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Horb a. N. Coronavirus: Erfolgreicher Unterricht per Video

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"Stopp" und "Play": Unterricht per Video bringt auch Vorteile mit sich – denn die Grundschulkinder können sich die Erklärvideos von Nadine Bergs erneut ansehen, wenn sie etwas nicht verstanden haben sollten. Foto: Bergs

Horb-Altheim - Plötzlich waren sie Realität: die Schulschließungen in der Corona-Krise. Improvisation und Kreativität sind seitdem gefragt, wenn es darum geht, trotzdem Unterricht anzubieten. Nadine Bergs unterrichtet ihre Schüler an der Grundschule in Altheim seit dem ersten Tag der Schließung per Video. Eine Erfolgsgeschichte, die auch die Zukunft prägen könnte, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Die 37-jährige Lehrerin Nadine Bergs aus Salzstetten zögerte nicht lange, als sie erfuhr, dass die Schulen schließen würden, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Sie wollte ihre Schüler an der Grundschule Altheim während der Schulschließung trotzdem weiter unterrichten und für ihre Anliegen da sein. Schnell hatte sie ihr eigenes Konzept entwickelt und legte einfach los: mit Unterricht per Video. Unserer Zeitung sagt sie: "Uns Lehrern war es freigestellt, wie wir den Unterricht gestalten und den Kontakt zu den Schülern aufrecht erhalten wollen." Sie wolle für die Kinder vor allem eine Struktur erhalten und eine tägliche Anleitung dazu bieten, was zu tun ist. "So wollte ich nicht nur das Arbeiten der Kinder entlasten, sondern auch den Eltern unter die Arme greifen." Täglich schickt sie nun Begrüßungs-, Erklär-, und Abschlussvideos und bringt den Unterricht damit in die heimischen vier Wände ihrer Schüler.

Kreis Rottweil: Schulunterricht in Zeiten der Corona-Krise

Die Entscheidung, Videos als Mittel ihrer Wahl für den Unterricht zu nutzen, traf Bergs relativ spontan. Sie sagt: "Als klar war, dass die Schule Montag geschlossen sein würde, habe ich Sonntagabend die Erklärvideo-Produktion gestartet, mit meiner Elternsprecherin alles weitere besprochen und Montag früh hatten die Schülerinnen und Schüler bereits ihre ersten Videos. Viele Materialien haben die Kinder aber auch schon zu Hause."

Unterrichtsstunden, Bewegungspausen und Skype-Sprechstunde

Ihre Erklärvideos haben eine Länge zwischen fünf und 20 Minuten, je nach Thematik und Schwierigkeitsgrad. Der Schulalltag von Bergs sieht aktuell folgendermaßen aus: "Vormittags plane ich den folgenden Schultag mit jeweils vier Unterrichtsstunden inklusive Bewegungspausen und stelle differenzierte Aufgaben für den Nachmittag sowie kreative Angebote zur Verfügung. Die Unterrichtsplanung beginnt bei mir morgens um 7.30. Von 8 bis 12 Uhr stehe ich den Schülerinnen und Schülern sowie Eltern telefonisch und per E-Mail zur Verfügung. Seit Donnerstag, 26. März, habe ich nun eine Skype-Sprechstunde von 11 bis 12 Uhr. Hier können die Kinder Kontakt zu mir aufnehmen, mich live sehen, ihre Kunstwerke präsentieren, Fragen klären oder einfach nur erzählen. Ich ärgere mich, dass ich das nicht gleich von Tag eins gemacht habe, denn es ist eine unglaubliche Hilfe, nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich als Lehrerin, um zu schauen, wo die Kinder stehen und welche Rückmeldungen sie mir geben. Nachmittags erstelle ich Lösungsblätter, bearbeite E-Mails, plane grob den nächsten Tag und zwischendurch kläre ich noch die Fragen meiner eigenen schulpflichtigen Kinder."

Bei der Planung des Unterrichts orientiere sie sich grob am Stundenplan. "Da ich fast alle Fächer in meiner Klasse unterrichte, versuche ich, diese Fächer auch in die wöchentliche Arbeit mit einzubringen. Hauptsächlich nehme ich Deutsch- und Mathe-Erklärvideos auf", sagt sie. Aber auch andere Fächer kommen nicht zu kurz: In Kunst stellt Bergs den Kindern Projektaufgaben, etwa zur Verschönerung des Schulgebäudes. Für den häuslichen Sportunterricht erhalten die Schüler Videos, etwa zum Zumba-Tanzen.

