2026 werden es zehn Jahre, seit in Steinen mit den Abrissarbeiten der Grundstein für das neue Wohn- und Mischgebiet Alte Weberei gelegt wurde. Foto: Harald Pflüger

Die Tage der Textilindustrie sind in der Wiesentalgemeinde längst gezählt. Steinen befindet sich im Wandel.

Auf Ortskernsanierung und Neubaugebiet Steinen-Ost folgt nun die Umwandlung des Areals Alte Weberei in ein Wohn- und Mischgebiet. Nur das ehemalige Turbinenhaus und das imposante Verwaltungsgebäude zeugen noch von dem ehemaligen Gewerbe auf der westlich des Zentrums gelegenen Fläche. Mit dem Abriss der Gebäude endete ein Stück Textilgeschichte Steinens.

 

Ende der Textilgeschichte

Mehr als 200 Jahre lebte ein großer Teil der Talbevölkerung von der Textilindustrie. Nicht zuletzt der Wasserkraft der Wiese ist es zu verdanken, dass sich links und rechts des Flusses Textilindustrie ansiedelte. In den besten Zeiten, so Chronisten, waren zwischen Basel und Todtnau mehr als 20  000 Menschen mit Spinnen, Weben und Bleichen beschäftigt. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts zog sich die Textilindustrie jedoch immer mehr aus dem Tal zurück.

Der Grundstein

Den Grundstein für die Textilindustrie in Steinen legte laut Ortschronik die Firma Merian und Köchlin 1816 mit einer Handweberei. Es sollte der Anfang einer rasanten Entwicklung sein. 1836 nahm Mayor Wilhelm Geigy-Lichterhahn die „Mechanische Spinnerei und Weberei Steinen“ in Betrieb: die „obere Fabrik“. 1854 wurde das Unternehmen um die „untere Fabrik“ erweitert.

Eine maßgebliche Rolle bei der Ansiedlung der Textilindustrie in Steinen spielte der Gewerbekanal, der oberhalb der Eisenbahnbrücke von der Wiese abgeleitet wurde. Eine Turbine befand sich in der oberen Fabrik (heute Baugebiet Steinen-Ost), eine weitere im Ortskern (heute Cornimont-Platz) und eine dritte in der unteren Fabrik, jetzt Alte Weberei. Unter diesem Namen soll das neue Quartier vermarktet werden.

Soziale Errungenschaften

Kinderkrippe, Fabrikschule, Arbeiterkrankenkasse und Wohnhäuser für die Arbeiterfamilien gehörten zu den sozialen Errungenschaften, die die Textilindustrie mit sich brachte. Mit der umstrittenen Ortskernsanierung in den 80er Jahren verschwanden die Laborantenhäuser – die Wohnhäuser für die Fabrikarbeiter. Zeugnis der einst prosperierenden Textilindustrie sind heute noch die Villa Merian in östlicher Ortsrandlage, das Gästehaus Pflüger in der Lörracher Straße 15 und die Liegenschaft Lörracher Straße 16 in Steinen.

Starke Umsatzrückgänge

Anfang der 60er Jahre machten sich die starken Umsatzrückgänge bemerkbar. 1965 übernahm die Firma Merian in Höllstein die obere Fabrik. Die untere Fabrik ging 1970 an die Maulburger Firma Medima.

Nachdem Medima 2001 Insolvenz anmelden musste, wurde die Liegenschaft vom Versandhaus Quelle genutzt, daher rührt der in Steinen zuletzt geläufige Begriff Quelle-Areal. Nachdem auch Quelle Insolvenz anmelden musste, erwarb die Gemeinde Steinen die Liegenschaft 2008 aus der Karstadt-Quelle-Konkursmasse, um das Gebiet zwischen Lörracher Straße, Eisenbahnstraße, Bahnhofstraße und Egertenweg neu zu ordnen. Die Pläne hierzu gingen aus einem Architekturwettbewerb hervor.

Wer heute auf das ehemalige Weberei-Areal zwischen Lörrach Straße, Egertenweg und Bahnhofstraße blickt, schaut auf ein modernes Wohngebiet mit repräsentativem Charakter. Ins Auge fällt vor allem die Formensprache der Gebäudekomplexe mit ihren geraden, klaren Linien.

Ein Hotel mit 39 Doppel- und zwei Einzelzimmern und ein von der AB-Gemeinde errichtetes Gemeindezentrum mit Kindertagesstätte sind auf dem Areal bereits gebaut beziehungsweise im Entstehen. Noch nicht realisiert sind die Pläne der Freien Evangelischen Schule Lörrach, FES, hier eine Grundschule zu bauen.

Eine Kinderarzt- und eine Zahnarztpraxis haben auf dem Areal bereits Einzug gehalten wie auch eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz. Ein großes Plus des neuen Quartiers ist seine Lage. Bushaltestelle(n) und Bahnhof sind von hier aus gut zu Fuß zu erreichen, wie auch der Ortskern mit seinen Geschäften und Einrichtungen.

Gute Erreichbarkeit

Basel erreicht man mit der Regio-S-Bahn innerhalb kurzer Zeit, ohne umsteigen zu müssen. Und wenn es doch das Auto sein muss, so erreicht man die B 317 entweder über den Kreisel oder die Anschlussstelle Entenbad in Hauingen.