Katzenmutter Lisa Langenbacher entlässt ihren Kater auf die Fasnet, Generalfeldmarschall Dominik Schaaf und Rietbürgermeister Heinz Zimmermann (von links) nehmen ihn in Empfang. Foto: Birgit Heinig

Viele Überraschungen bot der Fasnetssonntag in Villingen: von der Katerbefreiung im Riet, über die Schlüsselübergabe am Rathaus bis zur Fasnetssuche der Glonki-Gilde am späten Abend.

Los ging’s am Nachmittag am Romäusturm. Und dieser Auftakt hatte es in sich.

 

Denn schon wieder ein Kater, der nicht aus dem Turm kommen will. Doch statt durch Drogenkonsum verursachte Fasnet-Unlust wie im vergangenen Jahr, war es diesmal Scham, die das Katzenvieh zögern ließ.

Der Katerempfang

Die ihn pflegende Katzenmotter Lisa Langenbacher hatte der Kater gar ausgesperrt und ließ sich zunächst weder durch ihr gutes Zureden, noch dem Drohen und Betteln des Generalfeldmarschalls Dominik Schaaf und des Rietbürgermeisters Heinz Zimmermann herauslocken.

Die Geduld der großen Zuschauermenge, die zum Katerempfang ins Riet gekommen war und auch der Abordnungen des Katzenmusikvereins „Miau“ und der Rietvögel, die diesen Brauch seit Ende der 1950er-Jahre gemeinsam zelebrieren, wurde auf eine harte Probe gestellt. Schließlich war es „e schees Schoppele“, versprochen vom General, das den Kater überzeugte, auf den Balkon zu treten.

Angeführt von den Rietwieberkapelle bahnt sich der Zug einen Weg zum Romäusturm durch die Menschenmenge im Riet. Foto: Birgit Heinig

Doch wie sah er nur aus? In Uniform und mit Lametta behängt glich er eher einem abgewrackten Christbaum als einem Kater. Nach dem Grund seines Aussehens gefragt, gab er kleinlaut zu, dass er sich für die ausgeschriebene Dirigentenstelle bei der Stadtharmonie beworben habe, aber trotz seines „Multitalents“ nicht genommen worden war.

Um die Dirigentenstelle bei der Stadtharmonie, der „Katzenmusikmusik“, bewarb sich der Kater, wurde aber – zum Glück – nicht genommen. Foto: Birgit Heinig

Dabei habe er sich mit dem scheidenden Dirigenten Mario Mosbacher doch akribisch vorbereitet. Selbiger erschien ebenfalls auf dem Balkon und meldete seine Bedenken an, denn der Kater verstehe weder etwas von Tonleitern, geschweige denn Notenlesen oder gar vom „Transponieren“.

Zum Beweis ließ er den Kater die Stadtharmonie zu seinen Füßen dirigieren, was natürlich hörbar in die Hosen ging. Erst als der neue Kapellmeister Volker Rückert zum ersten Mal das Rietvogellied anstimmen ließ, zeigte sich, was es heißt, eine Kapelle dirigieren zu können.

Den Katerempfang nutzen sowohl die Katzen als auch die Rietvögel wieder zur traditionell gegenseitigen Ehrung verdienter Mitglieder. So wurde Schriftführer Jan Wein von der Katzenmusik sowie der Chef der Rietpolizei, Alexander Gießer, mit Orden ausgezeichnet. Besondere Ehre zuteil wurde Mario Mosbacher von beiden Seiten: Er erhielt für seine vielen Jahre als Katzenmusikdirigent von den Katzen den Repräsentationsorden und von den Rietvögeln den „Goldenen Wurm“.

Die Schlüsselübergabe

Es ist in Zeiten einer leeren Stadtkasse schon ein Wagnis, dem Oberbürgermeister mit aller närrischen List den Rathausschlüssel abluchsen zu wollen. Was, wenn der OB ganz elegant die Verantwortung abgeben könnte? Doch Anselm Säger und Alexander Brüderle, ihres Zeichens die Vordersten der Villinger Narrozunft, ließen sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen, dem OB den Schlüssel ab- und die närrische Verantwortung für die kommenden beiden Tage an sich zu nehmen.

Zahlreiche Zuschauer versammeln sich zur Schlüsselübergabe auf dem Münsterplatz. Foto: Roland Sprich

Wie dies wohl aussehen würde, das interessierte auch mehrere hundert Besucher, die sich auf dem Münsterplatz vor dem Rathaus einfanden. Die Rentnerband sorgte vorab für Stimmung, die immer größer werdende Menschenmenge skandierte lautstark und wiederholend „Mir wenn iisern Schlissel hau.“

Zunächst verschaffte die Stadt- und Bürgerwehrmusik den Zunftmeistern Zutritt auf den Platz. Die fackelten nicht lange und holten zum Rundumschlag aus. Die blauen Kittel von OB Roth und Detlev Bührer sollten offensichtlich kaschieren „, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht.“ Eine weiße Weste hätten sie aber deutlich unpassender gefunden.

