Für ihr jahrzehntelanges Engagement für den Sport wurde Elvira Menzer-Haasis aus Onstmettingen von Winfried Kretschmann der Verdienstorden des Landes verliehen.
Der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ist die höchste Auszeichnung, die es im Ländle zu vergeben gibt. Verliehen wird sie jährlich für herausragende Verdienste um das Bundesland in sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen. Am Freitag wurde auch eine Frau aus Albstadt in das Neue Schloss nach Stuttgart eingeladen, um aus den Händen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann diese hohe Auszeichnung zu erhalten. Wir haben im Vorfeld mit Elvira Menzer-Haasis gesprochen, die unter anderem sechs Jahre lang Präsidentin des Landessportverbandes Baden-Württemberg war, davor 18 Jahre lang Vizepräsidentin, zudem 14 Jahre lang Vizepräsidentin des Schwäbischen Turnerbundes, sieben Jahre lang Vorsitzende des Turnvereins Onstmettingen und noch weitaus mehr.
Frau Menzer-Haasis, Sie wurden ausgewählt, um in diesem Jahr den Verdienstorden des Landes zu erhalten. Hätten Sie jemals mit dieser Möglichkeit gerechnet und wie haben Sie im ersten Moment auf diese Nachricht reagiert?
Das habe ich nicht und ich bin vor Freude durch die Wohnung gehüpft.
Was bedeutet für Sie persönlich diese Auszeichnung?
Ich bin sehr stolz darauf, dass ich eine der 1000 Personen in Baden-Württemberg bin, die diesen Orden tragen darf.
Grund für die Auszeichnung ist Ihr jahrzehntelanges Engagement für den Sport auf verschiedenen Ebenen und die Prävention von Gewalt im Sport. Erläutern Sie bitte für unsere Leser, wo Sie sich überall sportlich engagierten.
Begonnen hat alles beim TSV Burladingen in der Abteilung Volleyball, als Spielerin und Trainerin beim Nachwuchs. Dort war ich auch Gründungsmitglied und 2. Vorsitzende des Fördervereins Städtepartnerschaft – ausnahmsweise nicht im Sport. Mit dem Umzug nach Onstmettingen haben mein Ehemann Friedhelm und ich im Turnverein Onstmettingen (TVO) mit Volleyball begonnen. Selbstverständlich war ich immer auch Spielerin in der Mannschaft, Trainerin und Schiedsrichterin. 1988 wurde ich als erste Frau für sieben Jahre Vorsitzende des TVO, Sprecherin der Onstmettinger Vereine und später Vertreterin der Vereine im Turngau Zollern-Schalksburg. 1995 wurde ich zur Präsidentin des Turngaus gewählt, wieder die erste Frau im Amt. 1999 folgte der Wechsel zum Schwäbischen Turnerbund als Vizepräsidentin für Bildung und Kultur und 2001 zusätzlich zum Württembergischen Landessportbund (WLSB) als Vizepräsidentin Sportentwicklung. 2016 schließlich die Wahl zur ersten Präsidentin des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSVBW), dem Dachverband der drei Sportbünde Baden Nord, Baden Süd und Württembergischer Landessportbund. In diese Zeit fällt die Leistungssportreform und der Kampf um den Erhalt der drei Olympiastützpunkte (OSP) in Baden-Württemberg. In langwierigen Verhandlungen mit dem Präsidenten des DOSB, Alfons Hörmann, und dem Bundesinnenministerium ist es schließlich gelungen, die OSPs Freiburg, Rhein-Neckar und Stuttgart – entgegen dem Bundestrend – als eigenständige Einheiten zu erhalten. Als Sprecherin der 16 Sportbünde auf Bundesebene im Deutschen Olympischen Sportbund war ich zweimal beim Sportausschuss des Bundestages – während der Pandemie durchaus anspruchsvoll.
Können Sie auf die Prävention von Gewalt im Sport noch kurz eingehen?
Für mich gilt Null Toleranz für körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt im Sport. Das gilt für alle im Sport Beteiligten – Sportlerinnen und Sportler, Trainerinnen und Trainer. Es gilt, eine Kultur des Hinschauens zu entwickeln, ohne Denunziation Vorschub zu leisten. Notwendig sind dafür unabhängige, niedrigschwellige Anlaufstellen im Sport. Da haben wir im LSVBW schon viel entwickelt.
Wie kam es eigentlich, dass Sie sich im sportlichen Bereich ehrenamtlich so sehr engagiert haben und noch engagieren?
Im Sportverein bin ich seit dem Kinderturnen sozialisiert und habe viel für mein weiteres Leben gelernt: Gewinnen, verlieren, Verantwortung übernehmen, Durchhaltevermögen, Entscheidungen beeinflussen zu können und Abstimmungen auch zu akzeptieren, wenn sie anders ausfallen als gewünscht. Sozusagen das kleine Einmaleins des demokratischen Lebens. Daher habe ich meine freie Zeit sehr gerne dafür eingesetzt, anderen diese Erfahrung auch zu ermöglichen. Sehr wichtig war mir auch, dass ich meine Heimatregion immer wieder in den Fokus brachte.
Was ist Ihnen in diesem Zusammenhang ein großes Anliegen?
Vereine sind Sozialtankstellen, sie zahlen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein, helfen bei der Integration und sind unglaublich kreativ und erfinderisch. Ganz im Gegensatz zum oft verwendeten Wort der „Vereinsmeierei“. Während der Pandemie haben sie die unterschiedlichsten Aufgaben trotz Lockdown übernommen: Kummertelefon, Impfterminkoordinator, Kontaktpflege und die Entwicklung von Lenkungs- und Hygienekonzepten, um Sporttreiben wieder zu ermöglichen. Jede investierte Stunde, jeder investierte Euro in den Sportverein kommt mehrfach zurück.