30 Jahre lang war das Reisebüro Maier in Neubulachs Innenstadt zu finden. Jetzt ist Schluss. Die Corona-Pandemie zwingt die Filiale von Chef Helmut Maier in die Knie. Auch der Mallorca-Boom zu Ostern half da nicht.
Neubulach - Helmut Maier fällt es sichtlich schwer an diesem Vormittag, die unschöne Nachricht auch noch der Presse ausführlich erklären zu müssen. Immer wieder atmet er tief durch, sammelt sich etwas. Kein Wunder: Denn nach 30 Jahren muss Maier, der Geschäftsführer bei Teinachtal-Reisen ist, sein Reisebüro am Marktplatz in Neubulach schließen.
Einst im Jahr 1989 hatte sein Vater das Gebäude gekauft und aufwendig umgebaut. "Das wurde damals vollständig entkernt und zwei Jahre lang restauriert", blickt Maier zurück. Im Dezember 1990 eröffnete dann das Reisebüro. Mehr als 30 Jahre ist das nun schon her. In all den Jahren habe es keine solche Krise wie jetzt gegeben, erinnert sich Maier. Klar, gerade der Anfang, bis man Stammkunden hatte und etabliert war, sei nicht einfach gewesen. Es ging "langsam, aber stetig aufwärts", beschreibt Maier die Entwicklung des Reisebüros dennoch als positiv. Und jetzt ist nach 31 Jahren Schluss: Die Corona-Pandemie, die deswegen verhängten Lockdown-Maßnahmen und Reisewarnungen haben die gesamte Branche bis ins Mark getroffen.
Mallorca-Boom kommt in Neubulach nicht an
Da das Reisebüro in die Firma "Teinachtal-Reisen" integriert ist, gibt es auch keine wirklichen Hilfen vom Staat, jedenfalls nicht für das Büro explizit. Für die Ausfälle im Reise- und Linienbusbetrieb habe man Geld erhalten – doch das reiche eben nicht, um auch noch das Reisebüro am Leben zu halten. "Uns hat es mit am härtesten getroffen, wir haben die allermeisten Buchungen storniert", erklärt Maier. Das Problem dabei: Dadurch müssen auch die Provisionen an die Reiseveranstalter zurückgezahlt werden. Am Ende bleibt rein finanziell natürlich kein Gewinn übrig – im Gegenteil: "Die Stornierungen sind ja auch viel Arbeit, wofür man noch Geld aufwenden muss", weist Mitarbeiterin Monika Jacobs auf ein weiteres Problem hin.
Selbst jetzt, als es um Ostern herum einen wahren Boom gab und viele in Richtung Mallorca aufbrachen, war wenig zu holen. An dem Trend hätten sich die Neubulacher nicht beteiligt, hat sie beobachtet. "Reisen ist ja quasi verpönt", sagt Jacobs mit Blick auf die politischen Diskussionen rund um die "Causa Mallorca". So richtig losgehen werde es wohl erst wieder, wenn genügend Menschen geimpft seien. "Aber bis irgendwann in den Herbst durchhalten ist eben schwierig."
Auch die Reisebusse stehen seit Monaten still
Jacobs ist übrigens seit 20 Jahren im Reisebüro am Neubulacher Marktplatz tätig. Auch sie schmerzt es natürlich, dass Maier jetzt die Reißleine zieht. Vor allem weil sie mit dem Ende des Reisebüros auch ihren Arbeitsplatz verliert. "Das geht alles nicht spurlos an einem vorbei", gibt sie zu. Übernehmen, beispielsweise im Reisebusbetrieb, konnte Maier sie aber auch nicht. "Die Busse stehen ja auch seit einem Jahr still", klagt der Omnibus-Unternehmer. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, zumal "Frau Jacobs das Reisebüro geführt hat, als wäre es ihr eigenes."
Für letzteres hat Maier aber einfach "keine Perspektive mehr". Keiner wisse, wann was wieder erlaubt und möglich sei. Anfangs sei noch Hoffnung da gewesen. Doch die Ungewissheit nach mehr als einem Jahr Lockdown macht Maier zunehmend zu schaffen. "Die Zukunft ist schwer einzuschätzen, weil die Lage so dynamisch ist", sagt Maier, hat aber eine düstere Prognose: "Ich denke, der Reiseverkehr dieses Jahr ist verkorkst." Und auch danach rechnet der Unternehmer nicht unmittelbar mit einer Buchungsoffensive der Gäste: "Ich denke, das bleibt auch künftig eingeschränkt, da die Leute weniger Geld haben fürs Reisen."
Ende Juni ist Schluss
Die Reise für das inzwischen seit 30 Jahren bestehende Reisebüro in Neubulach geht jedenfalls schnell zu Ende. Ende Mai verlässt man die Räumlichkeiten, Ende Juni ist dann vollends Schluss.
Die Reisen, die noch abgewickelt werden müssen, werden laut Maier bei der Omnibusfirma in der Gewerbestraße 10 betreut. Jetzt will er sich auf seine Hauptfirma konzentrieren – denn auch dort ist ja das Reisebusgeschäft ausgebremst: Schülerreisen fallen alle weg, Ausflüge von Vereinen oder Firmen sind gestrichen. Doch hier hat Maier die Hoffnung noch nicht aufgegeben: "Sobald wir dürfen, legen wir wieder los." Diverse Hygienekonzepte gibt es ja schon längst.
Doch eine Frage bleibt: Was passiert mit dem Gebäude? Das ist inzwischen schon verkauft. Der ortsansässige, aber weit über die Grenzen des Kreises operierende Immobilienmakler Waldfried Schmidt hat das denkmalgeschützte Objekt binnen zwei Tagen an zwei junge Nebulacherinnen verkaufen können, wie er sagt. Die Wohnungsmieter wurden laut dem Makler übernommen. Einzig im Erdgeschoss muss Schmidt jetzt einen Nachmieter auftreiben – denn das Reisebüro Maier schließt seine Pforten dort bereits zum 31. Mai. Nach 30 Jahren wird das Gebäude nun einer anderen Nutzung zugeführt – zumindest das Erdgeschoss.
Kommentar: "Schwerer Schaden"
Jetzt macht auch noch das Reisebüro Maier in Neubulach dicht. Die Corona-Krise und der seit Monaten währende Lockdown hinterlassen auch im ländlichen Raum sichtbare Spuren. Das verwundert kaum: Denn kein Unternehmer hält es lange durch, wenn ihm seine Geschäftstätigkeit verwehrt wird.
Die Folge ist oftmals der finanzielle Exitus – vor allem dann, wenn angekündigte Staatshilfen nur spärlich und zu spät fließen. Von der vielzitierten "Bazooka", mit deren Feuerkraft Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die Hilfen verglich, bleibt beispielsweise beim Neubulacher Reisebüro nur eine Knallerbse übrig. Und davon ist ja nicht nur Maier betroffen: Hotels, Gaststätten, Einzelhandel, Selbstständige, Kulturschaffende.
Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. All das hat Folgen: Die Innenstädte werden leerer, der Arbeitsmarkt wandelt sich, Existenzen sind gefährdet. Auch das sind Langzeit-Covid-Folgen, die schweren Schaden anrichten. Es ist längst überfällig, dass die Regierung diese genauso ernst nimmt, wie die gesundheitlichen. Und zwar mit dem selben Elan, mit dem seit Monaten auch wegen politischer Fantasielosigkeit und fehlender Konzepte der Lockdown-Hammer immer wieder aufs Neue geschwungen wird.