Ein ungewöhnlicher Dialog aus Holz, Raum und Sprache: Bei einem Künstlergespräch verleiht Autor Werner K. Bliß den Arbeiten von Ariane Faller und Mateusz Budasz eine zusätzliche Ebene.
Scheinbar formvollendete, weiche Worte trafen auf hölzerne Ecken, harte Kanten und unregelmäßige Formen – in der Ausstellung „with or without you“ verlieh der Schiltacher Schriftsteller Werner K. Bliß den Werken von Ariane Faller und Mateusz Budasz eine auditive Komponente.
Der Vorsitzende des Kunstvereins Podium Kunst Lars Bornschein begrüßte die Gäste in den Ausstellungsräumen des Schlosses in Schramberg und zeigte sich erfreut, dieses besondere Trio willkommen heißen zu dürfen. Auch Bliß beteuerte, es sei ein Geschenk, zu diesem Austausch eingeladen zu sein.
Der Weg in die Kunst
In lockerer Atmosphäre unterhielt er sich mit den beiden Künstlern über deren Arbeit und ihre Wege in die Kunst. Während diese für Faller schon immer präsent und ein bedeutender Teil ihres Lebens war, erinnerte sich Budasz noch genau an den ersten Berührungspunkt. Das Flicken einer zerrissenen Hose habe Jahre später in ihm das Gefühl ausgelöst, das sei „sein Weg in die Kunst“ gewesen.
Während des Austauschs über die künstlerischen Herangehensweisen der beiden trug Bliß verschiedene zu den Gesprächsthemen passende Gedichte und Anekdoten vor, die die Gäste noch tiefer in die Arbeit der zwei Kunstschaffenden eintauchen ließen. Umgeben von den „fragilen und doch stabilen“ Gerüsten der Holzkonstruktionen im mittleren Ausstellungsraum entwickelten sich Unterhaltungen über die Art und Weise, wie sich Räume durch die ausgestellten Exponate veränderten, wie ortsbezogene Kunst wirke und wie bedeutend das Gegenspiel von Konstruktion und Dekonstruktion werde. Faller vermittelte den Zuhörerinnen einen Eindruck, wie es während der Ausstellungsvorbereitungen in den drei Räumen ausgesehen habe und berichtete, wie Budasz mehrfach in den nah gelegenen Baumarkt fuhr, um neue Holzlatten zu besorgen.
Ehrfürchtig lauschende Gäste
Für Bliß hatten die Holzkonstruktionen „etwas spielerisch Poetisches,“ was ihn an einen Spielort aus längst vergangenen Tagen zurückdenken ließ. Der „Alten Säge“ in Schiltach, einem ehemaligen Sägewerk, widmete er sein Gedicht „noch einmal.“ Es erzählt von einem Ort, der „ein Orchester aus Erinnerungen“ erklingen ließ, die „im Schnittholzgeruch erblühen.“ Seine Werke berichten von Sehgewohnheiten, die sich „im Licht des Tages ändern“ und erinnern an die Holzgerüste, die in der schwach hereinfallenden Sonne – draußen herrschte regnerisches Museumswetter – Schatten an die Wände warfen. Er erklärte den ehrfürchtig lauschenden Gästen in ruhigen Worten, wie Geschichten sich „aufeinanderschichten“ und zu einem werden. Beiden Kunstschaffenden hatte er jeweils ein Gedicht gewidmet. „Nachlass“ erinnert an den Prozess des Loslassens und des Abschieds von Altem.
Doch was passiert mit all den Dingen aus ehemaligen Wohnhäusern, die keinen Nutzen mehr haben? Mit ähnlichen Fragen hatte sich Faller im rechts angrenzenden Ausstellungsraum beschäftigt, in dem sie auf Sockeln bemalte und collagierte Ausschnitte von Fensterzargen präsentiert – ausgebaut aus ihrem eigenen Elternhaus.
Tiefgründiger Bezug
Für Badusz hatte Bliß einen anderen, auf den ersten Blick weniger offensichtlichen, doch genauso tiefgründigen Bezug gewählt. In einem vergangenen Gespräch unterhielten sich die beiden über den aktuellen Stellenwert von Kunst und Kultur in der Gesellschaft und wie Kunstprojekte stets mit anderen lokalpolitischen Entscheidungen um finanzielle Mittel konkurrieren müssten. Mit dieser Unterhaltung assoziierte der Schriftsteller das Gedicht „am busbahnhof“, das stellvertretend für finanzielle Abwägungen in vielen lokalen Gemeinden steht.
„Restposten“ – Verse über das Aufbrechen und Ordnen der zurückgebliebenen Dinge – leitete auch den Abschied der drei Kunstschaffenden aus der Ausstellung ein. Für alle Interessierten verlegte Bornschein den weiterführenden Dialog in eine nahegelegene Gaststätte zu einem Glas Wein und einem kleinen Gaumenschmaus.