Keine Zukunftsmusik mehr: Bei der Simon-Gruppe in Aichhalden experimentiert das Team bereits mit einem selbst gebauten pib-Roboter. Foto: Simon-Gruppe

Die KI Impact Group und „Make it in Schramberg“ laden am Donnerstag, 11. Juni, um 18 Uhr ins Erfinderzeitenmuseum zum Thema „Humanoide Robotik im Schwarzwald“ ein.

Drei Welten der humanoiden Robotik sind am Vortragsabend abgebildet: als Hauptredner kommt ein Technologie-Analyst und Buchautor aus dem Silicon Valley, dazu ein Hersteller aus dem benachbarten Villingen-Schwenningen und ein Aichhalder Betrieb, der seit einem halben Jahr mit einem einfachen Roboter experimentiert.

 

Die großen, einarmigen Industrieroboter von Kuka und anderen schweißen seit Jahrzehnten zuverlässig Autos zusammen, auch auf den Bändern im Ländle. Sie können das eine gut, aber eben nur das eine. Nun kommt eine neue Generation: humanoide Roboter mit zwei Armen, mit Händen, von künstlicher Intelligenz gesteuert und damit für viele Aufgaben statt nur für eine einsetzbar.

Dass an solchen Maschinen längst auch mitten im Schwarzwald gearbeitet wird, dürfte den meisten neu sein. Genau das will der Abend zeigen, zu dem die KI-Impact Group gemeinsam mit „Make it in Schramberg“ einlädt.

Das Besondere ist die Mischung: Der Hauptredner reist aus dem Silicon Valley an, dazu kommen ein Hersteller und ein Anwender aus der Region. Drei Blickwinkel, die sonst kaum am selben Abend zusammenfinden, und die hier nicht nur nebeneinander Vorträge halten, sondern ihre Erfahrungen miteinander austauschen.

Anwender Simon Group in Aichhalden

Den greifbarsten Beitrag liefert ein Betrieb aus dem benachbarten Aichhalden. Tobias Hilgert hat mit seinem Team bei der Simon-Gruppe vor rund einem halben Jahr beschlossen, beim Thema Robotik nicht länger zuzuschauen, sondern es selbst auszuprobieren. Statt einen fertigen Humanoiden für viel Geld zu kaufen, griffen sie zu „pib“, einem einfachen, quelloffenen Bausatz aus Nürnberg: Elektronik bestellen, den Rest am eigenen 3D-Drucker fertigen, und für ein paar tausend Euro steht ein eigener Roboter zum Experimentieren auf dem Tisch. Diesen Roboter bringt das Team mit, baut ihn vor Ort auf und berichtet, was er in den vergangenen Monaten gelernt hat. Ein Roboter zum Anschauen also, kein Bild auf einer Leinwand.

Hersteller fruitcore Robotics aus Villingen-Schwenningen

Wie weit professionelle Robotik in der Region inzwischen ist, zeigt der zweite Gast. Das Unternehmen fruitcore robotics, eine Ausgründung der Hochschule Konstanz (HTWG) und bekannt für seine Industrieroboter der HORST-Reihe, fertigt in Villingen-Schwenningen und hat vor wenigen Wochen mit „PLEXA One“ einen sogenannten Industrial Humanoid vorgestellt, gedacht ausdrücklich nicht für die Messebühne, sondern für die echte Produktionshalle. Während viele Humanoide im Dauerbetrieb scheitern oder schlicht zu teuer sind, baut fruitcore PLEXA One auf seiner bewährten Industrieroboterhardware auf und ergänzt sie um den Intelligence Layer PLEXA Core 2.0.

„Allgemeine Humanoide werden die Welt eines Tages verändern. Wir verändern sie heute für industrielle Anwendungen“, sagt fruitcore-Geschäftsführer Jens Riegger. Deep-Tech von Weltformat entsteht damit nicht nur im Silicon Valley, sondern eine halbe Autostunde von Schramberg entfernt. Genau darum geht es der Initiative „Make it in Schramberg“: solche Unternehmen in der Region zu halten, neue herzuholen und schöne Hallen aus den Gründerzeiten mit neuem Leben zu füllen.

Technologie-Analyst Mario Herger

Den Hauptvortrag hält Mario Herger, Technologie-Analyst und Buchautor aus dem Silicon Valley, der in Schramberg kein Unbekannter ist: Bereits 2024 sprach er in der Szene 64 vor rund 50 Gästen über künstliche Intelligenz, unsere Redaktion berichtete. Diesmal kommt er nur eine Woche nach Erscheinen seines neuen Buchs, und schon dessen Titel deutet an, dass es ihm um mehr geht als um Technik: „Homo Syntheticus — Wie Mensch und Maschine verschmelzen“.

Wie rasant die Entwicklung verläuft, lässt sich an einer Zahl ablesen: Beim Pekinger Roboter-Halbmarathon brauchte der schnellste Roboter 2025 noch zwei Stunden und 40 Minuten. Ein Jahr später lief der Sieger die gut 21 Kilometer in 50 Minuten und 26 Sekunden, schneller als der menschliche Halbmarathon-Weltrekord. Dahinter steht laut Herger ein Muster namens „Accelerating Change“: Technologie entwickelt sich nicht in gleichmäßigen Schritten, sondern beschleunigt sich selbst – jeder Sprung macht den nächsten größer und kürzer.

Doch Herger will an diesem Abend nicht nur Zahlen vortragen. Ihn treibt die größere Frage um, was es für uns bedeutet, wenn Roboter immer menschlicher werden und der Mensch zugleich immer enger mit der Technik zusammenwächst, bis die Grenze zwischen beiden zu verschwimmen beginnt. Antworten gibt es darauf noch keine fertigen, doch gerade deshalb lohnt es sich, jetzt darüber zu reden.

Dass globaler Markt, Hersteller und Anwender an einem einzigen Abend zusammenkommen und dabei nicht nur referieren, sondern ihre Erfahrungen miteinander austauschen, ist laut Veranstalter im Schwarzwald selten. Eingeladen sind alle, die wissen wollen, wo die humanoide Robotik heute wirklich steht, vom Neugierigen bis zum Unternehmer.

Der Abend dauert von 18 bis 21 Uhr und findet im Erfinderzeiten-Museum, Gewerbepark H.A.U. 3/5, statt. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung über www.ki-impact.org wird gebeten. Die Veranstalter rechnen mit großem Andrang.