Solche mit SBB und RDC gelabelte Nachtzugwaggons wären zwischen Basel und Malmö zum Einsatz gekommen. Foto: SWEET

Die für April geplante Nachtzugverbindung kommt nun doch nicht zustande. Kunden sollen ihre bereits gekauften Tickets zurückerstattet bekommen.

Hintergrund der geplatzten Direktverbindung, die ab April zwischen der Stadt am Rheinknie und dem schwedischen Malmö hätte verkehren sollen, ist der Rückzug des Schweizer Bundes aus der Finanzierung des Projekts. Einer Mitteilung der Nachrichtenagentur Keystone-sda zufolge hat der Nationalrat hat die dafür vorgesehenen zehn Millionen Franken aus dem Budget gestrichen, wie zuvor schon der Ständerat.

 

Ohne Subvention kein Zug

Mittel vom Bund wären nach Angaben der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) jedoch die Voraussetzung dafür gewesen, dass die Züge drei Mal pro Woche rollen. Denn Nachtzüge seien zwar beliebt, jedoch aufgrund hoher Kosten nicht rentabel. Im Nationalrat wollte eine Minderheit die Subvention nicht und setzte sich am Dienstag mit 99 zu 92 Stimmen und mit zwei Enthaltungen durch.

Kontroverse Debatte

Die Diskussion in Bern muss dem Bericht zufolge sehr kontrovers gewesen sein. Laut Keystone-sda sagte Alex Farinelli (FDP/TI), dass die Subvention pro Ticket etwa 100 bis 200 Franken betrüge. Auf die Frage von Franziska Ryser (Grüne/SG), was er Familien sage, die bereits Tickets für den Zug gekauft hätten, entgegnete Farinelli, diese müssten sich an die SBB wenden für eine Rückerstattung. Es würde Geld aus dem Fenster geworfen für eine hauptsächlich touristisch genutzte Zugverbindung, sagte Yvan Pahud (SVP/VD).

RDC ist enttäuscht

Der plötzliche Rückzug der Schweiz aus der Finanzierung wirbelt derweil die Pläne der deutschen Firma BTE (BahnTouristikExpress) gehörig durcheinander. Das unter dem Dach der deutschen Railroad Development Corporation (RDC) fahrende Eisenbahnunternehmen ist nämlich der Kooperationspartner der SBB für den Nachtzug zwischen Basel und Malmö. Dieser hätte zwar offiziell als SBB-Zug rollen sollen, den Zug selbst plus Personal hätte jedoch BTE/RDC gestellt. Dieses Unternehmen betreibt unter anderem auch den Autoreisezug zwischen Lörrach und Hamburg.

In einem unserer Redaktion vorliegenden, von der Geschäftsleitung unterzeichneten Mitarbeiterpapier vom Dienstag äußert RDC seinen Unmut über das Nichtzustandekommen – zumal es nach Informationen unserer Zeitung bereits entsprechende Schulungen für Personal aus dem Dreiländereck gegeben haben soll. In dem Informationsschreiben an die RDC-Mitarbeiter zeigt das Eisenbahnunternehmen sich „zutiefst enttäuscht“ über den Rückzug der in Aussicht gestellten Schweizer Subventionen. „Unter den jetzt gegebenen Rahmenbedingungen kann das Projekt nicht umgesetzt werden“, heißt es weiter. „Wir sehen die Situation nicht als Scheitern, sondern als Dämpfer. So professionell wie das Projekt mit unserem Partner SBB vorbereitet wurde, bringen wir es nun auch zu Ende“, ist in dem Papier außerdem zu lesen. Einsatzmöglichkeiten für alle bereits eingeplanten Ressourcen würden neu bewertet.

„Das Ende des Projekts“

Auch direkt gegenüber unserer Zeitung zeigt RDC sich „enttäuscht über den Entscheid, die vorgesehenen Fördermittel für den internationalen Nachtzugverkehr nicht bereitzustellen“. Nachhaltige Reisemöglichkeiten seien ein zentrales Element moderner Verkehrs- und Klimapolitik. Nachtzüge leisteten zudem einen wichtigen Beitrag zur Verlagerung von Verkehr auf die Schiene und zur Reduktion von Emissionen.

„Die politischen Signale der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass genau diese Angebote gewünscht sind. Umso bedauerlicher ist es, dass unter den jetzt beschlossenen Rahmenbedingungen eine Umsetzung der Verbindung nicht möglich ist. Wir respektieren die Entscheidung, halten aber fest: Ohne verlässliche politische Grundlagen lassen sich solche Angebote nicht nachhaltig aufbauen“, heißt es in einer Stellungnahme von RDC.

Der Entscheid bedeute für die RDC Deutschland Gruppe „das Ende des Projekts“. Denn ohne die vorgesehenen Fördermittel fehle die wirtschaftliche Basis für einen sicheren und nachhaltigen Betrieb der Nachtzugverbindung. „Das Projekt kann unter diesen Bedingungen nicht umgesetzt werden“, bedauert das Unternehmen.

Zurück auf Null

Ein Mitte November herausgegebenen Infoschreiben an die RDC-Mitarbeiter zum Thema Nachtzug Basel-Malmö war noch von Optimismus geprägt. „Gemeinsam mit unserem Partner SBB konnten wir den offiziellen Start des Ticketverkaufs feiern, der von Medien, Reisenden und Bahnfreunden mit großem Interesse aufgenommen wurde. Das Projekt steht für alles, wofür wir als RDC Deutschland Gruppe stehen: internationale Zusammenarbeit, nachhaltige Mobilität und den Mut, Neues zu bewegen“, ist da zu lesen. Doch daraus wird nun doch nichts.