Unter dem Titel „Zeitläufe“ zeigt der diesjährige Preisträger des Markgräfler Kunstpreises, Wolfgang Faller, eine stimmig gestaltete Einzelausstellung in Weil am Rhein.
Die Kunst geht nach Brot. Das ist ein bekanntes geflügeltes Wort und meint, dass Künstler ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Es ist das Gegenteil von „brotloser Kunst“. Darüber sinnieren kann man bei einem Brot-Objekt von Wolfgang Faller, das nach „brotreicher Kunst“ aussieht.
In seiner Preisträgerausstellung treibt Faller in diesem Objekt ein Spiel mit dem Brot. Der 1952 in Villingen geborene und seit 2003 in Müllheim lebende Künstler – er ist Maler, Zeichner, Bildhauer und Objektemacher – ist der diesjährige Preisträger des renommieren Markgräfler Kunstpreises.
Dieser wird jährlich von der Sparkassenstiftung ausgelobt und ist mit 5000 Euro dotiert. Verbunden ist er mit einer Ausstellung (bei Musikpreisträgern mit einem Konzert). Seit Gründung der Stiftung 1987, die professionelle regionale Künstler der bildenden Kunst oder Musik fördert, haben viele hiesige Maler und Bildhauer diese Auszeichnung erhalten.
Räume eine Herausforderung für den Künstler
Jeder gestaltet die Räume anders. Das historische Stapflehus mit seinen drei Stockwerken und seiner besonderen Innenarchitektur zu bespielen, war auch für Wolfgang Faller eine Herausforderung, die er aber glänzend gelöst hat, wie man beim Presserundgang mit dem Künstler, Barbara Brutscher, der Leiterin der Museen, Isabel Balzer, Leiterin des Stapflehuses, und Heike Piehler, der Kunstsachverständigen der Kulturstiftung der Sparkasse, vorab sehen konnte.
Im Eingangsbeeich dominiert Malerei
Im Eingangsbereich dominiert seine Malerei; da wollte er großformatige Arbeiten zeigen, die Raum und Platz zur Wirkung brauchen. Im ersten Stock kombiniert Faller Malerei mit Objekten und dreidimensionalen Wandreliefs, so hat er die große Stirnwand mit einer Wandinstallation („Zugvögel“) bestückt. Das Dachgeschoss wurde von ihm in ein Skulpturenkabinett verwandelt.
Es ist eine regelrechte Retrospektive, eine Art „Leistungsschau“ (Balzer) seines Schaffens, denn die älteste Arbeit („Böse Maus“) reicht bis in die 1980er-Jahre zurück.
Wolfgang Faller hat seinen Stil früh gefunden
Dass Faller seinen Stil, wie er selber sagt, relativ schnell gefunden hat, sieht man: Sehr farbig, expressiv und abstrahiert-figurativ setzt er seine malerischen Mittel ein.
Der Mensch ist bei ihm das Thema Nummer Eins. Die Figur spielt eine große Rolle in seinem Werk. Seit er in Südbaden lebt – zuvor war er lange in Berlin und in Montpellier wohnhaft – ist auch die Landschaft für ihn wichtig geworden.
Abstrakte Landschaften mit Leuchtkraft
Man sieht einige abstrakte Landschaften, deren Farben sehr leuchtkräftig sind. Und man begegnet seinen speziellen Köpfen, Kopfbildern, die kein Abbild des menschlichen Antlitzes sind, sondern ein farbig gestaltetes Oval, das mit pastosen Farben oder Collagematerial von Fotografien gefüllt ist und seinen unverwechselbaren persönlichen Stil ausmachen.
Innere Befindlichkeiten sichtbar machen
Die Konturen der Gesichter sind verwischt, die Physiognomien von pastosen Farbflächen Schicht für Schicht überlagert und verfremdet. Es geht Faller um Sichtbarmachung innerer Befindlichkeiten. Um es mit einem Wort zu sagen: Es sind Seelenporträts, surrealistisch beeinflusste Bilder.
