Die Reihe „Kirnbacher Zeitzeugen“ erscheint im Vorfeld der 750-Jahr-Feier einmal im Monat. Im Juli berichtet Hardy Happle darüber, wie er zum Experten für alte Schwarzwaldhöfe wurde und wie er als Gemeinderat Vielfalt erhalten will.
„Metropole kann ja jeder“, meint der Architekt Hardy Happle, der sowohl im schweizerischen Basel als auch auf Mallorca sowie im Schwarzwald seine Büros hat auf die Frage, warum er bei der Auswahl gerade im Schwarzwald wohnt. Vor 18 Jahren hat er dort den Hof gekauft, den er restaurierte und bei dem er seine erste professionelle Begegnung mit der Schwarzwälder Baukultur hatte. „Wie die Jungfrau zum Kinde“ sei er im Lauf der Zeit zum Experten für alte Schwarzwaldhöfe geworden, denn: „Bis dahin gab es einen solchen nicht.“
Die Anfragen nach seiner Expertise in Bezug auf Schwarzwaldhöfe hätten von Jahr zu Jahr zugenommen, meist vermittelt über die Denkmalpflege. „Es gab immer mehr zu tun und das war von Zürich ein bisschen weit und so fiel die Entscheidung, dass ich meinen beruflichen und privaten Wohnsitz hierhin verlege.“
An den alten Schwarzwaldhöfen fasziniere ihn, dass sie im Sinne von zeitlos die modernsten, gültigsten Gebäude seien, die er kenne. „Sie sind der purste Ausdruck von dem, was wir im Studium als ,form follows function’ verkauft bekamen“, fasst Happle zusammen. „Nichts an diesen Häusern wurde einfach so entschieden. Alles wurde aus der Funktion heraus geboren.“
Die Erbauer hätten damit geplant, dass es alle paar Jahrzehnte bis Jahrhunderte einen Wandel geben würde. Die Häuser sind anpassbar. Dass so viele Antworten in diesen Häusern stecken auf Fragen, die uns heute drängend und aktuell vorkommen, aber schon seit Jahrhundert offensichtlich gestellt werden. Aus traditioneller Bausubstanz moderne Wohnräume zu schaffen, so wie er das oft tut, sei da kein Widerspruch. Die Häuser seien schon immer an die modernen Ansprüche angepasst worden.
Im Lauf der 18 Jahre, die er nun schon im Schwarzwald wohnt, habe sich die Mentalität im Schwarzwald auch verändert, die Wertschätzung gegenüber den alten Gebäuden habe zugenommen. Schließlich seien sie auch ein Stück Identität.
Mittlerweile fühle er als „Risgschmeckter“ angekommen. Anfangs habe er sich bei seinem Zuzug etwas unbehaglich gefühlt, sei aber neugierig und offen empfangen worden – was wahrscheinlich aber auch seiner intensiven Neugier auf die Schwarzwälder Baukultur losgegangen sei. Das Einweihungsfest seines Hofes sei dann auch mit 60 Personen Handwerkern und Nachbarn – gefeiert worden, von 15.30 bis 5.30 Uhr. „Das war so berührend, dass es mir an diesem Abend klar wurde, dass ich hier alt werde“, so Happle. „Ja, das ist mein Zuhause und das letzte, was ich tun werde, ist dieses Haus hier zu verkaufen.“ Mittlerweile sitzt Happle im Wolfacher Gemeinderat. Dass Kirnbach ein Teilort und kein Ortsteil von Wolfach ist, habe er mittlerweile verstanden. Es sei ihm aber wichtig, dass Kirnbach trotz nicht vorhandener eigener Verwaltung entsprechend repräsentiert wird. Es müsse ein gesunder Ausgleich geschaffen werden. „Wir sind alle ein Wolfach, aber das ist eine Einheit der Vielfalt. Wir haben eine unterschiedliche Geschichte, eine unterschiedliche Herkunft und das sollten wir nicht vergessen. Diese Vielfalt sollten wir betonen.“
Kirnbach verstehe er als Keimzelle. Alles, was den Schwarzwald ausmache, sei in Kirnbach vereint – wie unter einem Brennglas. „Es gibt jede Art von Landwirtschaft, jede Art von Forstwirtschaft, es wird Schnaps gebrannt und Brot gebacken, verschiedene Landschaftszonen – all das in diesem kleinen Tal“, beschreibt Happle. „Dass wir der Hüter dieser Schwarzwaldtradition sind, darauf sollten wir stolz sein.“