Die Zukunft der östlichen Gebäudezeile am Obertorplatz ist unklar: Die EJL Stadtentwicklung GmbH ist insolvent. Foto: Roth

Die EJL-Stadtentwicklung GmbH ist insolvent. Der vorläufige Insolvenzverwalter Axel Kulas geht davon aus, dass es zu einem Insolvenzverfahren kommen wird. Was das bedeutet.

Was passiert mit der östlichen Gebäudezeile am Hechinger Obertorplatz. Diese Frage scheint offener denn je. Die EJL Stadtentwicklung GmbH, der die Gebäude mit den Hausnummern 13 bis 19 gehören, hat am 8. Mai einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Axel Kulas vom Amtsgericht Hechingen bestellt.

 

Er sagt im Gespräch mit unserer Redaktion zum aktuellen Stand der Dinge: „Wir befinden uns derzeit im Insolvenzantragsverfahren.“ Nun werde geprüft, ob die Schuldnerin über genügend Insolvenzmasse verfüge, um das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Laut Axel Kulas sei das bei der EJL Stadtentwicklung GmbH – schaue man sich den Gebäudekomplex an – höchstwahrscheinlich der Fall. Wenn das Insolvenzverfahren eröffnet werde, komme es zur Verwertung der Vermögensgegenstände.

Insolvenzverwalter verschafft sich Überblick

Wie die Projektentwicklungsgesellschaft in finanzielle Schieflage geraten sei, müsse er in Gesprächen mit den Beteiligten erst noch herausfinden. „Ich versuche derzeit, das System zu verstehen“, sagt Kulas, der dafür persönlich nach Hechingen kommt, um sich die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen. Er sei in gutem Kontakt mit Geschäftsführer Oliver Weigel, der erst kürzlich das Amt durch ein Urteil des Landgerichts Hechingen übernommen hatte. Der Hintergrund des Gerichtsentscheids waren Uneinigkeiten zwischen den beiden gleichberechtigten Gesellschafterinnen der EJL Stadtentwicklung GmbH, konkret die EJL Group GmbH und die Laude GmbH und Co KG.

Letztere forderte die Absetzung von Daniel Löwenstein als Geschäftsführer, was das Gericht letztlich auch veranlasste. Ihm wurde von der klagenden Partei unter anderem Misswirtschaft und Insolvenzverschleppung vorgeworfen.

Da Löwenstein aber wohl mehr über die Hintergründe der Finanzlage berichten könne, wolle Axel Kulas auch mit ihm das Gespräch suchen, was bisher noch nicht gelang.

Wie unsere Redaktion bereits berichtet hatte, wurde indes die Zwangsversteigerung der ehemaligen Volksbank am Obertorplatz gestoppt. „Wichtig ist es, erstmal Ruhe in das System zu bekommen“, erklärt Kulas diese Entscheidung. Da es Anfang Mai zudem in der ehemaligen Drogerie Zink einen Brand gegeben habe, in dessen Folge deren Zwangsversteigerung ebenso aufgehoben wurde, kämen nun auch noch Versicherungsthemen hinzu.

Mitarbeiter sind nicht betroffen

Im weiteren Prozess müssten dann mit potenziellen Investoren respektive Interessenten der Gebäude Gespräche geführt werden. Dafür will der Insolvenzverwalter zeitnah auf die Stadtverwaltung zugehen. Bürgermeister Philipp Hahn hatte bereits vor Absetzung der Zwangsversteigerungstermine angekündigt, dass sich die Verwaltung mit dem Gemeinderat Gedanken macht, ob man um die zentralen Gebäude mitbiete. Nun könnte sich eine neue Chance eröffnen.Grundsätzlich werde die bestmögliche Lösung für den Standort gesucht, wie Kulas weiter erklärt.

Arbeitsplätze seien indes von der Insolvenz der EJL Stadtentwicklung GmbH nicht betroffen. Das Unternehmen sei eine reine Projektentwicklungsgesellschaft und habe keine Mitarbeiter. Auch die weiteren Bauprojekte der EJL in Hechingen seien nicht von der Insolvenz betroffen, da mit anderen Unternehmen des verzweigten Netzwerks der EJL-Immobiliengruppe in Verbindung stünden. Die Insolvenz der EJL Stadtentwicklung GmbH betreffe lediglich die Gebäude am Obertorplatz.