Das Café International bietet Raum für Begegnung. Viele Menschen kommen auch hierher, um Deutsch zu üben. Foto: Andrea Maute

Der Bund setzt bei Integrationskursen den Rotstift an. Was bedeutet das für Betroffene? Was für die VHS? Wir haben uns in Balingen umgehört.

Mitte Februar wurde verkündet, dass die Finanzierung freiwilliger Integrationskurse entfallen soll. Der Bund setzt den Rotstift an – in einem Bereich, der für die Betroffenen elementar ist.

 

Was bedeutet das für diejenigen, die die deutsche Sprache lernen möchten? Und was für die Volkshochschulen, die die Kurse anbieten? Wir haben uns in der Eyachstadt umgehört.

Erste Station ist das Café International, das der Arbeitskreis Asyl Balingen jeden Mittwochnachmittag im katholischen Gemeindehaus veranstaltet. Das Café ist eine Plattform für Begegnung und Austausch. Menschen verschiedener Nationen sitzen hier gemeinsam am Tisch, tauschen Erfahrungen aus und reden über das, was sie bewegt.

Viele von ihnen kommen, so wird im Gespräch deutlich, nicht zuletzt hierher, um Deutsch zu lernen oder ihre Sprachkenntnisse auszubauen. Wie wichtig ihnen das ist, ist allenthalben herauszuhören.

„Es ist wichtig, regelmäßig zu üben.“

Abdul etwa kommt aus Afghanistan, war dort beim Militär tätig. Zwei Jahre lang habe er an der Volkshochschule Deutsch gelernt, erzählt er und schickt hinterher: „Es ist wichtig, regelmäßig zu üben.“ Wie groß bislang die Nachfrage nach den Kursen war, weiß er aus eigener Erfahrung. „Ich habe lange auf einen Platz warten müssen. Manche meiner Bekannten sogar noch länger als ich.“

Sich auf Deutsch zu verständigen, klappt bei ihm inzwischen schon recht gut. Nun richtet er seinen Blick darauf, einen Job zu finden. „Ich würde gerne im Security-Bereich arbeiten“, sagt Abdul. Bevor er sich bewerben könne, brauche er allerdings einen entsprechenden Sachkundenachweis. Da ihm insbesondere das Schriftliche Schwierigkeiten bereite, ist er sehr dankbar für die Unterstützung, die er vom Arbeitskreis Asyl erhält. An diesem Tag ist es Ingrid Eckert-Müller, die ihm hilfreich zur Seite steht.

Kinder hätten es leichter

Einige Plätze entfernt sitzt Tsige aus Eritrea. „Meine Kinder freuen sich jede Woche sehr darauf, hierherzukommen“, schmunzelt sie. Während die Kleinen spielen hat sie Zeit, um über ihre Erfahrungen zu berichten. „Auch ich habe einen Kurs bei der VHS gemacht“, erzählt die junge Frau. Da damals die Pandemie dazwischen kam, habe sie etwa ein Jahr darauf warten müssen. Für ihre Dozentin findet sie nur lobende Worte. „Ich hatte eine sehr nette Lehrerin“, blickt sie zurück.

Gleichwohl ist der Deutschkurs für Tsige nur ein wichtiger Teil des Ganzen. Das Zauberwort lautet für sie: Kontakte. Diese zu finden und zu pflegen sei „sehr wichtig, um regelmäßig Deutsch zu sprechen.“

Wer ad hoc eine kleine Deutschstunde möchte, kann sich an Gertrud Bißbort und Gerhard Fehrenbacher wenden

Viel leichter als sie selbst hätten es in Sachen Sprache ihre Kinder. „Sie lernen Deutsch schon im Kindergarten.“ Wichtig ist ihr allerdings, dass sie ihre Wurzeln nicht vergessen. „Zu Hause sprechen wir unsere Muttersprache.“

Am Ruhetag geht’s ins Gemeindehaus

Ebenfalls Gast im katholischen Gemeindehaus ist an diesem Tag Ibrahim. Er hat bereits einen Job gefunden und arbeitet in einem Gastronomiebetrieb in Balingen. Den Ruhetag am Mittwoch nutzt er, um ins Gemeindehaus zu kommen. „Ein bisschen Deutsch habe ich schon gelernt“, lässt er wissen. Da er in der Küche arbeite, habe er nicht so viele Kontakte und dementsprechend nicht so viel Gelegenheit, die Sprache zu üben.

Sein Problem beim Belegen eines Kurses ist der Faktor Zeit. „Wenn man arbeitet, ist das etwas schwierig“, erklärt er. Gerne schaut er deshalb im Café International vorbei. „Die Leute hier sind sehr freundlich und helfen“, berichtet Ibrahim.

Wer ad hoc eine kleine Deutschstunde möchte, kann sich an Gertrud Bißbort und Gerhard Fehrenbacher wenden. „Wir machen das nach Bedarf“, sagt Fehrenbacher, der in seinem Berufsleben Lehrer war. Unterrichtet wird Deutsch auf niedrigem Niveau. Auch Grammatik spiele dabei weniger eine Rolle. „Stattdessen üben wir elementare Sachen wie Wochentage, Uhrzeit oder Zahlen; Dinge, die man im Alltag braucht.“

Mit seiner „Schülerin“ kommuniziert er heuer auf Französisch. Vor ihnen auf dem Tisch liegt ein Heft mit der Überschrift „Deutschkurs.“ Dieses habe sich als Unterrichtsmaterial bewährt, erklärt Gerhard Fehrenbacher. Hilfreich sei unter anderem, dass das Heft viele Bilder enthalte.

Was bedeuten Kürzungen?

So unterschiedlich die Lebensgeschichten der Menschen sind, so sehr zeigt sich hier eines: Sprache ist für sie der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe und das Tor zum Arbeitsmarkt. Über die Sparpläne des Bundes können die Mitglieder des Arbeitskreises Asyl deshalb nur den Kopf schütteln. „Dass diejenigen, die freiwillig lernen wollen, nicht mehr gefördert werden, ist fatal“, konstatiert Klaus-Peter Krämer.

Institutionen wie der Arbeitskreis Asyl, die von Ehrenamtlichen getragen werden, könnten die Menschen zwar unterstützen, die Folgen der Maßnahme aber nicht abfedern. „Wir können helfen, dürfen aber keine Abschlüsse abnehmen“, macht Erwin Feucht deutlich.

Letzteres ist Sache der Volkshochschulen, die Integrationskurse anbieten. Was bedeutet die Kürzungen für sie? Wir haben bei der VHS Balingen nachgefragt. Dort geht man, wie der städtische Pressesprecher Dennis Schmidt erklärt, „von einer Reduktion der Teilnehmerzahl von 30 bis 50 Prozent aus.“ Die Konsequenz? „Die Zahl der Kurse verringert sich und damit auch die Zahl der Zuwanderer, die die deutsche Sprache erlernen können.“

Bundesverband der Volkshochschulen warnt

Doch nicht nur das. Gibt es weniger Kurse, würden zwangsläufig auch weniger Dozenten (Honorarkräfte) gebraucht. Der Bundesverband der Volkshochschulen warnt in seiner jüngst veröffentlichten Stellungnahme deshalb „vor verheerenden Folgen für Betroffene, Gesellschaft und Arbeitsmarkt.“