Hier wird die kostbare Ernte mit der Honigschleuder vom Vereinsvorsitzenden Christian Brendlin gewonnen. Foto: Gerald Nill

Die Imker Kleines Wiesental haben an diesem Wochenende ihre 100-Jahrfeier. Wie geht es den Bienen?

Die neuen Gefahren für die heimischen Imker kommen aus Asien. Da ist zum einen die bienenfressende Asiatische Hornisse. Zum anderen billiger, synthetisch hergestellter Honig aus China. Genug Gesprächsstoff also bei der 100-Jahrfeier der Imker Kleines Wiesental am Wochenende 30./31. August.

 

Asiatische Hornisse ist da

Sorgen hat es beim Hobby der Imker eigentlich immer gegeben, führt der Vorsitzende des Imkervereins Kleines Wiesental aus. Jetzt sind noch ein paar Nöte hinzugekommen. „Die Asiatische Hornisse ist im Kleinen Wiesental angekommen“, erklärt Christian Brendlin. „In Raich, Wieslet, Sallneck und Eichholz hat sie bereits ihre Nester. Von dort macht sie jetzt im Spätsommer, da die Zahl der Insekten schon zurück geht, vermehrt Jagd auf die heimische Honigbiene.

Schlimmstenfalls hockt die Räuberin vor dem Bienenstock und überfällt die Biene beim Ein- oder Ausfliegen. Das könne dazu führen, dass das ganze Volk in eine Flug-Paralyse verfällt, nicht mehr ausschwärmt und verhungert. Im letzten Jahr habe es noch Hilfe vom Land zur Bekämpfung der invasiven Hornisse gegeben, in diesem Jahr würden die Imker alleine gelassen. Friedlin ist überzeugt: „Im nächsten Jahr wird die Asiatische Hornisse auch in Demberg sein.“ Dort hat der Vereinsvorsitzende einen Großteil seiner 28 Bienenstöcke.

Foto: Gerald Nill

Die Imkerei sei schon von jeher einem Wandel unterworfen gewesen, blickt Friedlin angesichts des Jubiläums auf die 100-jährige Vereinsgeschichte zurück. Vor hundert Jahren haben es beispielsweise noch Bienenkörbe gegeben, die „Badischer Rumpf“ genannt wurden. Dann seien Schränke mit Hinterbehandlung gekommen, die noch sein Vater verwendet habe. Diese Kisten seien aber unflexibel gewesen, wenn ein Bienenvolk wachse, weshalb er die Magazin-Imkerei eingeführt habe. Wenn es dem Volk zu eng wird und es „Schwarmlust“ entwickelt, stapelt er einfach ein weitere Box drauf.

Friedlichere Völker

Heute achte man viel mehr auf die Bienenzucht. Das führe zum einen zu friedlicheren Völkern, während die Bienen durch Inzucht früher teils sehr aggressiv gewesen seien. Eine Königin, die bis zu fünf Jahre leben kann, lässt Brendlin auch schon mal in Norddeutschland befruchten. Die Arbeiterbiene hat übrigens ein sehr begrenztes Leben. Auf einen 20-tägigen Innendienst folgt ein 20- tägiger Außendienst. Dann stirbt die Honigbiene. Jetzt, gegen Ende der Saison, nimmt die Bienen-Population im Stock ab. „Die Königin legt weniger Eier und bereitet sich schon auf den Winter vor“, erklärt der Imker.

Liebeserklärung eines Imkers im Kleinen Wiesental Foto: Gerald Nill

Aktuell sieht Brendlin seinen Verein mit seinen gut 100 Mitgliedern in einer sehr guten Lage. Die Mitgliederstruktur sei gut durchmischt. Ein gewisser Hype während der Corona-Jahre, als Imkerei „hip“ war, eine gewissenhafte Pflege der Bienenstöcke aber ausblieb, sei überstanden. Nachlässigkeit bei der Betreuung der Bienenstöcke fördere die Verbreitung der gefürchteten Varoa-Milbe, erklärt der Bienen-Experte. Dabei gebe es Zucht-Tricks und auch Ameisensäure nach der Honigernte, die den Befall der Bienenvölker begrenzen. „Wir sind Waldhonig-Imker“, erläutert Brendlin. „Deshalb können wir unsere Völker erst später behandeln.“

Durchschnittlich erntet er 20 Kilo Honig pro Jahr, macht sich die Mühe, im Frühjahr auch mit den Bienenstöcken nach Löffingen zu fahren, wo sie Rapsblütennektar sammeln. Am Ende hat er ein hochwertiges Naturprodukt, das übrigens wie ein Wein von Jahr zu Jahr anders schmecken könne.

20 Kilo im Jahr

Mit Sorge blickt er deshalb aktuell nach China, von wo eine Panscherei mit genmanipulierter Reismelasse drohen, die sich selbst mit herkömmlichen Laboruntersuchungen kaum von Honig unterscheiden lasse. Umso wichtiger, so das Fazit, dass Verbraucher dem heimischen Imker und seinen Erzeugnissen aus einer intakten Umwelt wie im Kleinen Wiesental vertrauen können.

Der Imkerverein Kleines Wiesental feiert am Samstag, 30., und Sonntag, 31. August, sein 100- jähriges Bestehen im Weideschuppen in Wies. Am Samstag ab 18 Uhr wird es Vorträge der Referenten Johannes Wirz und Kai Strümer zum Thema Bienenzüchtung geben sowie Unterhaltung durch „Oliver und die Kapelle für alle Fälle“. Am Sonntag, 31. August, ab 11 Uhr spielen die „Dinkelberger Musikanten“ zum Frühschoppenkonzert auf. Es gibt traditionelles Spanferkelessen, eine Kaffeestube sowie ab 15 Uhr die Verlosung der Tombola.