Grünen Bundestagsabgeordneter Harald Ebner hält im Clubhaus Calmbach einen Vortrag zu den Möglichkeiten der Atommülllagerung. Foto: Ulrike Knöller

Der Anteil von erneuerbaren Energien steigt immer weiter an – doch die Frage nach der Lagerung von Atommüll bleibt.

„Wir alle haben ihn, niemand will ihn, er ist eine Ewigkeitslast“, mit diesen Worten zeigte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner den mehr als 50 Anwesenden im Clubhaus in Calmbach ein deutsches Dilemma auf. Doch wovon sprach der promovierte Diplom-Agraringenieur?

 

Die Rede war von den 1900 Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll, der an 16 Standorten im Bundesgebiet oberirdisch zwischengelagert wird.

Am 15. April 2023 wurde das letzte in Betrieb befindliche Atomkraftwerk abgeschaltet, der Müll aber ist geblieben.

Ebner: „Atomkraft war ein Irrweg“

Besonders krass zeigt sich in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Atomkraft in Deutschland nur rund 60 Jahre genutzt wurde.

Ebner, im Aufsichtsrat der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stellte fest: „Atomkraft war ein Irrweg, sie bleibt eine Risikotechnologie.“ Die Suche nach einem dauerhaften Endlager war bis 2013 ein reines Politikum, bis ein Standortauswahlgesetz verabschiedet wurde. Dabei mussten laut Ebner „mentale Hürden bei den Menschen genommen werden, zu sagen, wir haben in Deutschland eine weiße Karte für die Standortsuche.“ In drei Phasen soll der bestmögliche Standort gefunden werden. Dabei geht es um geologische und wissenschaftliche Voraussetzungen, die es zu prüfen gilt. Ziel ist, durch ein kompliziertes Ausschlussverfahren, den einen, besten Standort zu finden.

Nach jeder Phase wird der Bundestag über die Auswahl beschließen. Zuvor wird in jedem Fall die Bevölkerung ins Boot genommen. Es gibt beispielsweise das nationale Begleitgremium und das Forum Endlager. Harald Ebner sieht das nationale Begleitgremium als wichtiges Scharnier zwischen Bürgern und Behörden, da es Recht auf Akteneinsicht hat. Die BGE veröffentlicht einmal jährlich die Fortschritte, die gemacht werden. Bisher befindet man sich noch in der ersten Phase. Eine online einsehbare Übersichtskarte zeigt anhand von verschiedenen Farben, welche Region bereits aus der Auswahl ausgeschieden ist. Wichtig für Bad Wildbad und Umgebung ist die Farbe türkis, die besagt, dass der Standort anhand der Untersuchungen noch „im Rennen“ ist, allerdings steht man momentan bei Auswahl C oder D, nur A würde in die weitere Phase einfließen.

Bis 2027 sollen A-Gebiete ausgewiesen sein. Ob, wie Ebner anführte, kristallines Gestein, wie in der Region rund um Bad Wildbad, am Ende das Rennen machen wird gegenüber kompakten Tonlagerungen oder flachen Salzlagerungen, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Rund 27 Prozent deutscher Fläche noch in der Auswahl

Rund 27 Prozent der deutschen Fläche sei noch in der Auswahl. Fragen aus den Reihen des aufmerksamen Publikums zeigten die Besorgnis, was passiere, wenn man als Standort ausgesucht würde. Ebner erklärte, dass es rund 15 bis 20 Jahre dauere, bis der radioaktive Müll eingelagert werden könne. Die Einlagerung selbst wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die größte Baustelle sei aber unterirdisch, das gehe senkrecht bis zu 500 Meter in den Berg. Wer das alles bezahle, wurde in den Raum geworfen. Ebner erklärte, dass die AKW-Betreiber in einen staatlichen Fond einzahlen mussten, in dem sich rund 27,5 Milliarden Euro befinden. Das würde einen Großteil der Kosten decken. Wichtig für den 61-Jährigen ist klarzustellen, dass eine Transparenz vorhanden sein muss: „Selbstverständlich wird es Klagen und Bürgerinitiativen geben, das muss ein Gegengewicht sein. Es darf sich keiner verschaukelt fühlen, denn ganz schlimm ist, wenn man glaubt, man ist hintergangen worden. Dafür ist dieses Verfahren transparent. Die Auseinandersetzung, die mit Sicherheit kommt, ist dadurch für alle beherrschbar.“