Die KI-Kameras im Panorama-Bad in Freudenstadt filmen wieder und sollen Gefahrensituationen erkennen. Knapp zwei Jahre lang waren sie abgeschaltet. Was hat sich geändert?
Das Jahr ist 2023: Freudenstadt nimmt bei der digitalen Überwachung eine Vorreiterrolle ein. Als erstes Bad in Baden-Württemberg und eines von 20 in ganz Deutschland führt das Panoramabad Kameras ein, die mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) Gefahrensituationen frühzeitig erkennen sollen.
Nach kurzer Inbetriebnahme dann der bürokratische Rückschlag: Wegen datenschutzrechtlicher Bedenken sind die Kameras vorsorglich abgeschaltet worden. Das waren sie auch zwei Jahre lang. Ein Sprecher beim Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (LfDI) betont: Es habe keine Rechtsgrundlage für die Überwachung gegeben.
Jetzt sind die 15 Kameras aber wieder eingeschaltet. Eine Änderung des baden-württembergischen Landesdatenschutzgesetzes vom Februar 2026 hat der Videoüberwachung einen größeren Spielraum verliehen. Der neu formulierte Paragraf sieht Videoüberwachung zum Schutz von Personen dabei als verhältnismäßig an.
Bademeister werden nicht ersetzt
Die intelligenten Kameras sollen auffälliges Verhalten bei den Schwimmern – bei Ertrinkungsgefahr etwa – feststellen können, wenn sie sich über einen längeren Zeitraum nicht mehr bewegen etwa, sagt Christiane Wagner, Sprecherin des Panoramabads auf Nachfrage unserer Redaktion.
Bademeister seien deswegen aber nicht obsolet. „Das System ist als unterstützendes Frühwarnsystem für die Badeaufsicht konzipiert“, so Wagner weiter. Die KI ersetze keine Badeaufsicht.
Die KI sende in solchen Fällen automatisch ein Signal an die Smartwatches des Aufsichtspersonals. Das System greife nicht eigenständig ein – die Bewertung liege beim geschulten Fachpersonal vor Ort.
Keine Speicherung der Daten
Organisatorisch habe sich mit der Wiederaufnahme des Betriebs nicht allzu viel verändert, so Wagner weiter. Die Kameras erfassen ausschließlich die Wasserflächen der Becken, einige von ihnen seien neu ausgerichtet worden. Einzelne Aufnahmebereiche seien zudem geschwärzt worden – um so die Privatsphäre der Besucher stärker zu schützen.
Eines der größten Bedenken beim Datenschutz von Privatpersonen räumt Wagner aus: Die Aufnahmen der KI-Kameras werden nicht gespeichert. „Die Auswertung findet ausschließlich in Echtzeit statt, so dass kein Videomaterial vorgehalten oder nachträglich ausgewertet wird.“
Sicherheit der Gäste sei oberste Priorität
Der Einsatz der Kameras wird auch in der Verwaltung positiv gesehen. „Die Wiederinbetriebnahme der KI-Kameras ist ein wichtiges Signal: Wir investieren gezielt in die Sicherheit unserer Badegäste und gehen gleichzeitig verantwortungsvoll mit sensiblen Daten um“, wird Oberbürgermeister Adrian Sonder in einer Pressemitteilung zitiert.
„Unsere oberste Priorität ist und bleibt die Sicherheit unserer Gäste“, so Ursula Stiefken, Geschäftsführerin des Bäderbetriebs, laut Mitteilung. „Mit der KI-Unterstützung geben wir unserem Team ein zusätzliches Werkzeug an die Hand, um noch schneller reagieren zu können.“
Abschaltung hat keine Kosten verursacht
Die Kosten für das Kamerasystem lagen 2023 bei knapp 100.000 Euro. Zusätzliche Kosten seien durch die Abschaltung nicht entstanden, bekräftigt Wagner. Die technische Infrastruktur sei vorhanden, ebenso wie die vertraglichen Grundlagen. Die Kameras kommen jedoch nur in den Innenräumen zum Einsatz.