Wenn der FC 08 Villingen am kommenden Samstag sein nächstes Regionalliga-Heimspiel bestreitet, erwartet er keinen geringeren Gegner als Kickers Offenbach. Das Spitzenteam wird wohl von hunderten Fans begleitet – darauf reagiert auch die Polizei.
Es ist eines dieser Spiele, die den Reiz der Regionalliga ausmachen. Als Aufsteiger darf sich der FC 08 Villingen am Samstag (Spielbeginn 14 Uhr) auf ein stimmungsgeladenes Heimspiel freuen. Denn mit den Kickers Offenbach gastiert ein traditionsreicher Club in der MS Technologie-Arena, der eine ausgeprägte Fankultur vorweisen kann.
Eine große Anzahl an Fans hat aber auch in der Regel seine Schattenseiten – so gerieten die Offenbacher dieses Jahr bereits mehrfach in die negativen Schlagzeilen. Grund dafür waren unter anderem Auseinandersetzungen beim Hessenpokalfinale, bei denen auch rechtsextreme Gesten gezeigt wurden, sowie ein Angriff von OFC-Fans auf einen Bus mit Anhängern von Hessen Kassel.
Jedoch bemühte sich die organisierte Offenbacher Fanszene, der Verein aber auch die Behörden die Geschehnisse zu relativieren. Es handle sich um Einzelfälle und in der Regel auch um Einzeltäter, die nicht der aktiven Fanszene angehören, heißt es in offiziellen Stellungnahmen. Nicht zu verhindern scheint aber, dass sich auch gewaltbereite oder gar gewaltsuchende Anhänger unter das Pulk mischen.
Fanverhältnis der Lager ist neutral
Das dürfte zwar in die Beurteilung für die hiesige Polizei mit einfließen, das für Offenbach zuständige Polizeipräsidium Südosthessen misst dem Auswärtsspiel der OFC-Fans im Schwarzwald keine besondere Brisanz zu. Aus gutem Grund, wie Polizeisprecher Thomas Leipold auf Anfrage unserer Redaktion erklärt: „Da das Fanverhältnis beider Fanlager als neutral eingestuft wird, gehen wir davon aus, dass sich die aktive Fanszene fußballorientiert verhält.“
Kein Wunder, die Fanszene der Nullachter beschränkt sich schon seit längerem auf wenige Anhänger. Ein Aufeinandertreffen wird deshalb nicht als kritisch angesehen. Vielmehr steht bei den Offenbachern, wie Leipold erklärt, der sportliche Erfolg derzeit im Vordergrund.
Werden es bis zu 1000 Anhänger?
„Die guten Leistungen der Mannschaft haben eine gewisse Euphorie bei den Fans von Kickers Offenbach ausgelöst“, so der Polizeisprecher. Entsprechend sei auch der Zuschauerschnitt bei Heim- und Auswärtsspielen gestiegen. Allein beim letzten Heimspiel der Kickers gegen Homburg waren mehr als 7000 Fans im Stadion.
Der Sieg in dieser Partie dürfte auch dafür sorgen, dass zahlreiche Kickers-Anhänger ihr Team beim Aufsteiger in Villingen unterstützen möchten. „Eine mittlere bis hohe dreistellige Anzahl an OFC-Fans“ dürften diese 300 Kilometer lange Reise in den Schwarzwald nach ersten Einsätzungen der Beamten aus Offenbach antreten. Offenbar bis zu 1000 Anhänger werden in der MS Technologie-Arena erwartet, heißt es aus Fankreisen.
Szenekundige Beamte im Austausch
Wie die Fans anreisen und ob darunter auch jene sind, die möglicherweise für Probleme sorgen, dazu möchte sich der Sprecher nicht äußern. Leipold erklärt lediglich: „Zu Kategorisierungen der Fans und prognostizierten Anreisemodalitäten stehen wir im engen Austausch mit den örtlich für den gegnerischen Verein zuständigen Kolleginnen und Kollegen.“
Diesen Austausch bestätigt Daniel Brill, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, gegenüber unserer Redaktion. Man sei grundsätzlich mit den szenekundigen Beamten jedes Gastvereins in Kontakt. Dabei handelt es sich um Polizisten, die die jeweiligen Fanszenen besonders im Blick haben, um – wie auch nun beim Spiel der Offenbacher in Villingen, „das anreisende Fanpotenzial und deren Gefährlichkeit zu hinterfragen“, so Brill.
Von dieser Rückmeldung hänge das Einsatzkonzept der örtlichen Beamten ab, erklärt der Polizeisprecher. Man werde sich „lageorientiert“ auf das Spiel vorbereiten „und einen angemessenen Kräfteansatz“ auswählen. In die Karten lässt sich die Polizei aus Sicherheitsgründen aber nicht schauen. Ohnehin hoffen alle Beteiligten, dass am Samstag im Villinger Friedengrund der Fußball im Vordergrund steht.