Der Chor „Schöne Töne“ und die Weiler Orchestergesellschaft vor den Backsteinwänden der katholischen Kirche „zum Guten Hirten“ in Friedlingen. Foto: Tonio Paßlick

„Himmlische Klänge“ versprach die Orchestergesellschaft mit ihren beiden Herbstkonzerten in der„Èglise du Christ-Roi“ in Huningue und in der „Kirche zum Guten Hirten“.

Der langanhaltende Beifall in beiden Kirchen bewies, dass der Zusammenklang der Orchestergesellschaft Weil am Rhein mit dem Chor „Schöne Töne“ aus Lörrach die geweckten Erwartungen sogar zu übertreffen vermochte.

 

In einer geschickten Auswahl kleiner, aber für die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts prägender Werke verzauberten Chor und Orchester mit einer abwechslungsreichen Interpretation vieler bekannter Themen aus Romantik und Spätromantik bis hin zu den wunderbar transparent vom Chor vorgetragenen Motetten „Salve Regina“ und „O magnum mysterium“ von Francis Poulenc aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Mit Edward Elgars „Chanson de matin“ eröffnete die Orchestergesellschaft den Abend. Ein melodiöses und zugleich warm orchestriertes Werk, in dem die Handschrift von Dirigent Franck Nilly sofort erkennbar war: keine pastosen Affekte, sondern eine sehr differenzierte dynamische Gestaltung.

Kraftvolle Psalme mit romantischer Musik

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Psalm 42 op 42 für Sopran Solo, Chor und Orchester“ folgte das Hauptwerk des Abends. Wie wohl kaum ein zweiter Komponist des 19. Jahrhunderts verband Mendelssohn die kraftvolle Sprache der Psalmen im Alten Testament mit der Aussagekraft der romantischen Musik. „Wie der Hirsch schreit“ so lautet der Titel von Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonung von Psalm 42. Gefühle wie Sehnsucht, Angst in bedrängten Zeiten und Hoffnung auf Rettung durch Gott beschreibt der Psalm. Schumann bewertete das Werk als „höchste Stufe, die die neuere Kirchenmusik überhaupt erreicht hat“. Lyrische Passagen, anmutig und voller Ausdruckskraft von der spanischen Sopranistin Natàlia Sánchez Morales gesungen, wechselten sich mit bewegten Chorsätzen ab, während das Orchester expressive Tonkunst mit solistischer Raffinesse verband.

Dem ersten Sopran-Solo folgt ein Adagio-Arioso mit betörend schöner solistischer Obое und ein mitreißendes Allegro-assai, in das die Frauenstimmen des Chores einfallen. Sehnsucht, Zweifel und Vertrauen in einem restlos überzeugenden musikalischen Vortrag glaubwürdig und nachvollziehbar gestaltet: das Publikum war so begeistert, dass es mitunter auch zwischen den Sätzen in Beifall ausbrach. Mit dem berühmten Satz „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus dem Oratorium „Elias“ ließen Chor und Orchestergesellschaft kurz darauf ein weiteres Glanzstück von Mendelsohn-Bartholdy folgen, dieses mal dirigiert von Konstanze Franke.

Ein bisschen Bach-Nostalgie mit Aufbruch in neue Zeiten

Die von Dieter Lämmlin souverän gespielte Truhen-Orgel übernahm bei Camille Saint-Saens „Prélude“ aus seinem Weihnachtsoratorium das Malerische des Ausdrucks, dem das Orchester eine zuweilen angedeutete orientalische Färbung verlieh. Ein bisschen Bach-Nostalgie gepaart mit den Anzeichen eines Aufbruchs in neue Zeiten. Die Harfe von Caroline Grandhomme durfte dafür bei Jules Massenets Meditation aus der Oper „Thaïs“ das berühmte Geigensolo im zweiten Akt einleiten, zart, schmelzend und ein wenig erratisch von Konzertmeister Christian Rozgonyi interpretiert. Kurz vor 1900 entstanden wirkt diese Stück wie der Höhepunkt einer Epoche, frei und fließend, kurz bevor Dadaismus und Expressionismus Ecken und Kanten als Stilmittel verwenden.

Die Brüche sind bei Francis Poulenc eher biografische Auslöser, aber die beiden eingangs erwähnten Chorwerke gehören musikalisch zu den anspruchsvollsten und schönsten Kompositionen der Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Chor überzeugte mit einem ergreifend schönen Vortrag, licht, transparent und machtvoll zugleich.

Raffinesse der französischen Musik

Die Pavane, Op. 50 von Gabriel Fauré, ein elegantes und von leiser Ironie durchzogenes Werk für Chor und Orchester, das die Raffinesse der französischen Musik des späten 19. Jahrhunderts einprägsam unterstrich. Ein zarter Spaziergang zwischen Renaissance und Romantik, mit verträumten Pizzicati und melancholischen Bläsermelodien subtil interpretiert. Als würde die Zeit langsamer, aber dennoch unerbittlich voranschreiten.

Das tat sie auch im Konzert. Mit Engelbert Humperdincks „Abendsegen und Traumpantomime“ aus „Hänsel und Gretel“ endete das Programm mit märchenhaftem und orchestralen Glanz. Ergreifend schön das Duett der Solistinnen Natàlia Sánchez Morales (Sopran) und Konstanze Franke (Mezzosopran) in einem Finale der beiden miteinander dynamisch verschmelzenden Klangkörper. Orchester und Chor hatten jedoch noch eine Zugabe aufgespart, einen heiteren und zugleich mitreißenden „Engelschoral“. Und weil der Beifall nicht abebbte die Wiederholung der Pavane.