In Bad Dürrheim machten es die Narren vor: Beim Projekt „Fasnet für älle“ konnten die Menschen mit Handicap den einen oder anderen Hästräger auch anfassen. Foto: Julian Limberger

Auf enttäuschend wenig Resonanz stieß der Informationsabend zum Thema „Fasnet für älle“ in Villingen. Gerade einmal zwei Damen kamen und erfuhren mehr über ein inklusives Projekt.

Entmutigen lassen sich Felicitas Bichweiler und Jörg Westermann davon freilich nicht, hatten sie doch im Vorfeld schon einige Interessenten erkundigt, die am Montagabend nur aus Termingründen nicht ins Villinger Hexenstüble gekommen waren.

 

Die beiden Initiatoren erlebten an der Fasnet 2025 unabhängig voneinander den Jubiläumszug der Bad Dürrheimer Salzhansel und dabei das Angebot, Menschen mit Handicaps am Geschehen teilhaben zu lassen.

Nachdem sie sich jeweils bei den Urhebern der Idee in Konstanz erkundigten, vernetzten diese die beiden Villinger miteinander und gemeinsam ging man daran, die Idee auch für den Villinger Fasnetsumzug 2026 umzusetzen.

Die Villinger Zuggesellschaft wurde als Veranstalter der Lions-Club Villingen und die Kneipenfasnachter aus dem Ratskeller sagten die Finanzierung zu, die Fastnachtsvereine signalisierten unisono ihr Mitwirken und die Hausverwaltung Zacke (Klosterring 4) wird ihren Vorplatz zur Verfügung stellen.

Das Projekt

Zum Projekt: Menschen mit unterschiedlichen Handicaps – Blinde, Autisten, Rollstuhlfahrer und andere – können den Umzug am Straßenrand in einem geschützten Raum erleben und erhalten – wenn gewünscht per Kopfhörer – von dazu ausgebildeten Sprechern eine Erläuterung.

Sprechausbildung

Solche Sprecher sowie weitere Helfer für den Auf- und Abbau hoffte man nun beim Info-Abend begrüßen zu dürfen, zwei, Barbara Brauner und Simone Krauß, kamen. Beide haben auch beruflich mit Menschen mit Behinderung zu tun. Am Samstag, 29. November, findet im Narrenschopf in Bad Dürrheim ab 8.30 Uhr eine drei- bis vierstündige spezielle und kostenlose Sprechausbildung statt, die Julian Limberger, Lehrer an der Villinger Klosterringschule und Blindenreporter beim SC Freiburg, durchführen wird. Interessenten können sich über inklusion@villinger-fasnet.de in den nächsten Tagen noch anmelden.

Mit einer Teilnahme verpflichte man sich nicht, beim Dienstagsumzug am 17. Februar auch wirklich zu sprechen, betont Jörg Westermann und weist auf weitere Einsatzmöglichkeiten, so bei den Heimattagen in Villingen 2027, hin.

Sprechwillige, die im Narrenschopf lernen werden, das Umzugsgeschehen in kurzen Sätze mit deutlichen und dialektfreien Worten zu beschreiben, tun das vor Ort im Wechsel rund 30 Minuten am Stück. Daher werden zwei bis drei Sprecher oder Sprecherinnen benötigt. Diese erhalten überdies ein Regiebuch, in dem alles Wissenswerte über die vorbeiziehenden Fastnachtszünfte stehen werde, verspricht die Geschäftsführerin der Zuggesellschaft, Renate Belz.

Für Interessierte, die den Termin aber nicht wahrnehmen können, „finden wir eine Lösung“, versichert Jörg Westermann und freut sich auch auf Helfende, die beim Umzug vor Ort sind und mit anpacken. Sie habe in Bad Dürrheim einen selig strahlenden, fastnetbegeisterten Mann mit Sehbehinderung erlebt, den sie danach beim Umzug in Villingen in der dritten Zuschauerreihe wiedertraf. „Er sah alles nur verschwommen und bekam viel weniger mit“, erzählt sie.

„Wir brennen für das Projekt“, sagen sie und Jörg Westermann und sie hoffen, noch weitere Menschen dafür entzünden zu können.