Prüferinnen und ausgebildete Hebammen sind in den Prüfungsszenarien im Einsatz, die den Studierenden an der Hochschule Furtwangen in ihrem Examen gestellt werden. Foto: Hochschule Furtwangen

An der Hochschule Furtwangen fanden zum ersten Mal die staatlichen Prüfungen im Studiengang Hebammenwissenschaft statt. Die angehenden Hebammen mussten dabei lebensnahe Fallsituationen meistern.

Auf den Fluren des Gebäudes O der Hochschule Furtwangen (HFU) in der Luisenstraße in Furtwangen kann man aktuell Schwangere und Frauen mit Baby im Arm treffen.

 

Was aussieht, als hätte das ehemalige Krankenhaus wieder den Betrieb aufgenommen, sind in Wahrheit die staatlichen Prüfungen im Studiengang Hebammenwissenschaft.

Die Studierenden, die 2021 erstmals in den damals neuen Studiengang gestartet sind, stehen kurz vor dem Abschluss. Aus diesem Grund fanden nun auch zum ersten Mal die praktischen Prüfungen an der HFU statt. 30 angehende Hebammen wurden dabei eine ganze Woche lang geprüft, insgesamt rund sechs Stunden pro Person.

Für die aufwendigen Prüfungen sind über 30 „Schauspielerinnen“ und externe Prüferinnen angereist, außerdem wurden zahlreiche zusätzliche Modelle ausgeliehen, mit denen lebensnahe Fallsituationen simuliert werden können.

Logistische Herausforderung

„Die Organisation der Prüfungen war eine logistische Herausforderung, da sie auf zwei Stockwerken stattfinden und sichergestellt werden musste, dass die Prüflinge keine Möglichkeit haben, sich untereinander auszutauschen“, sagt Christian Weidmann, Studiendekan der Hebammenwissenschaft an der HFU.

„Im Erdgeschoss bekommen die Prüflinge unter Aufsicht ihre Fallakte und erstellen einen Behandlungsplan. Darin enthalten sind Rahmendaten zu den Szenarien. Anschließend müssen die angehenden Hebammen in den Skills-Labs ihr Können unter Beweis stellen“, erklärt die Studiengangsleiterin Katharina Räuber-Dreier den weiteren Ablauf. Die Situationen können ganz unterschiedlich sein, sind aber dem Alltag der Hebammenarbeit entnommen.

Am Montag wurden die Themen Hebammenversorgung und Hilfestellung bei Schwangerschaftsbeschwerden geprüft. Am Dienstag waren die Babys – hier in Puppenform – schon auf der Welt und es ging um den Umgang mit Frauen im Wochenbett. „Die Geburt ist der wichtigste und zeitintensivste Teil und die Prüfung der Studierenden strecken sich daher über drei Tage“, betont Räuber-Dreier.

Realistische Szenarien

Die Hochschule Furtwangen verfügt für die Ausbildung der künftigen Hebammen über zahlreiche Skills-Labs, zu denen auch ein Patientenzimmer und ein Kreißsaal samt Geburtsbadewanne gehören.

Das Besondere am Studiengang Hebammenwissenschaft ist, dass gleich zwei Abschlüsse auf einmal erworben werden. Die Absolvierenden haben nach Bestehen der Prüfungen den Titel „Bachelor of Science“ und sind staatlich anerkannte Hebammen.