Auch ein spielerisches Element fehlt im Unterricht nicht: Bergs hat ihre Klasse bei der Lernapp "Anton" angemeldet. Dort könne sie Themeninhalte zu Deutsch, Mathematik, Musik und Sachunterricht markieren, die die Kinder dann bearbeiten sollen. Außerdem könnten sie Münzen beim Erledigen von Aufgaben sammeln und damit dann Spiele auf der App spielen oder ihre Figur verändern, erklärt die Lehrerin.

Für die technische Umsetzung hat Bergs einen unkomplizierten Weg gewählt. Sie erzählt: "Das geschieht ganz altmodisch mit meinem Handy. Eine Hand hält das Gerät, die andere zeigt wichtige Dinge in Büchern oder auf Arbeitsblättern. Ich schreibe Aufgaben, während ich filme und erkläre den Kindern währenddessen die Arbeitsschritte, weise auf Knackpunkte hin und gebe Arbeitsanweisungen. Ein selbstgebasteltes Pausenzeichen zeigt den Kindern, wann Sie das Video anhalten sollen. Wenn sie mit der jeweiligen Aufgabe fertig sind, klicken sie wieder auf Play und das Video geht mit der nächsten Aufgabe weiter."

Internetgeschwindigkeit spielt eine große Rolle

Es gebe natürlich auch Möglichkeiten des digitalen Klassenzimmers, ähnlich wie bei Online-Konferenzen. Eine Möglichkeit, die sich aber laut Bergs aufgrund von zeitlichen sowie technischen Einschränkungen der Familien nicht überall umsetzen ließe. Viele Kinder hätten nicht die Möglichkeit, zu einer bestimmten Zeit vor dem PC oder Tablet zu sitzen oder hätten die nötigen Geräte nicht zur Hand, um dem Unterricht zu folgen. Außerdem spiele die Internetschnelligkeit auch eine große Rolle.

Die Rückmeldungen von Seiten der Schüler seien positiv. Bergs sagt: "Ich freue mich, dass die Kinder damit zurecht kommen und es ihr Lernen unterstützt. Das Tolle daran ist ja auch, dass man Videos jederzeit zurückspulen oder anhalten kann. Im regulären Unterricht ist dies nicht möglich."

Durch das Experiment Video-Unterricht sammelt Bergs sogar Inspirationen für ihren zukünftigen Unterricht. Die Erklärvideos würden sehr viele Möglichkeiten bieten. Sie wolle deren Potenzial auch vielmehr im Unterricht nutzen, wenn die Normalität wieder einkehrt. Die Lehrerin sieht die digitale Herausforderung als Chance und weist darauf hin, dass es in der Schule noch Verbesserungsbedarf gibt: "In der Schule haben wir leider noch nicht die Ausstattung, um digital so unterwegs zu sein, wie wir das gerne würden. Daher bietet der Fernunterricht einerseits eine Chance, sich mit den neuen Medien und Möglichkeiten des digitalen Unterrichts als Lehrkraft sowie als Schüler auseinanderzusetzen und ganz viele neue Dinge wie Lern-Apps oder Filmmaterial auszuprobieren. Andererseits stößt man auch an technische oder persönliche Grenzen. Internetschnelligkeit oder Serverüberlastungen, Dateigrößen, leere Druckerpatronen, oder auch technisches Unwissen bringen einen oftmals an den Rand der Verzweiflung."

Doch natürlich fehle allen der normale Schulalltag, Bergs sagt: "Ich vermisse den täglichen Kontakt zu meinen Schülern, ihre Reaktionen, gemeinsames Starten in den Tag, gemeinsam Lernen, zusammen singen und tanzen, sich im Kreis treffen und einfach erzählen, aber auch mal Quatsch machen. Außerdem fehlen auch die Kollegen und das ganze Schulumfeld. Das kann kein Tablet, Handy oder Filmchen ersetzen." Die Schüler würden ihr zurückmelden, dass sie sehr gut mit den Videos und dem Lerninhalt zurecht kommen und sie sich jeden Tag auf die Videos freuen. Es seien sich aber alle einig: Froh und glücklich zu sein, wenn die Schule wieder losgeht und Normalität eintritt. "Man lernt zu schätzen, was man eigentlich so hat", sagt Bergs.

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