunden ist diese Entwicklung oft mit Angst, schildert Referent Reinhard Zedler, Vorsitzender des Kreisseniorenrats im Kreis Konstanz. Angst vor Armut, Angst vor dem Tod, bei vielen aber vor allem die Angst vor Demenz. Die Angst davor, dass die Fähigkeit, zu denken, sich zu orientieren und zu erinnern, abnimmt und sich die eigene Lebenssituation grundlegend ändert.

Um Menschen, die ihren Alltag nicht mehr selbst bewältigen können, zu helfen, hat sich in Hüfingen, wie in anderen Orten der Region, ein Nachbarschaftshilfe-Verein gegründet.

Wenn die körperlichen und geistigen Fähigkeiten im Alter nachlassen, sind die Einschätzungen der Betroffenen und ihrer Angehörigen über die verbliebenen Fähigkeiten oft unterschiedlich. Etwa bei der Frage, ob ein älterer Mensch noch autofahren kann.

Mehrere Teilnehmer im Kurs für pflegende Angehörige und organisierte Nachbarschaftshilfe berichten von Problemen in ihren Familien, wenn die Verkehrstüchtigkeit nachlässt, von Situationen, in denen ein nicht mehr voll fahrtüchtiger Senior durch sein Verhalten andere im Straßenverkehr gefährdet habe.

Pflegedienstleiterin Silvia Liebgott und Geschäftsführerin Stephanie Kölle von der Sozialstation St. Elisabeth in Donaueschingen wünschen sich bessere Rahmenbedingungen durch die Politik. Dass zum etwa regelmäßig die Fahrtüchtigkeit älterer Menschen überprüft sowie ein Einheitsbudget, mit dem man alle Leistungen der Dienstleister buchen kann. Foto: Bernhard Lutz

Stephanie Kölle, Geschäftsführerin der Sozialstation St. Elisabeth in Donaueschingen, und ihre Pflegedienstleiterin Silvia Liebgott erleben oft, dass sich pflegende Angehörige an sie wenden mit der Bitte, ob sie nicht helfen könnten, dass ein älteres Familienmitglied seinen Führerschein abgibt, selbst intensives Zureden habe nicht geholfen.

Behörden oft machtlos

Doch die Behörden, Ärzte oder die Polizei könnten meist nichts machen, wenn man diese Betreffenden nicht unmittelbar beim Autofahren erwische. Stephanie Kölle wünscht sich hier konkretere Rahmenbedingungen durch die Politik, dass man beispielsweise „regelmäßig die Fahrtüchtigkeit überprüft.“ Oder dass man einer Person mit Demenz oder klaren Anzeichen dafür den Führerschein abnehme.

Ein Hauptthema im Kurs ist Demenz. Demenz kann jeden treffen, mit fortschreitendem Alter nimmt die Zahl der daran Erkrankten zu. Erste Demenzanzeichen sind kurzzeitige Gedächtnislücken sowie Probleme mit der Orientierung und der Wortfindung, schildert Referent Reinhard Zedler.

Kann man etwas zur Vorbeugung tun? Reinhard Zedler hat kein Patentrezept. Wichtig sei grundlegend, dass die Menschen auch im Alter fit bleiben und „die Muskeln trainieren“. Etwa durch Liegestützen an der Wand, durch Spazierengehen und Treppensteigen, oder durch kontinuierliches Aufstehen und Sitzen (Sit ups) von einem Stuhl.

Das Thema Pflege bringt die Sozialstation St. Elisabeth näher. Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, ändert sich das Familienleben. Vielen Familien ist es ein Bedürfnis, ihre Angehörigen zuhause zu pflegen. Doch oft wissen die Familienmitglieder nicht, was genau zu tun und wie es zu tun ist.

Die Sozialstation St. Elisabeth bietet Einführungskurse in die Pflege an, und baut diesen Bereich wegen steigender Nachfrage zu einem Schwerpunkt aus. Pflege kann schnell anstrengend werden, wenn man zum Beispiel nicht weiß, wie man den Angehörigen bettet oder im Bett so bewegen kann, dass der eigene Rücken möglichst wenig in Mitleidenschaft gezogen wird.

Richtiger Kniff kann helfen

Relativ neu ist etwa eine aufeinander klappbare Decke mit einem Handgriff, mit der man eine Person im Bett leichter Richtung Kopfende ziehen kann. Als hilfreich, gerade auch für die Nachbarschaftshilfe, erweist sich in diesem Zusammenhang auch eine Einführung in die Kinästhetik (Bewegung wahrnehmen). Simone Allgaier aus Freiburg zeigt anschaulich, wie man sitzenden Menschen beim Aufstehen besser helfen kann, indem man beim Handreichen selbst ein wenig in die Knie geht. Die Teilnehmer üben und sind überrascht, wie leicht die Aufstehhilfe mit diesem Tipp funktioniert.

Nachbarschaftshilfe

Schnittstelle
Nachbarschaftshilfe ist eine Schnittstelle im sozialen Netz zwischen der Familie und ambulanter Pflege mit dem Ziel, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Vereine dafür gibt es in Hüfingen, Donaueschingen, Bräunlingen und Blumberg. In Kursen, die die AOK bezahlt, erfahren die Vereinsmitglieder an 16 Abenden viel über geistige, seelische und körperliche Veränderungen im Alter, über Medizin im Alter, Hygiene, Selbstfürsorge, Kommunikation, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung. In Hüfingen soll die Nachbarschaftshilfe zeitnah starten. Im Herbst beginnt der dritte Kurs. Infos: 0771/6009-230, susanne.bucher@huefingen.de.