Monika Neuhöfer-Avdic (4.v.l.) mit Fritz Böhler, Matthias Koesler, Matthias Lindemer, Günter Schlecht, Ulrike Krämer und Wolfgang Koch (v.l.) Foto: Bernhard Konrad

Ein eindeutiges Votum: Der Gemeinderat der Stadt Lörrach hat Monika Neuhöfer-Avdic am Donnerstagabend ohne Gegenstimme zur Bürgermeisterin gewählt.

Neuhöfer-Avdic kann ihre zweite Amtszeit mit breiter Unterstützung der Kommunalpolitik angehen. Das ist angesichts der von ihr verantworteten Aufgabenfelder alles andere als selbstverständlich: Verkehrsinfrastruktur, Gebäudesanierung, Tiefbau: alles Themen, um nur drei zu nennen, die hohe Kosten und viel Konfliktpotenzial in sich bergen – und insbesondere im Ausschuss für Umwelt und Technik regelmäßig für harte Kontroversen sorgen.

 

Mit Beharrlichkeit und unverwüstlicher Zuversicht

Gleichwohl hat sie es geschafft, mit Beharrlichkeit und unverwüstlicher Zuversicht Projekt um Projekt erfolgreich zu stemmen und die große Kreisstadt weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang wurde in ihrer Bewerbungsrede im Rat eine Eigenschaft deutlich, die ebenso charakteristisch für die Bürgermeisterin ist. Sie sagte: „Wir!“ – nicht „Ich“. Mit der Betonung der Bedeutung gemeinsamen Engagements für Lörrach – und damit meint sie tatsächlich nicht nur Verwaltung und Politik, sondern ausdrücklich die gesamte Stadtgesellschaft – erreicht sie Akteure über Fraktionsgrenzen und einzelne gesellschaftliche Schichten hinweg. Es dürfte auch dieser Geist der Stadtplanerin und Architektin sein, der zu einer Wiederwahl ohne Gegenstimme geführt hat. Neuhöfer-Avdic: „Wir sind alle unterschiedlich. Aber wir sind alle Team Lörrach.“

2018 wurde sie erstmals zur Lörracher Bürgermeisterin gewählt – damals im Losverfahren nach einem Patt mit ihrer Mitbewerberin Susanne Schreiber. Ihre Wiederwahl war keine Überraschung. Schon Ende Januar hatten die Fraktionen von Grünen, CDU, SPD und FDP/Piraten im Gespräch mit unserer Zeitung ihre geschlossene oder zumindest deutlich mehrheitliche Unterstützung für Neuhöfer-Avdic signalisiert. Andere Fraktionen hielten sich bedeckt. Indes: Ein Resultat in dieser Deutlichkeit war nicht zu erwarten.

„Zukunft gestalten“, „Vielfalt“, „Miteinander“: Das sind Schlüsselbegriffe, die mit der Arbeit der Bürgermeisterin verknüpft sind. Seit 28 Jahren, so die vierfache Mutter, sitze mit der Geburt ihres ersten Kindes „die Zukunft mit am Tisch“. Diese gestalten zu können, mache sie glücklich.

Sie dankte den Mitarbeitern der Stadt und allen, die sich für das Gemeinwesen in der Lerchenstadt einsetzen. Der Austausch mit den Bürgern sei und bleibe ihr wichtig.

Neuhöfer-Avdic nannte freilich auch Handfestes in der bisherigen Bilanz ihrer Arbeit als „Baubürgermeisterin“: abgeschlossene Sanierungs- und Bauprojekte – Schulen, Sporthallen, Kindergärten, Erfolge in der Weiterentwicklung der Radinfrastruktur und beim Wohnungsbau, die wichtigen vorbereitenden Arbeiten für den Bau des Zentralklinikums, die Gestaltung von Wandel-Arealen wie der Lauffenmühle und etliches mehr. Und: Sie versicherte, dass die Rathaussanierung nicht dazu führen werde, „dass anderen Projekten die Luft abgeschnürt wird“.

„Wir haben mit wenig viel erreicht“

Ihre Aufgabe gehe sie mit viel Zuversicht an: „Die vor uns liegenden Jahre werden nicht leicht“, sagte sie, aber: „Wir haben gezeigt, dass wir mit wenig viel erreichen können.“

Neuhöfer-Avdic mit OB Jörg Lutz Foto: Konrad

Oberbürgermeister Jörg Lutz hatte zum Auftakt auf die hohe Relevanz der Stelle hingewiesen. Dass eine Stadt mit über 50 000 Einwohnern ein Duo an der Spitze habe, sei eher ungewöhnlich und „sehr schlank“ für eine Verwaltung. Tage zuvor hatte der Ältestenrat Neuhöfer-Avdic nach Sicht der drei Bewerbungen zu einem „vertiefenden Einzelgespräch“ geladen. Schließlich wurde sie offiziell für eine weitere Amtszeit vorgeschlagen.

Insgesamt drei Bewerbungen sind für den Bürgermeisterposten eingegangen. Keiner der anderen Bewerber hat sich an die Presse gewandt. Auch auf Nachfrage unserer Zeitung wurden die Namen nicht bekannt gegeben. Dies, so die Stadt, sei bei der Ausschreibung einer Beigeordnetenstelle nicht vorgesehen.

Der Geschäftskreis des Dezernats umfasst die Gebiete Recht / Baurecht / Vergabe, Hochbau, Tiefbau, Stadtplanung, Umwelt und Mobilität, Liegenschaften und Geoinformation sowie die Städtischen Eigenbetriebe: Abwasserbeseitigung, Stadtwerke, Werkhof, Stadtgrün und Friedhöfe.