Michael Hakenmüller leitet die Regionalgruppe der deutschen olympischen Gesellschaft. Er kritisiert die hemmungslose Kommerzialisierung der Spiele, die dem olympischen Grundgedanken seiner Ansicht nach völlig widersprechen. Foto: Stopper

Zum Wettkampf antreten, auch wenn man keine Siegchancen hat – diesem olympischen Motto folgt auch Michael Hakenmüller. Er kämpft gegen die Kommerzialisierung der Olympischen Spiele als Vorsitzender eines Vereins, dem die Kräfte schwinden.

Hechingen - Michael Hakenmüller ist Vorsitzender der Olympischen Gesellschaft, Regionalgruppe Reutlingen/Tübingen/Hechingen. Und dieser Verein hat rein gar nichts mit dem Deutschen Olympischen Sportbund zu tun, der die deutschen Athleten auswählt und finanziert, die zu den Spielen antreten dürfen. Ganz im Gegenteil: "Die Teilnahme ist alles", zitiert Hakenmüller Pierre de Coubertin, der Urvater der modernen Olympischen Spiele. Und Hakenmüller ergänzt: "Olympia ist eben nicht dazu da, viel Geld zu verdienen und den Marktwert von Profisportlern zu erhöhen".

 

Angesichts des aktuellen Medienspektakels klingt das etwas altmodisch, aber genau das will Hakenmüller durch sein Engagement auch fördern: Die Rückbesinnung auf alte Werte des Sports. Fairness, Respekt vor jeder Leistung, die Bereitschaft, sich für einen Erfolg zu schinden aus reiner Leidenschaft und ohne Berechnung, dadurch materielle Vorteile zu ziehen. Kurz: Amateur sein: Früher war das ein Ehrenbegriff im Sport, heute klingt das eher abwertend. Profis dominieren überall die Szene.

Nicht im Sinne des olympischen Gedankens

Das war noch anders, als 1951 in Frankfurt die deutsche Olympische Gesellschaft gegründet wurde mit dem Ziel, Geld aufzutreiben, das den deutschen Athleten ein Start bei Olympischen Spielen überhaupt erst ermöglichte. Als diese Finanzierung durch staatliche Stellen übernommen wurde, wählte sich der Verein das Ziel, den Sportstättenbau zu unterstützen, denn nach dem Krieg lag hier noch viel in Trümmern. Später kamen ideelle Ziele dazu. Die "Strahlkraft des Vereins" nahm allerdings ständig ab, während durch IOC und deutschen Sportbund Olympia zunehmend zur milliardenschweren Show entwickelt wurde. Und das viele Geld, das hier ins Spiel kam, weckte auch bei den Athleten den Wunsch, am großen Kuchen Teil zu haben. Sportzirkus, der früher kritisch gemeinte Begriff wird heute eher nüchtern-beschreibend genutzt.

Hakenmüller stößt das ab. "Wir schauen hier Leuten bei der Arbeit zu", sagt er über die Übertragung der Spiele. Dass Sport eigentlich mal eine schöne Form des Zeitvertreibs war, wie das engliche Ursprungswort für dieses Hobby nahe legt, werde immer mehr vergessen. "Zumindest dem olympischen Gedanke aber widerspricht das doch völlig", meint Hakenmüller.

In früheren Zeiten hätten ihm viele zugestimmt. Anfangs gab es vor allem von Vertretern unbekannterer Sportarten noch Proteste, als etwa Steffi Graf als hochbezahlte Profi-Tennisspielerin zu Olympischen Spielen antreten durfte. Heute wundert sich das Publikum eher, was Randsportarten ohne jeglichen ökonomischen Nutzen für die Werbewelt dort eigentlich noch zu suchen haben.

Vorstandsmitglieder legen aus Protest ihre Ämter nieder

Eine Auseinandersetzung, die auch in der Olympischen Gesellschaft zu Zerwürfnissen geführt hat. Während Hakenmüller im Regionalverband die reine olympische Lehre vom nicht-kommerziellen Sport vertritt, waren andere Vorstandsmitglieder der Ansicht, mit viel Sponsoring und der Generierung weiterer Einkünfte den Weg in die Zukunft zu finden. Hakenmüller findet dies wenig Erfolg versprechend. "Niemand von denen hat Sponsoren gefunden", erzählt er.

Die Wahlen haben nun zwar ihn im Amt bestätigt, die Mitglieder stärkten seine idealistische Sichtweise auf die Spiele. Andere Vorstandsmitglieder, die andere Ansichten vertraten, legten aus Protest ihre Ämter nieder. Momentan stehe die Vereinsführung deshalb auch "auf sehr dünnen Füßen", räumt er ein. Und auch die Aktivitäten des Vereins sind recht überschaubar geworden.

Ob sich das nochmal ändert? Hakenmüller denkt olympisch. Antreten zum Wettkampf ist alles. Aber er rechnet mit weiteren Niederlagen. Die nächsten Olympischen Winterspiele finden in Peking statt. Einem Staat, der zunehmend aggressiv und autoritär auftritt. Für Hakenmüller ist klar: "Was dort passiert, hat mit der olympischen Ursprungsidee nichts mehr zu tun."