Inflation beim Metzger und am Imbiss in VS: Deshalb werden Döner in VS teurer

Mit der derzeitigen Lage zu kämpfen hat auch der Ali Baba Kebabimbiss in Schwenningen.
Mareike Kratt„Insgesamt wird alles teurer, nicht nur Döner oder Fleisch. Alles. Und das ist das Problem“, jedoch „nicht nur der Preis ist, was uns kaputt macht“, erzählt Selim Çetin, Inhaber des Ali Baba Kebabimbiss’ in Schwenningen.
Aus einer anderen Perspektive hingegen blickt Metzger Markus Staiger auf die heutige Zeit und Preisänderung, welcher er auch positive Seiten abgewinnen könne. Wie also sieht sie aus, die Realität?
In der Uhlandstraße in Schwenningen bei Selim Çetin kostet ein Döner momentan sechs Euro. Optimalerweise müsste er sieben Euro verlangen, um wirklich etwas daran zu verdienen, für die Konkurrenzfähigkeit, sei dies aber zu viel. Würde es „in Schwenningen sechs Dönerläden geben, wäre das okay, aber nicht bis zu 15!“, ärgert sich Çetin und macht damit auf den schwierigen Konkurrenzkampf aufmerksam.
In der Schwenninger Innenstadt gebe es kaum noch andere Geschäfte. Geschäfte, welche potenzielle Kunden in die Innenstadt locken würde, „wie der Intersport“. Und viele Geschäfte würden schließen. Er appelliert an den Oberbürgermeister, „mehr auf die Stadt Villingen-Schwenningen zu achten“.
Qualität hat seinen Preis
Bei seinem Kollegen Waell Malleh, Besitzer des Oriental Grill am Schwenninger Marktplatz, ist die Situation eine andere. Sein Kebab aus hochwertigem Schichtfleisch kostet seit Anfang März acht Euro, denn „es bleibt uns keine andere Wahl, alles ist gestiegen, da müssen wir mitziehen, sonst stehen wir nur umsonst hier“. Sein Fleischlieferant habe schon vor einem Jahr gesagt, man müsse den Döner für zehn Euro verkaufen, damit man überleben könne, aber auch das gehe für den Kundenerhalt nicht.
Dennoch ist er optimistischer gestimmt als Çetin, was den wirtschaftlichen Wettbewerb angehe. „Jeder bekommt sein Stück vom Kuchen ab, auch wenn es früher anders war“, außerdem verspricht er sich aus seinem besonderen Angebot mit Scheibenfleisch und Vollkornprodukten ein erfolgversprechendes Alleinstellungsmerkmal. Schwierig sei es jedoch schon, da sich der Fleischpreis allein in den vergangenen drei bis vier Monaten um zwei Euro erhöht habe.
Optimismus bei Metzgerei
Die Worte „steigende Fleischpreise“ sind auch für die Metzgerei Staiger in Villingen keine Unbekannten mehr. Der Marktpreis eines Kilos Schweinefleisch liegt aktuell bei 2,50 Euro, wobei er Anfang des Jahres noch zwischen zwei Euro und 2,10 Euro lag. Noch drastischer sieht es bei Rindfleisch aus: Die drei Euro von vor einem Jahr wurden mittlerweile um fast das Doppelte – auf 5,80 Euro – erhöht.
Trotz dieser Zahlen lässt sich Markus Staiger nicht entmutigen und erkennt, welche Vorteile diese Preissteigerung auch mit sich bringen können. Abgesehen von der „extremen“ Rindfleischsteigerung, welche auch nicht durch Unkosten der Bauern erklärbar sei, sei es „sinnvoll für Landwirte, mehr Geld zu bekommen“ und dadurch gerechter entlohnt zu werden.
Höhere Preise sorgen für bewussten Konsum
Teurere Preise würden jedoch vor allem die Kunden einmal innehalten lassen. Markus Staiger berichtet von einem Anruf, bei welchem eine Kundin ungläubig gefragt habe, ob es sein könne, dass zwei Rouladen nun zwölf Euro kosten würden. Die aktuelle Situation trage zu dem Trend bei, „weniger Fleisch zu essen, dafür aber bewusster“, was auch beim Wurstkauf sichtbar werde, so der Metzger. „Anstatt 300 Gramm Aufschnitt werden nur noch 100 Gramm gekauft. Man kommt lieber öfter, kauft weniger und schmeißt schlussendlich auch weniger weg“. Das ist ein großer Vorteil im Hinblick auf Lebensmittelverschwendung und bewussten Konsum.
„Regionalität“ wird in seiner Metzgerei großgeschrieben. Durch die erschwerten Umstände würden es zwar immer weniger Landwirte geben, die wenigen würden jedoch mehr Tiere halten, was ein Vorzug für die Region sei. Sein Schweinefleisch habe etwa nur einen zehn Kilometer langen Transport aus dem nahe gelegenen Brigachtal hinter sich.
Doch neben all dem Optimismus gesteht der Geschäftsmann ein, dass man aus Rücksicht und Gedanken an die Kunden „manche Preise nicht so schnell weitergibt, wie man sollte, sondern erst nach einigen Monaten. Eine Bratwurst würde sonst 4,50 Euro kosten“.
Aus Liebe zum Beruf
Auch in Mallehs Dönerimbiss ist der Gedanke an die Kunden vorrangig: „Ich muss ja nicht nur Geld verdienen, ein bisschen menschlich muss man auch sein“, denn „du wirst nicht so geschätzt, wie wenn du irgendwo mit einem Lächeln aufgenommen wirst, jemand mit dir redet und du einfach Spaß hast“. Lächelnd erzählt er: „Früher habe ich für die ganze Stadt zwei Minuten gebraucht, um hochzulaufen. Heute brauche ich 45 Minuten, weil jeder Zweite mich kennt und du stehst da und redest mit jemandem, auch wenn du keine Zeit hast. Du musst sie dir nehmen!“
Ungeachtet der veränderten Umstände, welche sowohl ihre negativen als auch positiven Seiten mitbringen: Für Çetin, Malleh und Staiger geht es weiter, auch aus Liebe zu ihrem Beruf und den Kunden.