Riesige Freude bei dem Mann aus Immenstaad am Bodensee: Der 49-jährige Christoph Keckeisen wurde am Montag im ersten Wahlgang mit einer überwältigenden Mehrheit zum Nachfolger des Rottweiler Landrats Wolf-Rüdiger Michel gewählt.
Als Wolf-Rüdiger Michel das Wahlergebnis verkündet, fallen sich Christoph Keckeisen und seine Frau Marcia unter tosendem Applaus in die Arme. Die Anspannung fällt ab, die Freude ist riesengroß: 39 von 43 Stimmen konnte der Erste Landesbeamte aus dem Bodenseekreis auf sich vereinen. Er beerbt damit Wolf-Rüdiger Michel, der nach 24 Jahren im Amt nicht mehr angetreten war und Ende April in den Ruhestand eintreten wird.
Sogleich darf Keckeisen die Glückwünsche seines Mitbewerbers Frank Bonath entgegennehmen. Nachdem der noch amtierende Landrat Christoph Keckeisen und Frank Bonath Blumensträuße überreicht hat, ergreift der Frischgewählte das Wort. Er dankt vor allem für das „überwältigende Vertrauen“, das ihm mit diesem Votum vom Gremium entgegengebracht wird, aber auch seiner Familie für den Rückhalt und seinem Mitbewerber. Er freue sich jetzt darauf, viele neue Leute kennenzulernen und „auf alles, was da kommt“. Seine Rede wird mit Standing Ovations vom Kreistag und der Kreisverwaltung quittiert.
Kurz darauf bildet sich bereits eine lange Schlange an Gratulanten. Einige bedanken sich aber auch bei Frank Bonath für dessen Kandidatur. Der 54-jährige Diplom-Volkswirt und FDP-Landtagsabgeordnete aus Villingen-Schwenningen wirkt im Gespräch mit uns gefasst.
Auch wenn er das Wahlergebnis so nicht erwartet habe, wie er sagt, so erlebe man ihn nicht vollkommen niedergeschlagen. „Die Dinge laufen wie sie eben laufen. Das ist in Ordnung so“, sagt er. Er freue sich für Christoph Keckeisen. Das deutliche Wahlergebnis sei seine „super Grundlage“ für einen guten Start. Am Montag hatten nun beide Kandidaten im Rahmen einer kurzen Vorstellung in der gut gefüllten Rottweiler Stadthalle noch einmal die Gelegenheit, die Kreisräte von sich zu überzeugen, ehe in geheimer Wahl abgestimmt wurde.
Wie es nun für ihn selbst weitergehe? Erst einmal feiere er am Dienstag Geburtstag. Am Tag danach werde er sich dann überlegen, was er nun als Nächstes angehe, so Bonath.
Chance zu überzeugen
Vor der Abstimmung in geheimer Wahl hatten beide Kandidaten noch die Gelegenheit bekommen, in maximal 15 Minuten – und in Abwesenheit des Mitbewerbers – darzulegen, was sie ausmacht und das Gremium damit von sich zu überzeugen.
Frank Bonath legte den Fokus auf „starke Kommunen und eine starke Wirtschaft“. Der Landkreis müsse Dienstleister und verlässlicher Möglichmacher sein, die Wirtschaft verstehen und sie unterstützen, statt zu bremsen. Solide Finanzen würden zudem zur Kernfrage guter Kreispolitik, so Bonath. Dafür bringe er viel Erfahrung mit – aus seinen politischen Mandaten, aber auch beruflich. Der Landkreis brauche „einen Landrat, der auch Finanzprofi ist“. Und eine moderne Verwaltung, die gute Leute anziehe.
Er habe in den vergangenen 30 Jahren keine klassische Verwaltungslaufbahn durchlaufen, er habe andere Erfahrungen gesammelt: in der Digitalisierung, der Restrukturierung, im Finanzwesen. Und er wies auf seine Kontakte zur Landespolitik hin. „Ich sorge heute nicht nur für eine echte Wahlmöglichkeit, sondern mache auch das passendere Angebot“, so Bonaths Überzeugung.
Bürgernähe, Entscheidungsfreude, Sichtbarkeit
Christoph Keckeisen legte sein Amtsverständnis dar. Da seien zunächst Bürgernähe und Kommunalfreundlichkeit. Das Landratsamt sei Dienstleister und müsse sich das täglich erarbeiten. Im Kreistag zähle für ihn derweil Sach- statt Parteipolitik, und er werde sich beharrlich nach oben – Richtung Land und Bund – für den Landkreis stark machen, versprach er.
