Am 5. Mai ist der europäische Protesttag der Menschen mit Behinderungen. Er soll ein Zeichen der Inklusion setzen.
Ebenso selbstverständlich wie Behinderungen Menschen treffen können, sollte auch der Umgang mit ihnen sein, findet die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stad, Inge Teichert. Deshalb richtet sich der Protesttag nur gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Betroffene brauchen Akzeptanz, diese führe zur Inklusion.
Obwohl nur vier Prozent der Menschen mit Behinderung auf den ersten Blick als „behindert“ erkennbar sind, kennen viele die sichtbaren Barrieren, die Rollstuhlfahrer, Nutzer von Rollatoren oder anderen Hilfsmitteln behindern.
Eine Teilhabe am alltäglichen und am gesellschaftlichen Leben der Stadt wird den Betroffenen oftmals erschwert, manchmal unmöglich gemacht. Vor allem die unsichtbaren, auch „gut“ gemeinten Barrieren grenzen Menschen mit Behinderungen vielfach aus.
Bereits Kinder werden in Kitas und Förderschulen von anderen Kindern getrennt und erfahren so frühzeitig Ausgrenzung, sie lernen, dass sie „anders“ sind. Später finden Betroffene kaum einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, weiß Teichert zu berichten. Mit einem geringen Selbstwertgefühl ausgestattet, bleiben ihre Fähigkeiten und Talente meist unerkannt.
Weg oftmals vorgezeichnet
Ihr Weg in eine „beschützende“ Werkstatt oder - mit viel Glück eine Arbeit bei einem sozialen Träger ist alles, was sie erwarten können. Ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt bleibt ihnen in der Regel verwehrt.
Meist finden sie nur eine weniger qualifizierte Arbeit mit einem geringeren Einkommen. Sie benötigen teilweise zusätzliche Transferleistungen. Damit sinkt ihre Chance auf eine bezahlbare Wohnung. Dabei geht es nicht um eine barrierefreie Wohnung.
Junge Menschen haben so kaum die Möglichkeit, selbstständig zu leben, sie bleiben bei Eltern oder Pflegeeltern, um später in eine Pflegeeinrichtung oder ein Seniorenheim zu wechseln. Nur wenigen Betroffenen gelingt es, eine Wohnung oder eine offene oder betreute WG zu finden und selbstbestimmt leben zu können. Zumal hohe Mieten, steigende Preise und Kosten für Zuzahlungen zu Medikamenten, Hilfsmittel und Mobilität ihre Einkünfte weiter mindern.
Situation setzt psychisch zu
Preisnachlässe für Menschen mit Behinderungen gibt es kaum noch. Damit sind Betroffene aus vielen Bereichen des Lebens ausgegrenzt, können sich eine Teilhabe schlicht nicht leisten. Sie leiden unter dieser Situation und schämen sich ihres „Andersseins“, so Teichert, sie verstecken sich und verschweigen ihre Probleme, versuchen aus Angst vor Ausgrenzung im Alltagsgeschehen nicht aufzufallen, informiert sie. So bleibe ihnen die Teilhabe am alltäglichen und am gesellschaftlichen Leben verwehrt. Der Tag für Menschen mit Behinderungen will sensibilisieren, Betroffene mit ihren täglichen Herausforderungen sichtbar machen und zur besseren Integration beitragen, um Betroffene mit all ihren Besonderheiten zu beachten. Das Verständnis füreinander ist ein großer Schritt hin zur Inklusion. Inklusion ist das selbstverständliche und gleichberechtigte Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen. Bis dahin ist es dann nur noch ein kleiner Schritt