Mit ihren großen Augen, langen Beinen und weichem Gefieder sind Steinkäuze putzige Zeitgenossen. Jedoch sind sie bedroht – auch in unserer Region.
Steinkäuze fühlen sich in Baumhöhlen wohl. Dort sind sie geschützt vor Fressfeinden, der Nachwuchs kann an den Ästen der Bäume fliegen üben und die Vögel finden in den Streuobstwiesen Nahrung. Doch solche alten Bäume, in denen sich Baumhöhlen bilden, sind rar geworden. In einer großangelegten Aktion hängte deshalb die Nabu-Ortsgruppe Ettenheim Nisthöhlen auf – mit Erfolg. Hatten in den 1980ern im gesamten Ortenaukreis nur noch zwei Steinkauz-Paare gebrütet, verzeichnete Steinkauzbetreuer Hardy Scheer 2017 wieder 13 Brutpaare allein in Ettenheim. Inzwischen hat sich deren Anzahl jedoch wieder halbiert, ist auf sieben in der gesamten Region zurückgegangen, berichtet Scheer, der die Steinkäuze seit 2013 zuerst für den Nabu und nun gemeinsam mit Hartmut Mohr und Dieter Kraus für den BUND-Ortsverband Ettenheim mit Umland betreut. Das Steinkauzprojekt finanziert sich rein über Mitgliederbeiträge, Spenden und Fördermittel.
Steinkauz findet kein Futter mehr: Zwar hat der Steinkauz dank der gut 60 um Orschweier, Kappel-Grafenhausen und Ettenheim aufgehängten Niströhren inzwischen wieder genug Nistplätze, es fehlt ihm jedoch an Futter. Denn der Steinkauz jagt – dank seiner verhältnismäßig langen Beine – seine Beute laufend am Boden – vor allem Feldmäuse, aber auch Regenwürmer und andere Bodenlebewesen. Dafür braucht er kurzrasige Wiesen. Nur selten stellt er seiner Beute im Fliegen nach. Im hohen Gras kann sich der Vogel, der gerade einmal so groß wie eine Wasserflasche ist, nur schwer fortbewegen, geschweige denn seine Beute stellen. Auch die dicht bepflanzten Äcker sind aus diesem Grund für den Steinkauz ungeeignet. Zudem braucht er eine Ansitzmöglichkeit, um seine Beute zu entdecken. Die Brut beginnt im April. Zunächst muss das Männchen alleine so viel jagen, dass seine Partnerin und die Kinder überleben. Haben die Jungvögel ein erstes Federkleid, kann das Weibchen wieder mit jagen. Mitte Juni werden die Jungen flügge und beringungsreif. Ist für den Steinkauz absehbar, dass die Jungen, die Mitte Mai schlüpfen, nicht genug Futter haben bricht er die Brut ab. Hochstehendes Gras in Kombination mit sehr nasser Witterung verwehrte dem Steinkauz im Vorjahr den Zugang zu seiner Beute, der Feldmaus. Nur ein Steinkauzpaar brachte seine Brut durch.
Ohne Streuobstwiesen kein Steinkauz: Was wäre also ein ideales Zuhause für so einen Steinkauz? Eine in der Brutzeit kurzgemähte Streuobstwiese mit hochstämmigen Bäumen – doch davon gibt es immer weniger. Das hängt zum einen damit zusammen, dass es rentabler ist, Streuobstwiesen in Ackerland umzuwandeln. Zum anderen hat sich die Nutzung der Wiesen geändert. Bis zum 19. Jahrhundert wurden die Wiesen auch beweidet, die Tiere hielten das Gras kurz, erklärt Scheer. „Das war nicht nur eine ideale Jagdfläche für den Steinkauz, es hat auch einen großen Arten- und Strukturreichtum ermöglicht.“ Doch mittlerweile bleiben die Tiere meist im Stall. Streuobstwiesenbesitzer lassen die Wiesen lang stehen, weil sie Heu gewinnen wollen oder auch nur um zu verhindern, dass diese als Hundetoilette missbraucht werden. Auch sind niedrigstämmige Obstbäume inzwischen beliebter, weil sie eine leichtere Ernte ohne Leiter ermöglichen. Kurz um: Die Zeiten für den Steinkauz sind schlecht geworden.