Weitere Aspekte seien Entscheidungsfreude und Pragmatismus. Er sehe das Landratsamt als Ermöglichungsbehörde. Dafür seien vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage tragfähige Kompromisse wichtig. Ökologie und Ökonomie dürften dabei aber kein „Entweder-Oder“ werden, ebenso wie sich die Worte „innovative Ideen“ und „Behörde“ nicht widersprechen dürften.
Drittens seien ihm Sichtbarkeit und Präsenz wichtig. Er wolle Verantwortung übernehmen, auch wenn es mal unbequem werde. Erfolge gemeinsam feiern und zusammenstehen, wenn es eng wird – so die Devise. Mit Blick auf die kommenden Herausforderungen sagte Keckeisen, wenn eine Region Transformation schaffe, dann der Kreis Rottweil.
Gesunde Finanzen mit einer Politik der Vernunft und des Maßes seien ein Schwerpunkt. Weitere seien gute Bildung, auch in schweren Zeiten und eine leistungsfähige Infrastruktur, die erhalten und gezielt ausgebaut werden müsse. Personelle Engpässe dürften das nicht verhindern. Deshalb müsse man neue Wege gehen und auf externe Lösungen setzen. Um eine echte Alternative zu sein, müsse der ÖPNV zudem optimal vernetzt und vor allem verlässlich sein.
Keckeisen sprach zudem die „digitale Autobahn“ an. Schnelles Internet eröffne neue Chancen, etwa für Telemedizin. Sein letzter Schwerpunkt sei die krisenfeste Daseinsvorsorge – ob es um die medizinische Versorgung gehe oder Krisen wie Hochwasser und Co.
Im Neubau des Landratsamtes sehe er derweil eine große Chance – als Symbol für moderne Verwaltung. Er steuere eine Modernisierungsagenda an von „A“ wie „alle Dienstleistungen sollen online verfügbar sein“ bis zu „Z“ wie „Zeit für das Wesentliche“, auch durch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz – und wolle dabei als Landrat Vorbild sein.
Dann wird es ernst
Dann wurde es ernst, und die Kreisräte wurden einzeln zur Abstimmung in der Wahlkabine aufgerufen. Und die Spannung war beinahe greifbar, als die Urne schließlich ausgekippt wurde und die Zählkommission, bestehend aus Landrat Michel und Vertretern der Fraktionen, sich daran machte, die Stimmen auszuzählen. Mit der Ergebnisverkündung fiel sie spürbar ab und wich einer gelösten Stimmung.
Erste Anzeichen für den Wahlausgang hatte es bereits im November gegeben. Die CDU-Fraktion hatte da bereits angekündigt, geschlossen für Christoph Keckeisen zu stimmen. Auch die FWV hatte den Juristen aus Immenstaad am Bodensee als Favoriten bezeichnet, während sich die FDP-Fraktion zu Frank Bonath (FDP-Landtagsabgeordneter) bekannte und SPD, Grüne/ÖDP und AfD keine Tendenz erkennen ließen.
Dass das Ergebnis dann doch so deutlich sein würde, zeigte am Montag, dass der Kreistag sich über die Parteigrenzen hinweg im Kern größtenteils einig zu sein scheint. Zu Häppchen stand man anschließend noch gerne beieinander und ließ die Wahl gemeinsam Revue passieren.
Der neue Landrat
Christoph Keckeisen, geboren am 20. August 1976 in Ravensburg, ist Jurist, verheiratet und Vater von drei Kindern. Nach seinem zweiten juristischen Staatsexamen (2004) war er laut Mitteilung zunächst fünf Jahre als Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht tätig.
2009 wechselte er in den Dienst des Landes Baden-Württemberg. Seine Stationen umfassten unter anderem die Leitung des Umwelt- und Baurechtsbereichs im Hohenlohekreis, eine Tätigkeit als Referent im Innenministerium des Landes Baden-Württemberg (Abteilung 1 – strategische Personalarbeit), im Bundesministerium des Innern in Berlin und ab 2017 als parlamentarischer Berater der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg.
Seit 2019 ist Christoph Keckeisen Erster Landesbeamter und Stellvertretender Landrat im Bodenseekreis. Zu seinem Verantwortungsbereich als Dezernent gehören das Personalamt, das Amt für Digitalisierung und Organisation, das Veterinäramt, das Rechts- und Ordnungsamt, das Amt für Bürgerservice, Schifffahrt und Verkehr und die Kreisvolkshochschule.