Die Durotherm-Gruppe in Haiterbach ist in Schieflage geraten. Für die Kunststoffverarbeitung und Twin-Tec mit zusammen 200 Mitarbeitern wurden die Insolvenzverfahren eröffnet.
Die Schwierigkeiten bei Durotherm zeichneten sich spätestens im Februar ab. Der Bracheninformationsdienst Kunststoffweb informierte damals, dass Durotherm Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt habe. Am 5. März veröffentlichte das Insolvenzgericht des Amtsgerichts Tübingen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Durotherm Holding GmbH, also die Dachgesellschaft über den operativ tätigen Unternehmen.
Am heutigen Mittwoch erfolgte nun die offizielle Eröffnung der Insolvenzverfahren für die Durotherm Kunststoffverarbeitung GmbH, die Twin-Tec Packaging GmbH und die ebenfalls von Andreas Hartl geführte Grauer Formenbau GmbH mit Sitz in Pfullingen
Während die Insolvenzen der Holding und von Grauer im regulären Verfahren laufen würden, erfolge dies bei der Kunststoffverarbeitung und bei Twin-Tec in Eigenverwaltung, bestätigte am Mittwoch Holger Rhode, Rechtsanwalt und Partner bei "Görg Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB" in Düsseldorf. Neben dem Insolvenzrecht befasst er sich mit Reorganisation und der Restrukturierung von Unternehmen. Er ist mittlerweile auch Mit-Geschäftsführer in den beiden Unternehmen.
Löhne sind gesichert
Der Betrieb der Unternehmen ist laut Rhode derzeit gesichert. Grundlage sei eine Finanzierung für sechs Monate. Die Löhne der Mitarbeiter seien in den ersten beiden Monate durch Insolvenzgeld gesichert gewesen. Jetzt würden sie aus der Insolvenzmasse gezahlt.
Betroffen sind in Haiterbach rund 200 Mitarbeiter – etwas mehr als 160 bei Durotherm Kunststoffverarbeitung, rund 40 bei Twin-Tec.
Die Gründe für die Schwierigkeiten liegen laut Rhode nicht in Haiterbach, auch wenn dort Auswirkungen zu spüren sind. Rhode beschreibt zwei wesentlich Gründe. Der eine sei eine gescheiterte Integration des Durotherm-Standorts in Lindlar in Nordrhein-Westfalen. „Die Integration hat nicht funktioniert“, sagt Rhode. So habe es auch Minderleistungen im Umsatz gegeben.
Probleme bei Beteiligung in den USA
Der andere Grund sei eine in Schräglage befindliche Beteiligung in den USA. Dort ist die Gruppe mit dem Unternehmen ID Plastics, LP vertreten. Rhode spricht von „erheblichen Investments“ und Verbindlichkeiten gegenüber der Durotherm Kunststoffverarbeitung.
Die Produktion bei Durotherm läuft weiter. Laut Rhode bestehen Verträge mit hochwertigen Abnehmern, darunter Weltmarktführern. Durotherm produziert viele Tiefziehteile, so für Landmaschinen, Straßenbau, Kehrmaschinen und Bagger. Bekannt wurde Durotherm auch für den Innenausbau von Campingfahrzeugen. Für die Luftfahrt wurden beispielsweise Klapptische hergestellt.
Rohstoffe werden teurer
„Zur Frage des möglichen Personalabbaus kann man derzeit nichts sagen“, informiert Rhode. Das hänge von einem Investor ab. Die Suche nach einem Investor sei angelaufen. Andreas Hartl habe durchaus Interesse, Unternehmen in sanierter Form zu verkaufen.
Unabhängig von den genannten Gründen sieht Rhode wie in anderen Branchen eine Verschärfung der wirtschaftlichen Lage. So sei eine Erhöhung bei den Rohstoffpreisen absehbar. Kunststoff wird bekanntermaßen auf Basis von Öl hergestellt.