Wer Frederik Lanfermann treffen will, der muss weit reisen. Gut 9000 Kilometer sind es von Karlsruhe nach Chaweng auf der thailändischen Insel Koh Samui. Dort geht es sehr badisch zu.
Es ist heiß um 23 Uhr. Sehr heiß sogar. 29 Grad zeigt das Thermometer an, die Luftfeuchtigkeit ist dazu hoch, sehr hoch. Schwitzend, aber sichtlich vom Thaibox-Spektakel im Samui Muay Thai Stadium von Chaweng beeindruckt, geht es hinaus in die Sois, die Gassen des Haupturlaubsorts auf der thailändischen Tropeninsel Koh Samui.
Doch weit kommen wir wenige Meter abseits der „Rotlicht-Bars“ in der Soi Reggae nicht. „Karlsruheeee, Karlsruheee“, die KSC-Gesänge sind nicht zu überhören. Wenige Schritte später kommt einem alles Blau vor – nicht nur die große „Gegengerade Karlsruhe“-Fahne, auf die der erste Blick fällt. Wir sind also da – in der Ultra Bar im Tropenparadies.
Die Bauchentscheidung
Die erste Frage – Singha, Leo oder Chang – ist schnell beantwortet. Mit einem eiskalten Chang, dem „Elefantenbier“, in der Hand kommen wir mit Besitzer Frederik Lanfermann ins Gespräch. Wie kommt man dazu, auf Koh Samui am Golf von Thailand eine Fußball-Kneipe, eine Rarität neben den vielen englischen Sportpubs, Cocktailbars, Lounges oder Bierbars mit oder ohne Poletänzerinnen aufzumachen?
„Das war eine echte Bauchentscheidung“, entstand die Idee nach einem beruflichen Rückschlag. „Ich war Leiharbeiter beim Daimler. Dann kam Corona“, wurde dem heute 46-Jährigen, gelernter Zimmermann, kurz vor der Festanstellung gekündigt.
Den gebürtigen Karlsruher und ehemaligen Jugendspieler des KSC zog es erst einmal zum Urlaub auf die Insel im Golf von Thailand, die seit seiner Jugend zur zweiten Heimat geworden ist.
Die Faszination
Mit seinem Vater, ebenfalls ein glühender Fan des Karlsruher SC, ging es früh auf Koh Samui. „Ich war erstmals mit zwölf Jahren auf der Insel, mein Vater hatte einen sehr guten Freund hier“, verbrachte Frederik Lanfermann anschließend fast jeden Urlaub auf auf der „Kokosnussinsel“.
„Ich liebe das Leben hier, das tolle Essen, die netten Menschen, die Unbeschwertheit, die Landschaft“, fühlt sich der Karlsruher in Thailand sichtlich wohl.
Die Marktlücke
Doch an eine Auswanderung hatte er vor Corona nicht gedacht. „Dann war ich nach der Daimler-Sache im Urlaub hier und habe eine leere Kneipe gesehen. Ich wusste, dass es auf Samui keine echte deutsche Fußball-Bar gibt“, öffnete der Badener im Jahr 2022 die Tore seiner Ultra Bar. „Und das habe ich bis heute nicht bereut“, sei gerade in der derzeitigen Hauptsaison sehr viel Kundschaft da.
„Bei uns können die Gäste Spiele der 1. und 2. Bundesliga, aber auf Wunsch auch Drittligapartien oder andere Sportübertragungen sehen. Natürlich zeigen wir auch Champions League oder die Weltmeisterschaften. Es gibt auch nette Mädels, die gerne Billard spielen“, so Lanfermann, der bereits mit sechs Jahren die ersten KSC-Spiele besuchte. „Der Verein ist einfach ein wichtiger Teil meines Lebens.“
Klar, dass der KSC-Anhänger auch beim „Wunder vom Wildpark“ dabei war, als Karlsruhe am 2. November 1993 den FC Valencia mit 7:0 bezwang und ins Achtelfinale des UEFA-Pokals 1993/94 einzog. „Das war magisch.“
Fan-Kult
Längst sitzen wir am Tresen der Ultra Bar. Zwar dominiert rund um die Stehtische, den Bildschirmen, dem Billardtisch und der Theke die Farbe Blau, doch zwischen den KSC-Utensilien („Darunter ist ein Trikot von Mehmet Scholl, das er mir nach seinem zweiten Bundesliga-Spiel geschenkt hat“) sind auch Gladbach-Wimpel, ein eingerahmtes Yeboah-Trikot und Shirts von Erling Haaland, Zlatan Ibrahimovic oder Roberto Carlos in der Ultra Bar zu finden.
Dazu wecken zahlreiche Fanschals, von Borussia Dortmund bis zu Rot-Weiss Essen, und unzählige Sticker Erinnerungen. „Zuletzt hat mir KSC-Stürmer Fabian Schleusener ein Trikot geschenkt“, hält Frederik Lanfermann natürlich regen Kontakt zur alten Heimat.
Wild Wings und FC 08
Für die Schwenninger Wild Wings oder den FC 08 Villingen würde sich in der Fußball-Kneipe sicher noch ein Platz finden. „Ob Wimpel, Trikot oder Aufkleber – alles ist willkommen“, freut sich der Karlsruher über jeden Besucher, der den Weg in die Ultra Bar im thailändischen Urlaubsparadies Koh Samui findet. Es lohnt sich.