Populäre Werke von Bach führten die Kantoreien Grenzach und Lörrach und das Kammerorchester Grenzach-Wyhlen unter Leitung von Henry Van Engen auf. Foto: Jürgen Scharf

Großandrang herrschte beim Adventskonzert der Kantoreien Grenzach und Lörrach. Solisten brillierten in populären instrumentalen und vokalen Werken von Johann Sebastian Bach.

Die evangelische Kirche in Grenzach platzte aus allen Nähten, als das Kammerorchester Grenzach-Wyhlen zusammen mit den beiden evangelischen Kantoreien aus Grenzach und Lörrach sein Adventskonzert gab, das einen Schwerpunkt hatte: zwei bedeutende Werke von Johann Sebastian Bach.

 

Da war kein Durchkommen mehr. Die Zuschauer saßen auf den Treppen, und viele standen dicht gedrängt bis in den Windfang. Einige mussten den Heimweg antreten, weil die Kirche heillos überfüllt war. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass in unserer Problemzeit eine große Sehnsucht nach Besinnung und schöner Weihnachtsmusik herrscht, dann wurde er an diesem Abend erbracht.

Werke mit Aha-Effekt

Mit dem Fünften Brandenburgischen Konzert und der Kantate „Nun komm der Heiden Heiland“ (BWV 61) hatte Chorleiter und Kirchenmusiker Henry Van Engen höchst populäre Kompositionen des im heutigen Musikleben omnipräsenten Barockmeisters ausgewählt. Und die Werke waren für einen Aha-Effekt gut.

In beiden Stücken erlebten die Zuhörer eine Überraschung, eine Art Weckruf und eine musikalische Offenbarung. Zu Beginn im Orchesterkonzert verblüffte eine ausgedehnte virtuose Solokadenz. Da spielte plötzlich das Cembalo eine lange und gewichtige Passage und „überflügelte“ mit seinen Einlassungen geradezu die beiden anderen Solisten an der Geige und der Querflöte.

Man konnte sich gut vorstellen, dass Altmeister Bach bei der Aufführung dazumal selbst am Cembalo saß und vehement konzertierte. Das Cembalo wird hier als Soloinstrument eingesetzt, was schon in Richtung Solokonzert führt. Ist das der Beginn der heute so beliebten Klavierkonzerte?

Spannende Besetzung

Immerhin ist hier das Continuo-Instrument in seiner traditionellen Rolle zum vielbestaunten Solisten aufgestiegen. Und das machten bei der Aufführung die Cembalistin Rafaela Salgado, die Flötistin Sabine Dietrich und die Geigerin Imke Engel mit luftig-federndem Klang und unmittelbarer Spielfreude deutlich.

Das war also ein sehr abwechslungsreicher Einstieg, schon mal in der Besetzung mit mehreren Instrumenten und einem spannenden Concertino, das an diesem Abend eine sensible musikalische Gestaltung erfuhr: ein Bach in bester Artikulation und guter Rhythmisierung und mit einer hervorragenden Balance zwischen den Soloparts und dem ganzen Ensemble, das einen vitalen Klang hervorbrachte. Auch in der für den Advent bestimmten Bach-Kantate, die zum eisernen Bestand des Kantatenschatzes gehört, gab es ein besonderes Hör- und Aufweckungserlebnis.

Eine Arie wird durch das Rezitativ „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an“ tonmalerisch eingeleitet. Ein Pizzicatospiel verdeutlicht diese von Männerstimmen deklamierte Textpassage in einer eindringlichen „Klangrede“, einer Art „Wächterruf“ im Bass.

Das Publikum singt mit

Das war ein ganz besonderer Moment in dieser Aufführung, in der Roberta Szklenár die Sopranpartien sehr ausdrucksvoll mit klarer Diktion und guter Höhe sang. Von der Ouvertüre bis zur abschließenden Chorfantasie legte Van Engen mit seinen Ausführenden eine beachtliche Bach-Aufführung vor. Zwischen dem Brandenburgischen Konzert und der Kantate gab es noch ein kleineres Vokalwerk, der kurze Mendelssohn-Gesang „Im Advent“, a cappella vorgetragen von der gut harmonierenden Chorgemeinschaft der beiden Kantoreien.

Zum Schluss erklang der teils solistisch, teils chorisch gesungene Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Bach/Praetorius, bei dem das Publikum eingeladen war, mehrere Strophen mitzusingen.