Die Familie Iljaschenko ist aus der Ukraine geflohen und lebt heute in einem der Hoffnungshäuser im Nagolder Süden. Sie zeigen beispielhaft, was es für eine gelungene Integration braucht.
Im Frühjahr 2022 öffneten die beiden Hoffnungshäuser mit den charakteristischen Balkonen ihre Türen im Hasenbrunnen in Nagold. Zu gleichen Teilen leben dort Geflüchtete mit Einheimischen zusammen.
In ein fremdes Land zu kommen, dessen Sprache man nicht spricht, keinen bezahlbaren Wohnraum zu finden und ein Fremder zu sein, ist eine für die meisten nicht vorstellbare Situation. In den Hoffnungshäusern sollen durch eine engagierte Hausgemeinschaft gegenseitige Beziehungen entstehen und Integration gelingen.
Noch bevor die Hoffnungshäuser in Nagold eröffneten, startete unweit des Bauplatzes, kurz vor Kriegsbeginn in der Ukraine im Februar 2022, ein Treffpunkt-Café für Geflüchtete. Über diesen Treffpunkt ergaben sich die ersten Kontakte mit Menschen, die einige Monaten später in die Hoffnungshäuser einziehen sollten – so auch Familie Iljaschenko.
Die Tochter war gerade erst geboren
Zunächst kam nur die Mutter Natalia mit dem Sohn Elia und der gerade geborenen Tochter Jenny in Nagold an: „Als der Krieg unsere Heimatstadt erreichte, sahen wir, wie Raketen einschlugen“, berichtet sie. „Es gab keinen Strom und kein warmes Wasser.“ – Dafür aber viel schwarzen Rauch und die Bahnen der Geschosse am Himmel.
Im Hoffnungshaus angekommen, kümmerten sich Sozialarbeiter um die drei und mit ihrer Hilfe konnte ein Kindergartenplatz für Elia gefunden werden. Nach ein paar Monaten wurde dann Natalias Mann Dennis wegen eines Augenleidens vom ukrainischen Wehrdienst befreit und die junge Familie fand hier in Nagold wieder zueinander.
Die Sprache ist das Wichtigste
Der Familie Iljaschenko geht es gut im Hoffnungshaus. Noch immer kommen sie gerne zum Treffpunkt-Café, um ihre Sprachkenntnisse zu erweitern und mit Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Beide Eltern haben einiges an Verwandtschaft zurückgelassen. Doch trotz allem sehen sie die Zukunft ihrer Familie in Deutschland. Ihnen bietet sich hier eine deutlich bessere Perspektive als in der Ukraine.
Das Wichtigste sei, die deutsche Sprache zu erlernen, sagt der Familienvater. Für ihn liegt hier der Schlüssel zur Integration. Als Natalia hier ankam schien ein Deutschkurs erst in grauer Zukunft möglich zu sein – ein inakzeptabler Umstand. Doch es gelang, ihr einen Online-Sprachkurs zu organisieren. Via Zoom konnte sie am Sprachunterricht teilnehmen und schnell Fortschritte erzielen. Ihr Mann kam bereits mit sehr bescheidenen Deutsch-Kenntnissen hier an, war aber rasch in der Lage, ein alltagstaugliches Deutsch aufzubauen.
Das Motto: Sei nützlich!
Für ihn gibt es noch eine weitere wichtige Zutat für eine gelingende Integration: den Wunsch, wirklich in seiner neuen Heimat zu leben. Er meint das in einem gesellschaftlichen Sinn. Engagement sei wichtig. Er selbst habe sechs Wochen Bürgergeld erhalten. Doch Dank seiner Berufserfahrung konnte Dennis anschließend eine Vollzeitstelle als Physiotherapeut antreten. „Die Hoffnungshäuser waren für uns eine besondere Hilfe. Wir sind sehr dankbar“, sagt er heute.
Es sind oft einige Hürden zu nehmen, bevor es Geflüchteten möglich ist, ihr Können dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Im Fall von Dennis Iljaschenko war ebenso sein eigenes Engagement, aber auch die pragmatische Unterstützung notwendig, die er in den Hoffnungshäusern erhalten hat. Sein persönliches Motto: „Be useful! (Sei nützlich!)“ – Es traf wohl genauso auf ihn zu, wie auf jene, die ihm halfen. Beides war ein wichtiger Teil des Integrationserfolges der Familie Iljaschenko.