Bei den Opernfestspielen Schloss Glatt wurde 2025 die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss aufgeführt. War das ein „Luxusprojekt“? Foto: Schnekenburger

Wenn die Einnahmen zurückgehen, schaut man allerorts nach Einsparpotenzial. Der Sulzer AFD-Stadtrat hat die Kultur im Blick – als überflüssigen Luxus.

Die wirtschaftliche Lage der vergangenen Jahre hat deutliche Auswirkungen auf die Kommunen. In der Nachbarstadt Horb geht es etwa darum, gut 100 000 Euro im Kulturbereich einzusparen.

 

In den sozialen Medien äußerte sich Stefan Link, der auch für die AfD im Gemeinderat Sulz sitzt, dazu: „Wenn kein Geld da ist spart man zuerst beim Luxus. Und Kultur ist in meinen Augen Luxus. Braucht es nicht um zu überleben.“

Kultur schafft Begegnung

Wie kommt das in der Kulturszene von Sulz an? Wir haben uns umgehört. „Für Städte und Gemeinden ist meines Erachtens ihr Kulturangebot überlebenswichtig“, hält Richard Weinzierl vom Bauernfeind-Museum fest. In direkter Wohnortnähe sorgten sie dafür, dass auch nicht mehr so mobile Bewohner am kulturellen Leben teilnehmen könnten.

So schaffe man Räume der Begegnung und der Teilhabe – etwas, was für den Zusammenhalt der Gemeinschaft existenziell sei. Kultur könne auch die Attraktivität des Wohnorts – besonders für junge Familien und deren Kinder – steigern.

Kultur wirkt nachhaltig

„In Deutschland leben etwa fünf Millionen Menschen mit muslimischem Glauben – sie sind ein Teil von uns“, erklärt der Museumsleiter. Gerade in den orientalischen Bildern von Gustav Bauernfeind bekomme man einen Einblick in diese – für viele von uns – fremde Welt, hebt er die Bedeutung der Einrichtung hervor. Und betont: „Gustav Bauernfeind ging auf seinen Reisen immer auf Augenhöhe mit anderen Kulturen um, für mich ist er in diesem Punkt ein Vorbild.“

Auch Sven Gnass, vielen Sulzern bekannt durch das Neujahrskonzert und die Opernfestspiele in Glatt, bezieht Position. „Die Opernfestspiele Schloss Glatt wurden vor 20 Jahren aus der Mitte der Bürger gegründet und beweisen, dass kulturelle Angebote, sogar in der Kunstform Oper, nachhaltig Bedarfe befriedigen und generieren können“, erklärt er.

Kultur hat zentrale Bedeutung

Somit tragen sie zum Erhalt von Kultur und Werte für nachfolgende Generationen bei. Das belegten Tausende Stakeholder der Opernfestspiele Schloss Glatt. „Kunst und Kultur beheimatet die Menschen“, betont er. 

„Kultur und Geschichte sind kein Luxus, sondern von zentraler Bedeutung für jede Gesellschaft“, ist Cajetan Schaub vom Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt (KMZ) überzeugt. Denn kulturelles Erbe und historisches Bewusstsein schafften erst die Grundlage für Identität, Zusammenhalt und Orientierung.

Wichtig für Gesellschaft

Und er verdeutlicht das am Beispiel des KMZ. So erkläre das Schlossmuseum die Entwicklung eines Ortes und seiner sozialen Strukturen, während das Adelsmuseum die historischen Machtverhältnisse verdeutliche. „Das Bauernmuseum macht den Alltag der einfachen Bevölkerung nachvollziehbar“, beschreibt er das Gesamtkonzept.

„Kultur und Geschichte sind kein Luxusgut, das man sich nur in guten Zeiten leisten kann. Sie sind essenziell für eine funktionierende Gesellschaft“, erläutert Staub. Schließlich stärkten gemeinsame kulturelle Erlebnisse den sozialen Zusammenhalt, gleichzeitig werde die regionale Identität wird gefördert.

Es geht ums „Überleben“

Und betont die Bedeutung von Kultur als Begegnungsort. „Im Schloss finden nicht nur Ausstellungen statt, sondern auch Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Familientage, Theater- oder Opernaufführungen, die Menschen zusammenbringen“, zählt der Museumsleiter auf.

Link begründet die aus seiner Sicht notwendigen Einsparungen bei Kultur, die nichts zum Überleben beitrage. „Ums Überleben wird es künftig bei den Kommunen gehen“, prognostiziert er.