Holcim plant den Bau zweier neuer Anlagen auf dem Werksgelände. Nun wurden einige Einwendungen besprochen. Foto: Eyckeler

Zwei neue Anlagen sollen auf dem Gelände von Holcim entstehen und zur Emissionsminderung beitragen. Nun stellte sich das Unternehmen kritischen Nachfragen.

Der Zementhersteller Holcim plant in Dotterhausen eine Abgasreinigungsanlage (KAREm EMI), die mittels innovativer Technik Emissionen mindern soll, sowie eine Abwärmenutzungsanlage (KAREm WHI). Die Öffentlichkeit bekam am Donnerstagmorgen in der Festhalle Dotternhausen die Möglichkeit, Einwendungen vorzubringen, zu denen Holcim Stellung nahm. Dieser Austausch verlief in Teilen sachlich und konstruktiv, war aber auch emotional geprägt, gespickt mit Vorwürfen und Anschuldigungen.

 

Unmut im Gemeinderat und heftige Anschuldigungen

Das Regierungspräsidium (RP) Tübingen als Genehmigungsbehörde moderierte den Erörterungstermin, zu dem Holcim-Vertreter, die Parteien mit ihren Einwendungen – die Gemeinde Dotternhausen, der Verein für Natur- und Umweltschutz Zollernalb (NUZ) und Otto Scherer – sowie die Öffentlichkeit eingeladen waren.

Letztlich verfolgten rund 15 Personen aus der Bevölkerung das Geschehen in der Festhalle, darunter augenscheinlich einige Mitarbeiter von Holcim. Ute Maier vom RP führte durch die Tagesordnung und den Tag in der Festhalle.

Bereits vor einigen Monaten hatte sich Unmut im Gemeinderat von Dotternhausen über die Vorgehensweise des Zementherstellers geregt. Unter anderem warfen Teile des Gremiums Holcim eine sogenannte Salami-Taktik vor bei der Antragsstellung.

Gerald Massini von Holcim betonte am Donnerstag erneut, dass die beiden Anlagen zwar technisch miteinander gekoppelt seien, „aber dennoch völlig unabhängige Zwecke erfüllen“. Aus diesem Grund wurden die Anträge getrennt eingebracht und nicht in einem Wurf.

So arbeiteten die Parteien Einwendung für Einwendung ab. Die Gemeinde Dotternhausen etwa wünscht sich im Rahmen der Pläne eine vollumfängliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Diese sei, so eine Mitarbeiterin von TÜV Süd, im gesetzlichen Rahmen erfolgt. Holcim legte erneut Wert darauf, dass diese UVP nicht notwendig gewesen wäre, aber vom Unternehmen selbst veranlasst wurde. „Wir haben nichts zu verbergen“, meinte „KAREm“-Projektleiter Michael Obermailänder.

NUZ-Vorsitzender Siegfried Rall wollte von guten Absichten seitens Holcim nichts wissen und keilte immer wieder mit Vorwürfen und Anschuldigungen dazwischen. Dabei ging es um vermeintliche nicht eingehaltene Grenzwerte, unterlassene Kontrollen seitens des RP und andere mutmaßliche Rechtsverletzungen.

„Hören Sie auf mit diesen unseriösen Vorwürfen“

Irgendwann riss der Geduldsfaden von Holcim-Werksleiter Dieter Schillo, der diese Vorwürfe nicht stehen lassen wollte: „Es reicht jetzt. Hören Sie auf mit diesen unseriösen, haltlosen Anschuldigungen. Das grenzt schon an Verleumdung“, so Schillo.

Um einiges sachlicher, aber nicht minder kritisch hakte Gemeinderat Georg Cotta nach. Zur Sprache kamen unter anderem Fragen nach dem Betrieb im Störfall, zur Lagerung von Gefahrenstoffen und zur geplanten Verbrennung von Ersatzrohstoffen. Auch die Überwachung der Grenzwerte und die Überprüfung der Einhaltung standen auf der Agenda.

Schillo und Obermailänder machten Angaben zu Betriebsszenarien wie dem Anheizen des Ofens, zur Verwendung der Rohstoffe und Sicherheitsvorkehrungen. Über allem stand aber folgender Grundsatz: „Wir überwachen die Emissionswerte strikt. Sollten diese überschritten werden, schalten wir die Anlage ab.“ Da ein kalter Ofen keinen Ertrag bringt, dürfte Holcim schon rein wirtschaftlich daran interessiert sein, dass die Werte eingehalten werden und zuverlässig und sicher produziert werden kann.

Dotternhausens Bürgermeisterin Marion Maier betonte erneut, dass die Gemeinde das Projekt zur Emissionsminderung und Abwärmenutzung gutheiße und unterstütze. Dennoch bestand sie auf Zusicherungen und Bestätigung seitens des RP, dass im Havariefall oder bei einem Hochwasserszenario alle technischen Voraussetzungen geschaffen sind, dass es zu keiner Umweltbelastung und Verunreinigung des Grundwassers kommt.

Baubeginn im Juli?

Diese Zusicherung bekam sie vom RP. Weiter versprach die Behörde, dass die angesprochenen Punkte auf mögliche Nachbesserungen geprüft werden. Sollten am Ende alle Ampeln auf Grün stehen, startet der Bau der Anlagen im Juli dieses Jahres.