Sind stolz darauf, in der Vesperkirche in der Schwenninger Pauluskirche so tatkräftig mit anpacken zu können: die Schüler und (ehemaligen) Lehrer der Christy-Brown-Schule (von links hinten) Marten und Simon, Marianne Winkler, Ursula Haller-Turetzek, Matthias, Karin von der Bruck, Justin, Marco, Markus Fischer sowie (vorne) Lena und Johanna. Foto: Mareike Kratt

Wenn die Arbeit von mehr als 400 Ehrenamtlichen bei der Schwenninger Vesperkirche gefragt ist, dann sind sie wieder auch mit dabei: die Schüler der Christy-Brown-Schule.

Erstes Stühlerücken und Tellerklappern erfüllt den Raum der Schwenninger Pauluskirche. Es ist noch relativ früh an diesem ersten von vier Arbeitstagen, den die sieben Schüler der Christy-Brown-Schule aus Villingen am Montagmorgen mit den übrigen fast 40 Ehrenamtlichen in der Pauluskirche gestartet haben – doch schon jetzt sind Johanna, Lena, Justin, Marco, Simon, Marten und Matthias mit Feuereifer dabei. Um kurz vor zehn sind sie mit Schulbus angekommen und werden jetzt in ihren jeweiligen Arbeitsbereich eingewiesen.

 

Doch der 16-jährige Marco wird gleich ins kalte Wasser geschmissen. Kurzfristig ist er für einen erkrankten Schülerkollegen eingesprungen – und wollte „einfach mal ausprobieren, wie es so in der Vesperkirche ist“. Zusammen mit Lehrer Markus Fischer ist er als Träger im Einsatz, holt zunächst große Kaffeekanister aus dem Gemeindehaus hinüber in die Pauluskirche, trägt dann die vielzähligen Kuchen hinauf auf die Empore.

Lehrer Markus Fischer und Schüler Marco sind als Träger unterwegs. Foto: Mareike Kratt

Währenddessen lernen Johanna und Lena, ebenso Neulinge, ihren Tätigkeitsbereich im Service kennen. Hier wird später nicht nur das Essen serviert, sondern es werden auch die Getränkegläser der Gäste aufgefüllt. Schon jetzt, um kurz nach elf, füllt sich die Kirche zusehends, schon jetzt sind die Gäste durstig.

„So wie ich bin“

So ist Lena bereits fleißig im Einsatz mit dem Umhertragen der Flaschen. Die 17-Jährige hat eine Spastik in der rechten Hand, erzählt sie aufgeschlossen, und kann daher kein Essen servieren – und freut sich umso mehr, dennoch mithelfen zu können. „Ich finde es toll, dass ich so angenommen werde, wie ich bin“, sagt sie.

Schülerin Lena schenkt fleißig Getränke nach. Foto: Mareike Kratt

Unterstützung bekommt Lena von Mitschüler Matthias sowie vom 18-jährigen Marten, der zum dritten Mal in der Vesperkirche mit dabei ist – und völlig routiniert und gelassen Wasser, Schorle und Co. auffüllt. Er zeigt Lena die wichtigsten Handgriffe. „Der erste Eindruck ist gut – und alle Menschen hier sind richtig nett“, findet die Schülerin.

Zwei Lehrer begleiten

Nicht nur Lehrer Markus Fischer begleitet die sieben Schüler – sowohl aus der Berufsschul- als auch aus der Hauptstufe des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums – von Villingen nach Schwenningen, sondern auch Marianne Winkler. Die ehemalige Rektorin der Christy-Brown-Schule freut sich, nun auch endlich beim Sozialprojekt mithelfen zu können – was vor ihrem Ruhestand im vergangenen Jahr einfach nie möglich war.

Zusammen mit Schüler Simon richtet sie drüben im Gemeindehaus die Vespertüten, die die Gäste später mit nach Haus nehmen dürfen. Simon gefällt’s hier, er kennt die Vesperkirche aus dem Vorjahr, erzählt er.

„Etwas Besonderes“

Seit elf Jahren schon besteht die Kooperation mit der Vesperkirche, die damals auf Vorschlag einer Lehrerin – Tochter von Mit-Organisatorin Angela Grüninger – initiiert wurde. Die Schüler kommen jedes Jahr aufs Neue gern, sagt Marianne Winkler auch mit Blick aufs Thema Inklusion. „Weil alle gleichermaßen anerkannt und gebraucht werden. Es ist etwas Besonderes hier.“

Schüler Simon und die ehemalige Christy-Brown-Rektorin Marianne Winkler helfen beim Zubereiten der Vespertüten. Foto: Mareike Kratt

Als unkompliziert beschreibt derweil Markus Fischer die Zusammenarbeit. Jeder Schüler habe seinen Platz und seinen Bereich – und könne auch für kommenden drei Tage dort bleiben, das sei wichtig.

Ein weitere positiver Nebeneffekt: Die Kooperation hat inzwischen zwei weitere – nun ehemalige – Lehrerinnen veranlasst, ins Helferteam zu kommen. Zufälligerweise sind Ursula Haller-Turetzek und Karin von der Bruck auch an diesem Tag im Einsatz und schauen hier und da, ob bei den Schülern alles klappt.

Engagiert und ruhig

Inzwischen ist die Kirche gut gefüllt. Die Ehrenamtlichen sind voll im Einsatz – und die Christy-Brown-Schüler voll in ihrem Element. Engagiert, aber dennoch ruhig trägt Johanna die Teller von der Essensausgabe zu den Plätzen. Karottensuppe, Kalbsgulasch oder Sellerieschnitzel mit Butternudeln stehen heute auf der Speisekarte. „Die Arbeit macht Spaß und ich finde es toll, wie normal es ist, dass die Menschen in einer Kirche essen“, findet sie.

Schülerin Johanna fühlt sich beim Servieren des Essens wohl. Foto: Mareike Kratt

Zeit zum Durchschnaufen gibt’s für die Schüler auch, wenn sie selber am Tisch sitzen und von anderen Ehrenamtlichen das Essen serviert bekommen dürfen. Jetzt können sie die ersten Eindrücke sacken lassen. „Es ist eine gute Abwechslung zur Schule“, sagt der 20-Jährige Justin. „Und es macht Spaß, mit anzupacken.“

Hilfe steckt an

„Mich freut’s, anderen helfen zu können, die Hilfe brauchen“, findet Neuling Marco derweil. Er ist sich ziemlich sicher, auch am nächsten Tag wieder mit anderen mit dem Schulbus Richtung Schwenninger Pauluskirche zu fahren.