Angesichts der maroden Brücken hegte Säger ernsthafte Bedenken, ob der Rathausbalkon, auf dem Roth und Bührer standen, der Belastung standhielt. Auf die Frage nach Einsparmaßnahmen schlug der OB vor, dass die Zunftmitglieder einen Mitlaufantrag bei der Stadt stellen sollten. Dies würde neben Gebühren aufgrund der mehrwöchigen Bearbeitungsdauer gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Die Stadt generiert Mehreinnahmen und die Zahl derer, die tatsächlich am Umzug mitlaufen dürfen, reguliert sich dadurch automatisch.“

Alexander Brüderle und Anselm Säger (links) hieven ein Absperrgitter auf die Hebebühne, um sie an OB Roth und Bürgermeister Detlev Bührer zu überreichen. Foto: Roland Sprich

Auch die bevorstehende Wahl des Oberbürgermeisterpostens veranlasste die Narrozunftler zu Spekulationen. OB Roth fahre jetzt nur noch mit Navi, um wenigstens einmal am Tag den Satz zu hören: „Sie haben ihr Ziel erreicht.“

Für den letzten Gag des Tages zeichnete die Stadtverwaltung selbst verantwortlich, als sie vor dem Umzug zahlreiche Sitzbänke und Spielgeräte „aus Sicherheitsgründen“ mit Absperrbaken versahen. Selbstredend, dass ihnen Säger und Brüderle eine solche Absperrung höchstpersönlich auf den Rathausbalkon hievten.

Am Ende nutzt das Lamentieren der Stadtoberhäupter nichts und sie mussten den Schlüssel herausrücken.

Fasnetssuche der Glonki-Gilde

Es ist ein jährlich wiederkehrendes Spektakel, auf das die närrische Bevölkerung so erwartungsfroh blickt wie auf Weihnachten. Die Fasnetssuche der Glonki-Gilde markiert einen der Höhepunkte der Villinger Fasnet. Und sie hat Gänsehautfaktor. Wenn die Glonkigruppen mit Trommler-, Fanfaren- und Spielmannszug und eskortiert von den Majorettes und Glonkinchen sich in der Dunkelheit den Weg durch die Zuschauermenge bahnen und vor dem Bickentor aufmarschieren, spätestens dann weiß jedes Kind, dass die hohen Tage unmittelbar vor der Tür stehen.

Die Glonkis haken sich bei der Fasnetssuche am Bickentor unter zum Glonki-Schunkellied. Foto: Roland Sprich

Schon vor dem eigentlichen Event wurde die Zuschauerschar, die sich frühzeitig einen Platz sicherte, von den Krawazi-Ramblers musikalisch in Stimmung gebracht.

Um 19 Uhr richtete sich der Scheinwerfer auf den Balkon auf halber Höhe des Bickentors. Dort erschien Glonkimutter Ulrike Heggen. Sie hielt in gereimten Worten der Obrigkeit den Spiegel vor. Aber nicht nur.

Glonkimutter Ulrike Heggen auf dem Balkon am Bickentor. Sie wäscht der Obrigkeit den Kopf und scheut nicht davor zurück, US-Präsident Trump einen Vorschlag zu machen, Schwenningen statt Grönland zu kaufen. Foto: Roland Sprich

Zunächst erinnerte Heggen daran, dass es die Fasnetssuche seit 75 Jahren gibt. „Wer die Fasnetssuche genau erfunden hat, weiß heute niemand mehr ganz genau. Sicher ist nur, dass es ein Glonki war“, sagte Heggen unter dem begeisternden Jubel der Masse, die im einsetzenden und immer stärker werdenden Schneefall ausharrte. Auch der Fanfarenzug feierte sein 75-jähriges Bestehen, erinnerte die Glonkimutter. In der Folge rügte sie die Nichtumsetzung der Reformpläne von Bundeskanzler Merz. Und rief kurzerhand bei US-Präsident Trump an, um ihm ordentlich den Kopf zu waschen ab seiner abstrusen Idee, Grönland übernehmen zu wollen. Stattdessen, so schlug Heggen vor, könne er für die gebotene Billion doch lieber Schwenningen abkaufen. Im Gegenzug müsse er nur das Rössle sanieren, dann wären ihm die Sympathien der Villinger sicher. Sie erreichte allerdings nur dessen Mailbox.

Nach dem launigen Wortgeplänkel richteten sich die Blicke der Zuschauer erwartungsvoll zunächst auf das verschlossene Bickentor. Als sich das große Tor schließlich öffnete, strömte „die junge Fasnet“ in Form des Glonki-Nachwuchses aus, es ist der symbolische Beginn der Glonkifasnet.

Als auch der letzte junge Trommler das Tor und an der tosenden Menschenmenge vorbei passiert hatte, kam der glanz- und effektvolle Schlusspunkt. Hinter dem Bickentor stieg das große Feuerwerk. Das den Zuschauern begeisternde Ah- und Oh-Rufe entlockte.