Natürlich haben Spuren der Kunstgeschichte sich in diese Köpfe eingegraben. Die meisten Betrachter denken wohl gleich an Jawlenskys vereinfachte Urform-Köpfe, die neuzeitliche Ikonen geworden sind; andere wiederum an Francis Bacon, der die Physiognomien ähnlich grotesk wie Faller mit Farbflächen verzerrt hat. Nicht weit entfernt ist in einem Bild das Maskenhafte eines James Ensor.
Bei Wolfgang Faller wird auch die Farbe zum Träger psychischer Vorgänge. Es sind vielerlei Gesichter unterschiedlichster Art, mal sanft, mal deftig-kräftig, mal in fratzenhafter Verzerrung. Aber immer von persönlicher Ausdruckskraft. Inzwischen arbeitet Faller auch mit Collagen, es gibt Siebdruckarbeiten von ihm und im Bereich der Objekte ist er sehr originell.
Fundstücke als Arbeitsmaterial
Er verwendet Fundstücke als Material, Schwemmholz vom Lago Maggiore, nach Stürmen angeschwemmt. Das nimmt er mit in sein Atelier. „Man kann so viel finden, wenn man unterwegs ist“, sagt Faller. Zuhause drapiert er die Funde auf dem Boden und weiß bald, was er daraus macht. Etwa einen „Kopf-Strauß“ mit bemalten „Blüten“-Köpfen, einen Vogel, ein Monster, auf dem Figuren reiten oder das Narrenschiff nach Sebastian Brant mit Porzellanfiguren an Bord.
Von seinen 300 „Zugvögeln“ in Menschengestalt, die ganz aus der Fläche herauswachsen, hat er ein Ensemble von 23 dieser Figurenreliefs an der großen Stirnwand wie einen Vogelschwarm ausgebreitet.
Originelle, poetische Ader, die in den Bildern zum Tragen kommt
Das ist beeindruckend, was man mit Materialien aus der Alltagssphäre alles machen kann – bis hin zu den Fischkonservendosen, die mit Künstlerporträts versehen sind. Wolfgang Faller hat nicht nur eine originelle, sondern auch eine poetische Ader, die in seinen Bildern zum Tragen kommt, wenn er Texte eingraviert, meist Überschriften aus Zeitungsartikeln. Aus seinem reichhaltigen seriellen Oeuvre – er arbeitet oft an Werkgruppen parallel – kann der Künstler, der Kunst in Mailand und Lille studiert hat, oft nur Einzelbeispiele zeigen wie aus dem Zyklus „Die Gestreiften“, Streifen mit Köpfen, die inspiriert sind von Strichcodes.
Zu den figurativen Arbeiten gehören auch Tanzszenen und bewegte Figurengruppen. Zwei Sitzende, von denen einer fast vom Stuhl kippt, passen vom Motiv her bestens nach Weil, in die „Stadt der Stühle“.
Wolfgang Faller „Zeitläufe“
Vernissage:
Die Vernissage findet am Samstag, 21. März, 18.30 Uhr, statt., Die Begrüßung übernimmt Oberbürgermeisterin Diana Stöcker. Die Ausstellung dauert bis zum 31. Mai, geöffnet samstags 15 bis 18 Uhr, sonntags und feiertags von 14 bis 18 Uhr. Am Ostermontag und am Finissage-Sonntag ist der Künstler anwesend.
Preisverleihung:
Die Preisverleihung findet am 15. April, 18.30 Uhr, in der Städtischen Galerie Stapflehus statt. Die Laudatio hält Heike Piehler, Kunstsachverständige des Stiftungsrats.
Museumstag:
Am Internationalen Museumstag, 17. Mai, kann man Wolfgang Faller im Atelier in Müllheim besuchen.
Preisverleihung:
Die Preisverleihung findet am 15. April, 18.30 Uhr, in der Städtischen Galerie Stapflehus statt. Die Laudatio hält Heike Piehler, Kunstsachverständige des Stiftungsrats.