Ute Gerlach und Jürgen Ortelt beim Verladen der Spenden vor ihrer alten Praxis in der Neckarstraße in Horb – einen Nachfolger für die Zahnarztpraxis hatten sie nicht gefunden. Foto: Mercy Air Deutschland

Zahnarzt Jürgen Ortelt ist vor Kurzem in den Ruhestand gegangen. Einen Nachfolger fand er nicht. Doch immerhin seine Zahnarztpraxis wird weiter genutzt – im afrikanischen Eswatini.

Spezialgeräte, Zahnarztbesteck, Verbrauchsmaterialien, Sattelstühle und vieles mehr – die Liste der von Jürgen Ortelt Ende Juni gespendeten Gegenstände ist lang.

 

Der Zahnarzt aus Horb, der zusammen mit seiner Frau Ute in der gemeinsamen Praxis in der Neckarstraße über drei Jahrzehnte Patienten behandelte, trat vor Kurzem in den Ruhestand ein, löste seine Praxis auf und spendete die Restbestände an Einrichtungsgegenständen und Materialien an die gemeinnützige Organisation „Mercy Air Deutschland“.

Zahnarztpraxis in der Neckarstraße 30 Jahre der Lebensmittelpunkt

„Hier war 30 Jahre lang unser Lebensmittelpunkt – es ist schön, dass die Sachen nun auch weiterhin eine sinnvolle Verwendung finden“, sagte Jürgen Ortelt sichtlich bewegt beim Ausräumen der letzten Umzugskisten aus seiner Praxis.

In dem kleinen afrikanischen Land Eswatini (früher Swasiland) werden die Praxiseinrichtung und die zahnärztlichen Materialien bereits mit Freude und Spannung erwartet. Auf der Mabuda Guest Farm in Siteki im Osten des Landes entsteht in der nahen Zukunft eine kleine Zahnarztpraxis in Anlehnung an eine bereits ansässige Augenarztpraxis.

Nur wenige Zahnarztpraxen in Eswatini

„Es gibt bisher nur sehr wenige Zahnarztpraxen hier im Land, deshalb ist die Spende eine sehr willkommene, dringend benötigte Erweiterung”, erfreut sich der lokale Swasi Zahnarzt, der zudem seit vier Jahren mit dem Hubschrauber von Mercy Air zu mobilen Einsätzen in abgelegene Bergdörfer gelangt.

Die Mabuda Guest Farm in Eswatini, wo die Praxis entstehen wird, und wo der Mercy Air Hubschrauber stationiert ist. Foto: Mercy Air Deutschland

Die Mabuda Guest Farm trägt den Spitznamen „Place of Dreams“ (Ort der Träume). Einmal mehr ist dieser Name nun Programm: Denn der Traum, Menschen mit hochqualitativer zahnärztlicher Behandlung zu versorgen, den das Ehepaar Ortelt/Gerlach über viele Jahre in Horb am Neckar mit viel Herzblut gelebt hat, lebt in Kürze in Afrika weiter.

In den nächsten Monaten wirdSachspende verschifft

In den nächsten Monaten wird ihre großzügige Sachspende über die Schweiz mit einem Sammelcontainer nach Eswatini verschifft, wo sie zukünftig Patienten zugutekommen wird, die in ihrem Land ansonsten über eine unzureichende zahnärztliche Versorgung verfügen. „Wir sind Ute Gerlach und Jürgen Ortelt außerordentlich dankbar für ihre Spende – ihr großes Herz für Menschen zeigt nun auch in Afrika Wirkung“, sagte der Erste Vorsitzende von Mercy Air Deutschland, Matthias Böhning, der beim Verladen der Hilfsgüter in Horb am 23. Juni mithalf.

Die Hilfsorganisation Mercy Air

Mercy Air ist eine christliche Hilfsorganisation, die seit ihrer Gründung im Jahr 1991 humanitäre und missionarische Organisationen in entlegenen Gebieten Süd- und Ostafrikas durch Lufttransporte und Logistik unterstützt. Mit drei Airbus AS350 B2 „Squirrel“-Hubschraubern erreicht Mercy Air schwer zugängliche Gebiete in Ländern wie Mosambik, Lesotho, Malawi und Eswatini.

Die Organisation arbeitet eng mit Partnern wie Flying for Life und Medical Missions Eswatini zusammen, um medizinische Versorgung, Katastrophenhilfe und Bildungsprogramme bereitzustellen. In Eswatini spielt Mercy Air eine zentrale Rolle bei der Unterstützung abgelegener Dörfer durch den Transport von medizinischen Teams und Hilfsgütern. Der Einsatz von Hubschraubern ermöglicht es, medizinische Versorgung direkt zu bedürftigen Menschen zu bringen, ohne dass lange und beschwerliche Reisen über Land oder durch die Berge notwendig sind und Spezialisten wie Zahnärzte wertvolle Zeit verlieren.

Weitere Informationen über Mercy Air: www.mercyair.de

Ewatini im Überblick

Absolute Monarchie
 Eswatini – das frühere Swasiland im südlichen Afrika in direkter Nachbarschaft von Südafrika – ist die letzte absolute Monarchie Afrikas. König Mswati III. herrscht seit 1986 mit weitreichenden Befugnissen: Er ernennt die Regierung, das Parlament und die Richter. Politische Parteien sind verboten.

Politisches System und Tradition
Das Wahlsystem basiert auf dem sogenannten Tinkhundla-System. Gewählt werden ausschließlich Einzelkandidaten – parteiunabhängig. Der König bleibt auch nach den Wahlen die dominierende Macht.

Bevölkerung, Armut und Gesundheit
Etwa 1,2 Millionen Menschen leben in Eswatini. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das Land weist eine der höchsten HIV-Infektionsraten weltweit auf, die Lebenserwartung liegt zwischen 51 und 60 Jahren.

Reformdruck und Menschenrechte
In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Protesten gegen das autoritäre System. Diese wurden von Sicherheitskräften teils brutal unterdrückt. Kritik kommt von internationalen Menschenrechtsorganisationen und der EU.

Statistik
Eswatini umfasst eine Fläche von etwa 17 364 km² – das ist in etwa halb so groß wie Nordrhein-Westfalen.. Die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 70 Einwohnern pro km².

Quellen
Auswärtiges Amt, tagesschau.de und Bundeszentrale für politische Bildung