Für Bürgermeister Oliver Fiedel einer der Höhepunkte im Jubiläumsjahr: Der Auftritt des Projektchors mit Musikern und Domsingknaben beim Festakt. Foto: Verena Wehrle

Im Interview freut sich Todtnaus Bürgermeister Oliver Fiedel über ein gelungenes Stadtjubiläum mit zahlreichen Höhepunkten.

In einer Urkunde vom 22. Juni 1025 des römisch-deutschen Kaisers Konrads II. wurde Todtnau erstmals urkundlich erwähnt. Dieses markante Datum der Todtnauer Stadtgeschichte war Anlass für zahlreiche Jubiläumsfeierlichkeiten, die sich über das komplette Jahr 2025 erstreckten. Bürgermeister Oliver Fiedel blickt im Interview zurück auf Höhepunkte, besondere Momente und das außerordentliche Engagement der Vereine.

 

Das Jahr 2025 stand in Todtnau ja ganz im Zeichen des Stadtjubiläums, dem 1000. Geburtstag der ersten urkundlichen Erwähnung. Im Laufe des Jahres gab es zahlreiche Veranstaltungen. Was war Ihr ganz persönlicher Höhepunkt im Jubiläumsprogramm?

Eine schwierige Frage, da es dieses Jahr wirklich sehr viele beeindruckende Veranstaltungen gab. Dennoch würde ich sagen, dass für mich der Festakt der Höhepunkt des Jubiläumsjahres war und dort speziell der riesige Chor mit rund 80 Teilnehmenden unter der Leitung von Herbert Kaiser, und dann noch die Uraufführung der Auftragskomposition „Der Bürstenmacher“ von Markus Götz, gespielt von der Stadtmusik Todtnau.

Wie konnte es überhaupt gelingen, ein derart großes Programm über das ganze Jahr hindurch zu gestalten?

Zum einen durch das riesige Engagement unserer Todtnauer Vereine, Organisationen sowie einzelner Bürger. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch erwähnen, dass wir seitens der Verwaltung und ich als Bürgermeister jede Idee herzlich aufgenommen und falls notwendig gerne unterstützt haben. Zudem trafen wir auf eine riesige Spendenbereitschaft durch Todtnauer Bürger und Firmen. Die Sponsoren erhielten zum Dank große Embleme in Gold/Silber/Bronze, die sie nach außen jedem sichtbar in die Fenster der Geschäfte oder Betriebe hängen konnten. Mit diesen Sponsorengeldern konnten wir dann auch wieder andere Dinge wie Werbung, Gagen von Mitwirkenden oder zum Beispiel den Mittelaltermarkt finanziell stemmen.

Ausschlaggebend war ja auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen. Viele gestalteten das Programm mit oder bauten das Jubiläum in ihr Programm ein. Wie bewerten Sie dieses Engagement?

Ohne das Engagement unserer vielen Vereine wäre ein solch abwechslungsreiches Jubiläumsjahr schlichtweg nicht möglich gewesen. Wir haben dieses Jahr 34 Jubiläumsveranstaltungen durchgeführt, der Großteil wurde durch unsere Vereine beigesteuert. Todtnau hat rund 90 Vereine, die sowieso Jahr für Jahr das kulturelle Leben in Todtnau bereichern. Dieses Jahr wurden zusätzliche Veranstaltungen geboren, die vielleicht auch zukünftig im Todtnauer Programm ihren Platz finden werden. Kurzum, das ehrenamtliche Engagement unserer Vereine und weiterer Organisationen verdient meinen höchsten Respekt und Dank.

Zu den Höhepunkten zählen sicher das Städtlifest, der Festakt und der Mittelaltermarkt oder?

Ja, das Todtnauer Städtlifest ist Jahr für Jahr ein riesiger Publikumsmagnet. Im Jubiläumsjahr wurde die Attraktivität nochmals gesteigert. Gleich zu Beginn des Festes die Idee mit dem Sternmarsch aller Todtnauer Musikkapellen, die besondere Band „die Münchner Zwietracht“ und zum Abschluss das riesige Feuerwerk, um nur einige Attraktionen zu nennen. Dies macht das Städtlifest auf jeden Fall zu einem weiteren Höhepunkt, neben dem Festakt und der Besonderheit des „Mittelaltermarktes“.

