Schlaglöcher, Lastwagen, Raser: Der Verkehrslärm in Freudenstadt hat viele Ursachen. Wie sehr die Bevölkerung unter dem Problem zu leiden hat, zeigt ein Dokument der Stadtverwaltung.
Freudenstadt hat bekanntlich den größten Marktplatz Deutschlands. Damit hat sich die Stadt sogar eine Erwähnung im englischsprachigen Lonely Planet Reiseführer gesichert, der immerhin ganz Deutschland abdeckt. Gut für den Tourismus, würde man denken.
Weniger gut für den Tourismus ist, was noch im gleichen Satz kritisch erwähnt wird. Dass nämlich der Marktplatz beeinträchtigt wird durch eine stark befahrene Kreuzung, wie es in dem Reiseführer heißt.
Tatsächlich ist der Krach bei einem Besuch der Innenstadt nicht zu überhören. Ein Tunnel, der den Durchgangsverkehr unter der Stadt vorbeileiten soll, lässt seit Jahrzehnten auf sich warten.
Dabei leiden viele Freudenstädter unter der Verkehrsbelastung, wie nun ein Dokument zeigt, welches im Rahmen der Lärmaktionsplanung entstanden ist. Darin zu finden sind gleich mehrere von verschiedenen Bürgern verfasste Stellungnahmen. Die Schilderungen lassen sich im Einzelnen nicht überprüfen und decken natürlich auch nicht alle Fälle von Verkehrslärm in der Stadt ab. Doch sie geben einen guten Einblick, wie sich der Krach auf die Anwohner stark befahrener Straßen auswirkt.
"Straße in miserablem Zustand"
Bahnhofsstraße Zum Problem wird dabei vielerorts der schlechte Zustand der Straßen. Ein gutes Beispiel ist dafür die Gegend rund um den Hauptbahnhof „Die Straße ist in einem miserablen Zustand“, schreibt eine Anwohnerfamilie über die Bahnhofsstraße. „Die Schäden sind unübersehbar und unüberhörbar.“
Daher fordern die Anwohner in ihrem Schreiben, dass die Straße grundlegend saniert wird. Dabei solle eine lärmmindernde Asphaltdecke – ein sogenannter Flüsterasphalt – verbaut werden, so die Forderung.
Lauterbadstraße Der schlechte Zustand der Straßen wird offenkundig auch andernorts zum Problem: „Der Fahrbahnbelag der Lauterbadstraße zwischen Landhausstraße und Ortsausgang ist dermaßen schlecht, weil seit Jahren nur noch geflickt wird“, beklagt die Betreiberin einer Ferienunterkunft. Hierdurch sei das Abrollgeräusch der Fahrzeuge ständig lauter geworden.
Hinzu kommen Geschwindigkeitsüberschreitungen: „Viele Fahrzeuge sind mit deutlich über Tempo 50 unterwegs, vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden“, heißt es in der Stellungnahme. Ein Problem sind dabei offenbar gerade auch Lastwagen: „Morgens ab 5 Uhr brausen Holztransporter mit hohem Tempo über die Schlaglöcher.“
Die Folge: Als einzigen Kritikpunkt mit Blick auf die Unterkunft werde von ihren Gästen immer wieder der Straßenlärm genannt, klagt die Betreiberin. Und nicht nur das: „In unserem Wohnhaus (...) sind die beiden zur Lauterbadstraße gerichteten Zimmer nicht mehr als Schlafräume nutzbar, weil der Verkehrslärm so laut ist, dass man auch bei geschlossenen Fenstern immer wieder aufwacht.“ Immerhin einen Hoffnungsschimmer gibt es in dem Fall. Laut den Unterlagen ist eine Erneuerung des Straßenbelags geplant.
