Dieses Kreuz gefällt der Bildungshausleitern Ulrike Stoll-Dyma besonders. Angefertigt und als Leihgabe bereitgestellt hat es ihr Vorgänger Andreas Steiner. Foto: Klaus Stopper/Klaus Stopper

Karfreitag – für Christen ein Tag der Erinnerung an die Kreuzigung von Jesus. Der Sohn Gottes? Die Kirchen werden leerer, Religion wird Minderheitenthema. Ulrike Stoll-Dyma vom Bildungshaus St. Luzen aber versteht sich noch als Gläubig.

Lange war sie Pastoralreferentin in der katholischen Kirchengemeinde in Hechingen, seit eineinhalb Jahren leitet sie das Bildungshaus St. Luzen. Beim Gespräch mit unserer Redaktion sagt sie: „Ich glaube an Gott“, schiebt aber auch nach, „auch mir kommt das manchmal komisch vor“.

 

Schon allein deshalb, weil sie spürt, dass sie mit ihrem Glauben immer mehr zur Außenseiterin wird. „Immer wieder kommen Leute auf mich zu um mir zu sagen, dass sie aus der Kirche ausgetreten sind“. Wieso wird ihr das gesagt? Was soll sie antworten?

Was an Austritts-Gründen genannt wird, kann sie nachvollziehen. Missbrauchs-Skandale, die Rolle der Frauen, die beispielsweise nicht Diakoninnen werden dürfen, verkrustete Strukturen, Kirchensteuer, die man sich so sparen kann, zählt sie auf.

Auch sie hadere in manchen Bereichen mit der Institution Kirche, räumt sie ein, „aber ich bleibe dabei“. Gerade Karfreitag und Ostern seien die Zeit, wo sie eines besonders spüre: „Katholisch sein ist großartig“.

Dabei wird doch gerade an Karfreitag deutlich, was für eine auch düstere Religion das Christentum ist. Schon alleine das zentrale Glaubenssymbol. In jeder Kirche hängt mindestens ein Kreuz, an Feldwegen sind Kruzifixe aufgestellt, sie zieren Berggipfel und hängen in vielen Wohnungen.

Kreuz ist ein antikes Folterinstrument

Wer sieht eigentlich, dass da ein antikes Folterinstrument dargestellt ist, an dem neben Jesus zahllose Menschen einen qualvollen Tod fanden. Auch wenn es schön geschnitzt oder gemalt ist, zeigt es doch einen ausgepeitschten Menschen, der der Sohn von Gott sein soll, dem durch Hände und Füße Nägel geschlagen wurden. Wer erträgt diesen Anblick?

Besonders klar geworden sei ihr das in ihrer früheren Arbeit, wenn sie mit Grundschülern eine Kirche besucht habe. Manche seien noch nie in so einem Gebäude gewesen. Beim Blick auf das Kreuz dann die bange Frage: „Ist der Mann da wirklich tot?“ Und gefragt werde auch, warum nicht die Krippe das Symbol für Christen sei. Damit habe das Leben von Jesus doch angefangen.

Das Kreuz zeigt für Christen Ende und Anfang

„Das Kreuz zeigt ein Ende, das für mich und andere Christen eben auch ein Anfang ist“, erklärt Ulrike Stoll-Dyma. Sie glaubt wirklich, dass Jesus von Gott auf die Erde geschickt wurde, dass er dessen „wirklicher Sohn“ war, dass sein Tod, das leere Grab und die Auferstehung nicht nur eine in der Bibel erzählte Legende ist, sondern dass dies etwas Zentrales für die Menschen bedeutet.

Ihre Überzeugung: „Mit dieser Geschichte will Gott, dass wir Menschen etwas begreifen, aber leider ist das bis heute nicht passiert.“ Der Kern sei, dass Menschen miteinander in Frieden leben sollten, sich helfen und unterstützen, und dass die Menschen trotz allem Hoffnung haben sollen. Kurz gesagt gehe es darum: „Der Tod ist nicht das letzte Wort.“ Und in diesem Punkt stellt sich ihr die Frage, ob Leute, die aus der Kirche austreten, daran wirklich nicht mehr glauben?

Sie hat da ihre Zweifel. Sie sei kürzlich bei einer Beerdigung gewesen, wo auf religiöse Elemente verzichtet worden sei, erzählt sie. „Und da steht man am Grab und denkt, zack, einfach alles aus?“, fragt sie sich. Sie glaube schon, dass viele in sich etwas anderes spüren.

Frage nach dem, was nach dem Tod kommt

Was nach dem Tod komme, wisse sie natürlich auch nicht genau, auch wenn sie Christin sei. Aber sie sei überzeugt, dass man wieder in irgendeiner für Menschen nicht vorstellbaren Weise zu der Liebe zurückkehre, die Gott bedeute. Dieses Gefühl in sich zu spüren, sei schon ein Stück Glaube.

Sie findet, Karfreitag und Ostern seien Tage, die durch ihre Ruhe auch Nicht-Christen Möglichkeiten bieten. „Auch wenn jemand sich als gar nicht gläubig empfindet, würde ich empfehlen, an diesen Tagen mal einen ruhigen Spaziergang im Wald zu machen und in sich der eine oder anderen Frage nachzuspüren.