Ob am Massenspektrometer oder beim selbst entworfenen Schreinerprojekt: Magnus Schmidt packt an. Foto: Hochschule Furtwangen

Drei Tage für eine Lebensentscheidung: Warum sich Magnus Schmidt für die Hochschule Furtwangen entschied – und was ihn antreibt.

Wer an der Hochschule Furtwangen einen Interviewtermin mit Magnus Schmidt hat, fühlt sich schon nach zehn Minuten leicht atemlos.

 

Der Professor beantwortet Fragen, erzählt von Forschungsprojekten, hat nebenbei seinen Posteingang im Blick, spricht sich mit vorbeischauenden Kollegen ab und hantiert fachmännisch mit der Espressomaschine.

Schon wenige Fragen später ist klar: Dieses Anpacken, die Entschlossenheit, einer Aufgabenvielfalt jedweder Art mit hochgekrempelten Ärmeln zu begegnen, das scheint sie zu sein, die besondere Schmidt-Formel.

Schmidt ist Chemiker, er lehrt und forscht seit 2019 an der Hochschule Furtwangen.

Die Kohlenhydrat-Chemie hat es ihm angetan

Auch dabei kümmert er sich um viele Themen zeitgleich: neue Materialien zur CO₂-Bindung, moderne Adsorbertechnologien oder die Immobilisierung von Enzymen für die Lebensmittelproduktion.

Schmidt ist begeistert: „Hier kann man sich im gesamten Portfolio der Chemie austoben!“ Besonders die Kohlenhydrat-Chemie ist ein Herzensthema für ihn. In diesem Teilgebiet der organischen Chemie gilt seine besondere Faszination Substanzen, die potenziell antibiotisch wirken.

Es gab den Aha-Moment

Magnus Schmidt wirkt so sehr am richtigen Platz in seinem Büro, in den Hörsälen, den Laboren und sogar den Lernecken – auch die werden alle noch während des Gesprächs besichtigt – dass schwer zu glauben ist, dass dieser Berufsweg nicht von Anfang an sein Plan war. Doch manchmal beginnt eine wissenschaftliche Karriere nicht mit Bestnoten, sondern mit einem Aha-Moment.

Bei Professor Schmidt war es ein Chemielehrer, der „unglaublich guten Unterricht“ machte. „Ich war ein ziemlich schlechter Schüler“, lacht Schmidt und erinnert sich an seine Kindheit in Wolterdingen. Dann aber packten ihn die tollen Chemiestunden. So sehr, dass er die Schule wechselte.

„Auf dem ernährungswissenschaftlichen Gymnasium in Villingen hatte ich Unterricht bei einem Diplomchemiker, da haben wir uns glücklicherweise sehr viel mit Chemie und weniger mit Ernährung beschäftigt“, sagt Schmidt.

Die Begeisterung führte zu einer Einschreibung an der Universität Konstanz. Schmidt stammt aus einer Familie mit handwerklichem Hintergrund, doch das sei für ihn nie ein Hindernis gewesen, sagt er: „Ich wusste immer: Man muss etwas leisten, wenn man vorankommen will.“

Ohne die „Schmidt-Formel“ ging es nicht

Nach vier Wochen Studium sei ihm allerdings klar geworden: „Jetzt heißt es ganz oder gar nicht.“ Da ihm der Lernstoff nicht zuflog, kam die Schmidt-Formel zur Anwendung: Ärmel hoch und schaffen. „Mit Fleiß habe ich ganz viel wettgemacht“, erzählt Schmidt, obwohl er mit Mathematik, Physik und der Quantenmechanik zunächst auf Kriegsfuß stand.

Doch vom Vordiplom bis zum Diplom wurden seine Leistungen stetig besser. „Je älter ich wurde, desto besser war mein Kopf vernetzt“, sagt er. Zusammenhänge erschlossen sich, Verständnis wuchs. Am Ende stand eine Promotion mit der Auszeichnung summa cum laude.

Nächster Schritt: Industrie

Der nächste Schritt führte ihn in die Industrie: in ein Start-up, das er bereits während seiner Studienzeit kennengelernt hatte. Dort arbeitete er in der Entwicklung.

Schon im Studium hatte er sich gefragt, warum viele teure chemische Substanzen eingekauft werden, wenn man sie vielleicht auch selbst herstellen kann. Genau diese Denkweise konnte er nun einbringen.

Das Unternehmen wuchs, Strukturen entstanden, Verantwortung ebenso. 2015 übernahm Schmidt die Leitung eines Standorts in Donaueschingen. Acht Jahre lang prägte er Aufbauarbeit, Organisation und Weiterentwicklung – und vor allem eines: konsequentes Anpacken. „Ich habe immer einfach gemacht, was gemacht werden musste“, beschreibt er diese Zeit.

2019 kam der Wendepunkt

Den Kontakt zur Hochschule Furtwangen hatte Schmidt schon während seiner Tätigkeit in der Industrie geknüpft. Als Dozent und Mitglied eines wissenschaftlichen Industriebeirats lernte er die akademische Welt von einer neuen Seite kennen.

Dann kam das Jahr 2019, ein Wendepunkt. Innerhalb weniger Tage musste Schmidt entscheiden, wie es für ihn weitergeht: Industrie, Verwaltung oder Professur. Drei Tage Zeit für eine richtungsweisende Wahl. Er entschied sich für die Hochschule.

Lehre ist für ihn kein Nebenprodukt, sondern zentraler Bestandteil seiner Arbeit. Deshalb ist ihm zum Beispiel auch wichtig, wie und wo an seiner Fakultät gelernt werden kann; mit einem lokalen Zimmermann für Innenausbau heckt er neue Sitzecken aus. „Ich suche mir sowas ja auch immer“, gibt er lachend zu.

Die Schmidt-Formel, sie wirkt, ob in Lehre, Forschung oder in der Arbeit als Prodekan in der Fakultät Health, Medical & Life Sciences – Magnus Schmidt bringt überall die Mischung aus wissenschaftlicher Exzellenz und bodenständigem Schaffer ein.