Am Städtlifest spielte die „Münchner Zwietracht“ auf. Foto: Verena Wehrle

Der Mittelaltermarkt war nicht allzu gut besucht. Wie erklären Sie sich das?

An diesem Wochenende hatten wir absolut tropische Temperaturen, da ist es verständlich, dass sich die Besucherzahlen tagsüber in Grenzen hielten. Gegen Abend nahmen die Besucherzahlen jedoch nochmals stark zu und machten die Veranstaltung des „Mittelaltermarktes“ ebenfalls zu einem einzigartigen Event.

Gute Stimmung gab es auch beim Mittelaltermarkt. Foto: Verena Wehrle

Waren Sie auch überrascht über viele weitere Nebenschauplätze im Jubiläumsjahr – etwa die Einweihung einer Jubiläumsglocke in der Todtnauer Kirche?

Steffen Rees informierte mich schon sehr früh über seine tolle Idee einer Jubiläumsglocke. Ich habe immer an ihn geglaubt, dass es klappen könnte. Einzigartig, was Steffen Rees erreicht hat. Mit seinem Willen, seiner Ausdauer und seiner Beharrlichkeit wurde etwas Bleibendes geschaffen.

Die Glockenweihe war ein weiterer Höhepunkt im Todtnauer Jubiläumsjahr. Foto: Steffen Rees

Ist durch die Feierlichkeiten die Todtnauer Bevölkerung noch etwas mehr zusammengerückt?

Dies würde ich so bestätigen. Nehmen Sie das Beispiel „Der Italiener-Tag“ im September auf dem Marktplatz. Eine Gruppe Todtnauer Bürger (zumeist Italiener), nicht organisiert als Verein, kam auf uns zu und meinte, sie wollen auch einen Beitrag zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt Todtnau leisten. Und dieses Gefühl, einen Beitrag zum Jubiläum geleistet zu haben, ein Teil des Jubiläums gewesen zu sein, griffen viele Vereine, Organisationen und Bürger von alleine auf und machten das Jubiläumsjahr zu etwas ganz Besonderem.

Wie waren die Reaktionen – auch über Todtnau hinaus – auf das Programm?

Durchweg äußerst positiv. Natürlich wurden die Jubiläumsveranstaltungen mittels Zeitungen, „Social Media“ oder teilweise sogar über SWR-Radio weit verbreitet. Dementsprechend wurde ich des Öfteren von Bürgermeisterkollegen oder Bürgern außerhalb Todtnaus neidisch auf unsere tollen Veranstaltungen angesprochen.

Und was wünschen Sie sich für Todtnau für die nächsten Jahre?

Oh, das ist eine schwierige Frage. Wünsche gibt es sicherlich viele, da die Herausforderungen für die Kommunen immer größer werden. Anders gefragt, was macht Todtnau besonders? Das sind sicherlich die 90 Vereine. Deshalb wünsche ich mir, dass wir die große Anzahl an Vereinen auch in Zukunft halten können, denn sie bereichern Tag für Tag unser soziales und kulturelles Leben und nehmen der Verwaltung/der Stadt viele Aufgaben ab, die so teilweise nicht leistbar wären.

Hat Sie als Weinliebhaber die Begeisterung für das Todtnauer Bier angesteckt?

So wie das Jubiläumsjahr einzigartig ist, so ist auch das Jubiläumsbier sehr besonders, aber meine Liebe zum Wein konnte nicht übertroffen werden.

Und zum Schluss für manche wohl eine wichtige Frage: Wird es das Todtnauer Jubiläumsbier auch weiterhin geben?

Ja, diese Frage beschäftigt mich auch. Gerade weil ich dieses Jahr mit dem Todtnauer Bier immer ein passendes Geschenk parat hatte. Abschließend beantworten kann ich die Frage leider nicht.