Freche Trompeten, Kürbisflöten oder ein Duduk aus Armenien. Das Schweizer Duo „M31 Gagala Univers“ hat neue Hörerfahrungen in die Kulturscheune Rabe in Kleinkems.
Spannend bis zum letzten Ton war der Auftritt des Schweizer Duos „M31 Gagala Univers“ in der Kulturscheune Kleinkems mit Ruedi Linder und Silja Nidecker. Hausherr Christian Rabe würdigte mit Linder einen der Hauptinitiatoren, die 1980 die Basel Sinfonietta als „alternatives Orchester“ ins Leben gerufen hatten.
Etwas vom Hauch dieser Begeisterung für neue Hörerfahrungen wehte durch die Kulturscheune, in der die beiden mit einer ganzen Reihe von Blasinstrumenten einen Klangkosmos der besonderen Art entfalteten.
Sie näherten sich von zwei Seiten, aus dem Raum hinter der Bühne und von der Eingangstreppe her, zunächst unsichtbar. Dafür hörte man freche Trompetentöne, die sich in einem launigen Dialog aufeinander zubewegten, bis die Künstler ins Bild kamen. Eine verrückte Geschichte mit unerwarteten Wendungen – erzählt in Tönen. Wer möchte da nicht wissen, wie sie weitergeht?
Dann kamen die beiden Alphörner ins Spiel, die schon vielversprechend auf dem Boden gewartet hatten, und die Scheune weitete sich unter ihrem sanften Klang zu einem imaginären Bergpanorama mit hohen Gipfeln und tiefen Tälern. Und so setzte sich das detailreiche Schauspiel für die Ohren fort, in dem nicht nur Trompeten und Alphörner, sondern auch verschiedene Flöten, Synthesizer, Keyboard und ein winziges Stylophone ihre Rolle spielten.
Aus China habe er die beiden Hulusi mitgebracht, mit bunten Quasten verzierte Kürbisflöten, berichtete Linder. Ein warmer, näselnder Klang entströmte ihnen, auch hier entstand ein engagierter Dialog, im Tonfall der menschlichen Stimme ähnlich. Große Aufmerksamkeit erregten die beiden „Büchel“, aus Holz gefertigte Blasinstrumente, die einem zusammengefalteten Alphornähneln, im Ton aber heller klingen.
Ihnen entlockte das Duo flotte Trompetensignale und ein lüpfiges Tänzchen im Volkston. Eine eigene Kategorie waren die verschiedenen Flöten, darunter Instrumente aus Ägypten und Japan und auch ein Duduk aus Armenien. Der menschliche Atem erweckte die Flöten zum Leben, war zum Teil als Rauschen mit im Klangbild, ließ Obertöne tanzen, Tierlaute aufscheinen oder imitierte in empathischen Glissandi die menschliche Stimme.
Sanfter hohler Klang aus mächtigen Muscheln
Ein Stück wurde mit dem sanften, hohlen Klang aus zwei mächtigen Muscheln eingeleitet. Dramatisch wurde es bei einem Stück, in dem sich Keyboard und Trompete ein hitziges Gefecht der Geräusche lieferten, in denen kurze Motivschnipsel aufblitzten. So klang es damals, als man am alten Röhrenradio nach dem richtigen Sender suchte.
Aus den Tiefen des Universums schien der mächtige Klang des Didgeridoo zu kommen, eine Geisterstimme von fremder, verstörender Vitalität. Dazu malte der Synthesizer das Grollen eines fernen Gewitters.
Und weiter ging die Reise durch unerhörte Klangwelten mit einem Duo, in dem die Tuba mit Wasser gefüllt und die Trompete mit dem Schalltrichter in ein Wasserbecken gehalten wurde.
Eine „Wassermusik“ der besonderen Art. Was man am Ende mitnehmen konnte, war nicht nur der Einblick in eine vielgestaltige Welt der Blasinstrumente, sondern auch ein im Sinne von John Cage neu geschärftes, aufmerksames Hören.