Straßburger Straße Doch ist es offenbar nicht nur so, dass der Lärm den Tourismus stört. Denn wie das Dokument an anderer Stelle zeigt, sorgt der Tourismus selbst auch für Verkehrslärm, der wiederum zum Problem für die Einheimischen wird. Gemeint sind in diesem Fall die Bewohner einer Seniorenanlage in der Straßburger Straße.
Geschwindigkeitsüberschreitungen vielerorts ein Problem
„Die Bewohner der Seniorenanlage beklagen, dass der Verkehrslärm in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat“, schreibt eine Bürgerin. „Hierzu trägt die Zufahrt zur Schwarzwaldhochstraße, dem Ausflugsziel zum Nationalpark, stark bei – frequentiert durch Busse, PKW, Wohnmobile, LKW und Motorräder.“
Auch hier sind die Auswirkungen laut den Schilderungen drastisch. Der Motorenlärm sei kaum zu ertragen, wird in der Stellungnahme beklagt. Mit Blick auf die Bewohner der Seniorenanlage heiß es weiter: „Es ist nicht möglich, dass sie an den Wochenenden ihren Balkon zum Entspannen nutzen können.“
Wildbader Straße Andernorts wiederum sind vor allem Geschwindigkeitsüberschreitungen ein Problem. So schreibt eine Anwohnerin der Wildbader Straße: „Der tägliche Lärm durch den Verkehr ist massiv, leider auch nachts. Da wird nämlich nicht nur 50 gefahren, sondern deutlich schneller.“
Dementsprechend groß ist laut der Stellungnahme die Belastung der Anwohner: „Selbst bei geschlossenem Fenster ist der Lärm massiv. Bei offenem Fenster schlafen, was vor allem im Sommer schön wäre, ist absolut nicht möglich.“ Raser sorgen aber nicht nur in der Wildbaderstraße für Ärger. Denn offenbar ist vor allem die Stuttgarter Straße zu einem Treffpunkt der Raser- und Poserszene geworden. Mehr dazu lesen Sie hier.
Teilorte Wie die Debatte über den Lärmaktionsplan im Gemeinderat zeigte, leidet aber nicht nur die Kernstadt unter Verkehrslärm – es trifft auch die Teilorte. So kritisierte Stadtrat Michael Kaltenbach (FWV): „Wenn man auf den Kniebis fährt, darf man 50 fahren, dann wieder 70 und dann wieder 50.“
Forderung nach Tempolimits auch in Ortsteilen
Dazu erklärte Kaltenbach: „Das macht für mich keinen Sinn.“ Und noch schlimmer: „Das ist wahnsinnig laut, wenn beschleunigt wird an der Steigung.“ Ob allerdings ein durchgehendes Tempo 50 möglich ist, ist aus rechtlichen Gründen fraglich. Oberbürgermeister Adrian Sonder (CDU) sagte dazu: „Gerne nehmen wir die Anregung noch mal mit.“
Und auch Karl Müller (SPD) meinte mit Blick auf die zunehmende Zahl von Geschwindigkeitsbeschränkungen in der Kernstadt: „Was mir fehlt, sind die Stadtteile.“ Im Gutachten von 2019 sei bereits empfohlen worden, auch in den Teilorten Tempolimits einzuführen. „Das bemängel ich einfach, dass das bisher nicht umgesetzt wurde.“
Dieser Darstellung widersprach aber Frank Rogner vom Ingenieurbüro Koehler und Leutwein, mit dem die Stadt beim Lärmaktionsplan zusammenarbeitet. In der Sitzung erklärte Rogner, dass die Empfehlung nur darin bestanden habe, die Situation in den Teilorten zu untersuchen.
„Genau das hat man jetzt gemacht“, so Rogner. Doch könne eben nur dort Tempo 30 vorgeschrieben werden, wo die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt seien. Und auch Sonder betonte, dass kein Unterschied zwischen der Kernstadt und den Teilorten gemacht werde. „Bei uns werden alle Bürgerinnen und Bürger gleich behandelt“, so der Oberbürgermeister.