Das Nudelhaus mit Standorten in Trossingen und Rottweil verbindet Inklusion, Handarbeit und Qualität seit über 30 Jahren. Jetzt auch als staatlich anerkannter Inklusionsbetrieb.
Seit mehr als 30 Jahren arbeiten im Nudelhaus Menschen mit und ohne Behinderung Seite an Seite. Gemeinsam produzieren sie Pasta, Soßen und Gebäck aus regionalen Zutaten – in Handarbeit, mit viel Sorgfalt und einem besonderen sozialen Anspruch.
Seit dem 1. April ist das Nudelhaus nun offiziell ein staatlich anerkannter Inklusionsbetrieb. Für die kaufmännische Leiterin Annika Stier bedeutet das vor allem eines: „Nicht viel und doch so viel hat sich verändert.“
Schon lange vor der offiziellen Anerkennung stand im Nudelhaus die gelebte Inklusion im Mittelpunkt. Aktuell ist das Unternehmen sogar der einzige staatlich anerkannte Inklusionsbetrieb in den Landkreisen Tuttlingen und Rottweil. Gemeinsam mit Angela Huber-Pfenning, Verkäuferin im Rottweiler Ladengeschäft, berichtet Stier darüber, was hinter dem besonderen Konzept steckt.
Das Nudelhaus ist ein sozialer Zweck- und Wirtschaftsbetrieb des Vereins Nudelhaus Lebenshaus Gemeinschaft für soziale Integration. Ziel ist es, Menschen mit Handicap eine echte Teilhabe am Arbeitsleben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen ihre gesellschaftliche Akzeptanz gestärkt und ihre Existenz gesichert werden.
Start im Jahr 1992
Die Wurzeln des Projekts reichen bis ins Jahr 1992 zurück. Damals entstand der Wunsch, eine eigene Beschäftigungsmöglichkeit zu schaffen, die stärker auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Mitarbeiter eingeht. In Trossingen wurde ein Gebäude gekauft und zum heutigen Nudelhaus ausgebaut. Bewusst entschied man sich für eine Produktionsweise, bei der viel Handarbeit gefragt ist. Eine italienische Hausmutter des Lebenshauses brachte schließlich die Idee mit, selbst Pasta herzustellen.
Was einst mit wenigen Beschäftigten begann, ist inzwischen zu einem Betrieb mit mehr als 30 Mitarbeitern gewachsen. Voraussetzung für die Anerkennung als Inklusionsbetrieb ist dabei, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Beschäftigten eine Schwerbehinderung von mindestens 50 Prozent haben. Diese Quote muss dauerhaft eingehalten werden.
Neuerung fürs Team
Neu im Team ist außerdem ein Arbeits- und Leistungspädagoge. Seine Aufgabe sei es, die Mitarbeiter individuell zu begleiten und zu unterstützen, erklärt Stier. „Er hat immer ein Auge darauf und hilft beispielsweise einer Mitarbeiterin im Rollstuhl oder unterstützt dabei, die richtigen Verpackungen für die Nudeln zu finden.“
Derzeit arbeiten alle Mitarbeiter mit Behinderung in der Produktion. Dennoch schließt das Nudelhaus nicht aus, künftig auch Arbeitsplätze im Verkauf anzubieten. Bereits in der Vergangenheit habe eine Mitarbeiterin im Verkauf mitgearbeitet, sich dort aber aufgrund des Trubels nicht wohlgefühlt. „Wir sind offen dafür. Wenn jemand das möchte, versuchen wir, es möglich zu machen“, betont Stier. Verkauft werden die Produkte nicht nur in den Ladengeschäften in Trossingen und Rottweil, sondern auch auf Wochenmärkten in der Region.
Der Arbeitsalltag
Im Arbeitsalltag spiele das gegenseitige Miteinander eine zentrale Rolle. Menschen mit und ohne Behinderung sollen gleichberechtigt zusammenarbeiten können. „Das braucht viel Geduld und gegenseitige Unterstützung. Die Mitarbeitenden müssen aufeinander achten und füreinander da sein“, sagt Stier.
Ein wichtiger Unterschied zu klassischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung liege darin, dass die Beschäftigten im Nudelhaus regulär angestellt seien. Sie zahlen Steuern und Sozialabgaben selbst und erhalten mindestens den gesetzlichen Mindestlohn.
Für Annika Stier bedeutet die staatliche Anerkennung daher vor allem Wertschätzung für die geleistete Arbeit. „Es ist eine Weiterentwicklung, eine Anerkennung und etwas, worauf wir stolz sein können – genauso wie auf die Qualität unserer Produkte.“
Das Ladengeschäft in Rottweil
Auch das Rottweiler Ladengeschäft blickt inzwischen auf eine lange Geschichte zurück. Seit mehr als 16 Jahren werden hier die Produkte des Nudelhauses verkauft. Angela Huber-Pfenning arbeitet fast seit Beginn im Laden und ist stolz, Teil des Teams zu sein. Besonders freue sie sich über die Reaktionen der Kundschaft: „Die Menschen kommen gerne herein, freuen sich über die handgemachten regionalen Produkte und kaufen Geschenke in einem schönen Ambiente.“
Neben klassischen Nudelsorten gehören besondere regionale Spezialitäten zum Sortiment – etwa Rottweiler- und Fasnetsnudeln oder saisonale Angebote wie Bärlauchnudeln und Kürbissoße.
Die Zukunft
Für die Zukunft hat das Nudelhaus klare Ziele. „Wir wollen ein Inklusionsbetrieb bleiben, weitere Arbeitsplätze schaffen und nach außen zeigen, was uns ausmacht: Inklusion und Qualität“, fasst Annika Stier zusammen.