Der Kammerchor Ebingen hat unter der Leitung von Brigitte Wendeberg in der Tailfinger Pauluskirche konzertiert.
„Stört mir die Liebe nicht!“ – so lautete der Titel des Konzerts, das am Samstag in Tailfingens evangelischer Hauptkirche über die Bühne ging. Im Mittelpunkt stand das Hohelied des Alten Testaments, das in verschiedensten Vertonungen zu hören war, und damit das beherrschende Thema dieses biblischen Buches, welches die Exegeten im Lauf der Jahrhunderte beschäftigt hat wie wenige andere: Liebe.
„In der Bibel steht ja das Hohelied, und es ist wirklich keine heißere, sinnlichere und glühendere Liebe denkbar als die, von der dort gesprochen wird (...)“, heißt es in „Widerstand und Ergebung“, der Sammlung von Dietrich Bonhoeffers in der Haft entstandenen Briefen und Aufzeichnungen. Damit liegt die Latte für die Komponisten, die sich an die Vertonung dieses Schlüsseltextes wagen, denkbar hoch. Und für die Interpreten ebenso.
Der italienische Einflussist nicht zu überhören
Der Kammerchor Ebingen zeigte sich der großen Aufgabe auf eindrucksvolle Weise gewachsen. Vor annähernd 90 andächtig lauschenden Zuhörerinnen und Zuhörern erklang der A-cappella-Gesang der Chormitglieder, die im gesamten süddeutschen Raum zuhause sind und alljährlich in intensiver und konzentrierter Probenarbeit zwei anspruchsvolle Programme gestalten. Auf dem, das sie in der Pauluskirche präsentierten, standen eine Motette des Renaissancemeisters Josquin Desprez, Leonhard Lechners Zyklus „Das Hohelied Salomonis“, eine frühbarocke Vertonung von Melchior Franck und die „Cantiones Sacrae“ von Francks jüngerem Zeitgenossen Heinrich Schütz, die erkennbar von italienischen Madrigalen beeinflusst sind. Wenn es heißte „Fanget uns die Füchse“, scheint tatsächlich eine Chorstimme die andere zu jagen.
Indes waren auch in diesem Chorkonzert nicht nur Sänger-, sondern auch instrumentale Stimmen zu hören. Zwischen den Chorsätzen spielte die aus Frankreich stammende Gambistin Hélène Godefroy, die in Stuttgart studiert und viele Jahre an der dortigen Musikhochschule unterrichtet hat, Werke dreier Barockkomponisten, die im 17. Jahrhundert lebten und wirkten, nämlich des Schotten Tobias Hume, des Sieur De Machy und des Gambenmeisters August Kühnel.