Für ein ideales Steinkauz-Zuhaue braucht es viele Helfer: Was also tun, um den Steinkauz zu retten? In mühevoller Kleinarbeit haben sich Scheer, Mohr und Kraus bemüht, die Besitzer der Streuobstwiesen in der Region ausfindig zu machen und sie von ihrer Mission, den Steinkauz zu retten, zu überzeugen. Immer hat das nicht geklappt, erklären die drei Steinkauz-Schützer und verweisen etwa auf eine Streuobstwiese, auf der die Wurzeln vierer gefällter und dann abgekogelter Bäume zu finden sind – obwohl das eigentlich der Naturschutz verbietet. Aber oft waren die drei auch erfolgreich. So boten sie den Besitzern etwa Baumspenden an, wenn sie dafür die alten ausgehöhlten Bäume stehen ließen. Einige Besitzer erklärten sich dazu bereit, während der Brutzeit einen Grasstreifen für den Steinkauz regelmäßig zu mähen – oder sogar die ganze Fläche. Zudem organisierte Scheer Schnittkurse, bei denen den Streuobstwiesenbesitzern gezeigt wurde, wie sie ihre Hochstammbäume schneiden können, damit diese weiter Früchte bringen und vital bleiben – oder zumindest nicht umsturzgefährdet sind. Die fachliche Leitung hatte Kristina Paleit vom Amt für Obst- und Gartenbauberatung vom Landratsamt Ortenaukreis. Übrigens, so betonen die drei, verfolgen sie einen mosaikartigen Naturschutz. Das heißt, sie nehmen nicht nur den Steinkauz in den Blick. So mäht Günter Hog vom BUND-Ortsverband Ettenheim mit Umland auf einer Streuobstwiese eine Hälfte mit dem Balkenmäher und schichtet Totholz für andere Arten auf, die andere Hälfte beweiden Herdwick-Schafe: Eine Hilfe für den Steinkauz, eine Hälfte für die Insekten.
In ihrem Kampf für den Steinkauz sind Mohr, Kraus und Scherer nicht alleine: Nicht nur die Streuobstwiesenbesitzer unterstützen die Erhaltung des Steinkauzes dieses Jahr mit kurzgrasigen Mähstreifen. Auch der ZAK unterstützt die Arbeit der Steinkauzbetreuer und der Bauhof der Gemeinde Kappel-Grafenhausen half vergangenes Jahr beim Abtransport des Mähguts. Besonders engagiert ist die Stadt Mahlberg mit Bürgermeister Dietmar Benz. Sie lässt ihre Wiesen in einem für den Steinkauz passenden Rhythmus mähen – auch wenn das Mehrarbeit bedeutet, wie Scheer dankbar hervorhebt. Zudem habe der Bürgermeister Wildkameras gespendet. Und manchmal genügt es auch, einfach die richtigen Leute zusammen zubringen – so etwa die Herdwick-Schafe in Kappel und die Streuobstwiesenbesitzer. So erhalten die einen Futter und die anderen eine kurze Streuobstwiese. Eine Gewinnsituation für beide Seiten. Ein ähnliches Zusammenspiel zeigt auch Pferdebeweidung in Grafenhausen auf einer Streuobstwiese.
Neuansiedlung ist schwierig, aber ein glückliches Ende gab es bereits: Doch selbst wenn auf einer Wiese perfekte Bedingungen für einen Steinkauz vorherrschen, ist es noch nicht sicher, dass sich dort auch einer ansiedelt. „Glücklich die Wiese, die einen Steinkauz hat“, erklärt Scheer. Denn die Tiere sind nicht gerade wanderfreudig und bleiben gerne in ihrem angestammten Revier – selbst dann, wenn es nicht mehr genug Nahrung für den Nachwuchs bietet. Aber es gibt auch Hoffnung: Nach jahrelanger Verwaisung hat sich vergangenes Jahr wieder ein Brutpaar in Ettenheim angesiedelt – um genau zu sein in Altdorf. Es ist also möglich, dass der Steinkauz wieder in aufgegebene Reviere zurückkommt, wenn man hartnäckig genug dranbleibt.