Das Jahr 2024 lief für die Bad Wildbader Stadtverwaltung viel besser als geplant. Statt eines Verlustes gab es einen satten Überschuss. Doch das Geld wird dringend benötigt.
Einen satten Überschuss konnte der Bad Wildbader Kämmerer Tido Lüdtke in der jüngsten Gemeinderatssitzung für das Jahr 2024 präsentieren. Das kam nicht ganz überraschend, könnte aber das letzte positive Ergebnis für lange Zeit gewesen sein.
Als das Gremium den Haushalt für das Jahr 2024 beschlossen hatte, sah der Plan im Ergebnis einen Jahresverlust von rund 2,5 Millionen Euro vor. Tatsächlich aber fiel er wesentlich besser aus. „Der Abschluss wird uns unterm Strich noch mal etwas Luft verschaffen“, sagte Bürgermeister Marco Gauger, bevor Lüdtke das Wort ergriff.
Stadt läuft auf hohe Verluste zu
Die Finanzverwaltung habe mit diesem Abschluss die Arbeitsrückstände, die durch die Umstellung auf die Doppik, also die doppelte Buchführung, entstanden seien, erstmals aufgearbeitet, sagte der Stadtkämmerer. Denn bereits für das Jahr 2025 drohen Verluste in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Auch wenn der Abschluss tatsächlich wohl besser ausfallen werde, würde es in den Folgejahren „noch drastischer“.
Durch deutlich mehr sogenannte ordentliche Erträge (plus 3,45 Millionen Euro) und rund 200 000 Euro weniger bei den ordentlichen Aufwendungen verbessere sich das Ergebnis rum rund 4,64 Millionen Euro, erläuterte Lüdtke.
So ist das Ergebnis für die Stadt äußerst positiv: Statt eines Verlustes von rund 2,57 Millionen Euro steht am Ende des Jahres 2024 ein Überschuss von rund 2,1 Millionen Euro zu Buche.
Vor allem höhere Steuereinnahmen seien für dieses gute Ergebnis verantwortlich.
Hier gab es Mehreinnahmen bei der Grundsteuer in Höhe von 565 000 Euro.
Hauptsächlich waren das Mehreinnahmen bei der Grundsteuer A, also den land- und vor allem forstwirtschaftlich genutzten Grundflächen. Allein hier nahm die Stadt – wohl vor allem beim (Staats-)Wald – 530 000 Euro mehr ein. Sogar noch höher waren die Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer.
Hier lagen die Einnahmen 2,34 Millionen Euro über dem Plan. Dazu kommen noch höhere Einnahmen aus dem Zweckverband Interkom. Geplant waren hier rund 150 000 Euro, die Stadt kann sich hier aber über Mehreinnahmen von 500 000 Euro freuen.
Auch die Zinserträge sind höher als geplant. Insgesamt nahm die Stadt hier 628 000 Euro ein, 286 000 Euro höher als ursprünglich vorgesehen.
Rücklagen steigen weiter an
Der Überschuss aus dem Jahr 2024 wirkt sich positiv auf die Rücklagen aus. Die betragen jetzt etwa 22,2 Millionen Euro. Eigentlich sei dies ein „beruhigendes Polster“, sagte Lüdtke. Allerdings werden diese Rücklagen dringend gebraucht, denn Lüdtke hatte bereits früher darauf hingewiesen, dass diese Rücklagen in wenigen Jahren komplett aufgebraucht sein dürften.
Durch die höheren Einnahmen konnte die Stadt auch die Schulden der Stadt ohne ihre Eigenbetriebe senken. Am Anfang des Jahres 2024 beliefen sich die Schulden auf rund 23,28 Millionen Euro. Dieser Betrag sank zum 31. Dezember auf 22,4 Millionen Euro, inklusive Neuaufnahme von Darlehen in Höhe von 860 000 Euro.
Pro-Kopf-Verschuldung sinkt
Die Schulden wurden also um rund 865 000 Euro gesenkt. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 2123,18 Euro. Im Vorjahr, also Ende 2023, lag diese Zahl bei rund 2200 Euro.
Dennoch fand Gauger, dass bei Lüdtkes Bericht „auch gute Nachrichten dabei“ seien. Allen voran nannte er die Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 6,3 Millionen Euro. „Das zeigt, dass wir sehr sehr starke Unternehmen vor Ort haben“, so der Bürgermeister weiter. Das zeige, dass Bad Wildbad auch ein starker Wirtschaftsstandort sei. Explizit zählte Gauger hier auch die „halbe Million aus dem Interkom“ mit dazu.
Umstellung „mit Bravour bestanden“
Rita Locher (Freie Wähler) wollte in ihrem Statement den „Schwerpunkt auf die Leistung des Teams setzen“. Die Finanzverwaltung mit ihren Mitarbeitern habe die Umstellung auf von der Kameralistik auf die Doppik „mit Bravour bestanden“. Die jetzt vorliegenden Jahresabschlüsse seien eine „tolle Grundlage für die kommenden Haushaltsplanungen“.
Einen Wermutstropfen sah sie in der Tatsache, dass die Beteiligungsberichte der Eigenbetriebe und städtischen Unternehmen noch nicht vorlägen. Dies erklärte Lüdtke aber damit, dass die Stadt jetzt eben zuerst mit dem Abschluss fertig geworden sei. Bei den Betrieben müssten die Abschlussberichte etwa noch von Wirtschaftsprüfern erstellt oder in Aufsichtsgremien vorgestellt werden. Bis Endes des Jahres sollten diese aber ebenfalls vorliegen.
Bei diesen guten Zahlen war es dann kein Wunder, dass die Gemeinderäte den Jahresabschluss der Stadt für das Jahr 2024 einstimmig beschlossen.