Der kreiseigene Hof Dinkelberg in Schopfheim hat in seiner 149 Jahre alten Geschichte ein neues Kapitel aufgeschlagen.
. Die Zusammenhänge stellten der Hofgründer Markus Hurter und die Leiterin der Sozialtherapie Birte Bresler dem zuständigen Team des Landratsamtes der Eingliederungshilfe und der Sozialplanung vor. Als öffentliche Veranstaltung erfolgte auch der Besuch von kleinen und großen Freunden des Hofes. Seit Jahresbeginn startete der Hof Dinkelberg nun in eine neue Kooperation mit dem Landkreis Lörrach für ein neues betrieblich integriertes Arbeitsangebot für Menschen mit Behinderungen.
Das Gefühl geben, gebraucht zu werden
Hofleiter Hurter berichtete: „Wichtig ist für uns, Menschen mit Assistenzbedarf hier in unserer Landwirtschaft mitzunehmen“. Die Basis des fördernden Ansatzes sei es, den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden. Diese Arbeit gibt es seit Bestehen des Betriebes. Ursprünglich war es Zweck des Betriebes, Menschen die nicht ganz auf eigenen Beinen stehen können, eine Existenz zu vermitteln. Der Hof war ursprünglich an das Markus-Pflüger-Heim angegliedert. Die Bewohner sollten damals mit dem Hof für die Versorgung des Heimes sorgen. Im Jahr 1913 bewohnten das Heim 200 Bewohner und wurden von 12 Mitarbeitern betreut. Mit den Menschen wurde damals nicht therapeutisch gearbeitet, es war mehr oder weniger ein „Lager“. Deshalb wird das Heim von den älteren Bewohnern noch „Anstalt“ genannt. Seit den 2000er Jahren ist der Betreuungsschlüssel von 250 Bewohnern auf 200 Mitarbeiter gestiegen. Der Hof wurde 1979 vom Heim organisatorisch getrennt, er wurde an einen eigenständigen Pächter übergeben, der nahezu jede Zusammenarbeit mit den Heimbewohnern verweigerte. Bis 2004 wurde auf dem Hof mehr oder weniger nicht therapeutisch gearbeitet.
Nach dem Ausscheiden des Pächters engagierte sich der damalige Heimleiter, Bernd Sevecke, für die Wiederaufnahme von landwirtschaftlichen Tätigkeiten durch die Heimbewohner. Sevecke war bewusst, dass die Landwirtschaft große therapeutische Chancen für behinderte Personen bietet. Hurter sagte: „Durch die Arbeit kann man jedes Zipperlein überwinden, weil man in eine Verantwortung kommt“. Sevecke suchte damals einen Betreiber, der die Zusammenarbeit mit dem Heim wieder herstellt und stieß im Rahmen seiner Kontakte über die Waldorfschule auf Hurter. Dieser suchte damals für seine Kontaktgruppe einen Bio-Betrieb mit sozialer Orientierung. Er sagte zu Sevecke: „Wir hatten uns gefunden wie der Schlüssel das Schlüsselloch“. Als erstes wurde mit 25 Personen der gemeinnützige Verein Kambium gegründet, um therapeutisch und pädagogisch zu arbeiten. Vom ersten Tag an arbeiteten die Heimbewohner auf dem Hof unter der Trägerschaft des Vereins. Mittlerweile sind es rund 15 Beschäftigte, es sind mittlerweile keine Heimbewohner mehr. Es kamen Krisen und „erfolgreiche Friedensverhandlungen“, andere soziale Einrichtungen übersandten ebenfalls Beschäftigte. Er sagte: „Wir arbeiteten immer im Auftrag von irgendjemandem, und waren nie in eigenem Auftrag unterwegs“.
Neues Teilhabe-Gesetz ist ein Glücksfall
Der stärkste Unterstützer, die Christophorus-Gemeinschaft mit 14 Helfern, kündigte seine Partnerschaft vor zwei Jahren. Dann kam das neue Teilhabe-Gesetz, wonach auch kleine Einrichtungen wie der Hof gefördert werden können. Dieses Gesetz erwies sich für den Hof als Glücksfall. Die ganzen Bedingungen konnten hier erfüllt werden, wie die Einrichtung eines Werkstattrates, eine Frauenvertretung oder die Schaffung eines Gesamtkonzeptes. Der Hof Dinkelberg wurde daher sozialkonform zum „ALA“-Hof (anderer Leistungsanbieter).
Erstmals ein selbstständiges Unternehmen
Im Landkreis Lörrach ist der Hof der erste ALA-Nehmer. Mit dem Sozialamt wurde insoweit eine „neue Beziehung“ geschaffen. Hurter sagte: „Wir haben nun eine finanzielle Sicherheit erhalten, die wir vorher nie hatten“. Angestrebt ist die Erhöhung von derzeit 15 auf rund 30 assistenzbedürftige Mitarbeiter. Gleichzeitig bleibt sich der Hof treu, er vermittelt Menschen mit Eingliederungsbedarf einen Lebensinhalt.
Karim Chermiti, Leiter des Fachbereiches Soziales, sagte: „Wenn man sich heutzutage ein Konzept ausdenkt, dient dasjenige vom Hof Dinkelberg wie ein Bilderbuch“. Das Landratsamt sei stolz darauf, dass hier die Möglichkeit eines „ALA“-Betriebes geschaffen werden konnte. Hier wird viel mehr angeboten, darunter zehn Ferienfreizeiten und 120 Kindergeburtstage. Rund 1000 Kinder kommen jährlich zum Hof. Auch der ehemalige Heimleiter und Sozialarbeiter Bernd Sevecke meldete sich zu Wort und freute sich über die neue Entwicklung des Hofes. Chermiti sagte: „Der Hof verbindet Inklusion, Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung in vorbildlicher Weise“.
Führung durch den Hof zu den Arbeitsplätzen
Birte Bresler führte die Gäste zu den Arbeitsplätzen der Beschäftigten, rund um Biogemüse- und Obstanbau und deren Verpackung, oder zu den Stallungen von Hühnern, Schweinen, Rindern, Schafen oder Hasen. Die landwirtschaftlichen Produkte verkauft der Hof über die „Dreiland-Biokiste“ oder auf dem Schopfheimer Wochenmarkt. Ein Teil der Produkte wird durch eine Großküche erworben.