Die organisierte Fanszene des SC Freiburg wird am Donnerstag gegen Maccabi Tel Aviv nicht im Stadion sein. Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht, so die Fans.
Schon vor dem Anpfiff ist klar: Das Europa-League-Spiel des SC Freiburg am Donnerstag (18.45 Uhr) gegen Maccabi Tel Aviv ist ein besonderes Spiel. Das weiß man auch beim Sport-Club: Es sei „für den Verein kein Heimspiel wie jedes andere“, schrieb der Bundesligist in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung.
„Das Heimspiel gegen Maccabi Tel Aviv ist für den SC Freiburg sportlich sehr wichtig. Aufgrund der politischen Situation und den dadurch notwendigen Sicherheitsvorkehrungen ist es aber kein gewöhnliches Europa-League-Spiel. Darüber hinaus geht mit diesem Spiel auch die Verantwortung einher, ein Zeichen für Respekt und faires Miteinander zu setzen. Fußball soll immer verbinden, niemals trennen. Dieser Anspruch prägt sämtliche Vorbereitungen rund um das Spiel“, sagte SC-Vorstand Oliver Leki.
Es wird daher vieles anders sein, als bei anderen Fußballspielen im Europa-Park-Stadion. Denn der Nahostkonflikts hat zahlreiche Auswirkungen auf die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Spiel. Die Kernpunkte: Umfassende Einlasskontrollen (stichprobenartig mit Metalldetektoren) und Taschenverbot im Stadion, zudem dürfen Fahnen, Banner und Schilder nur auf der Südtribüne (in den Blöcken S, C, F, E und V) und im Gästeblock gezeigt werden.
Entscheidung ist den Fans nicht leichtgefallen
Und noch etwas wird am Donnerstag im Europa-Park-Stadion anders sein: Die Gruppen der aktiven Fanszene des SC Freiburg werden dem Spiel fernbleiben. Das teilten die Fangruppen am Montagmittag in einem Statement in den Sozialen Medien mit.
„Es gehört zu unserem Selbstverständnis, unseren Verein bei möglichst jedem Pflichtspiel zu unterstützen. Deshalb ist uns diese Entscheidung alles andere als leichtgefallen. Dennoch sind wir unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis gekommen“, heißt es in dem Schreiben, das von den vier Fangruppierungen unterschrieben ist.
Aktive Fanszene verwehrt sich „gegen bewusste Missinterpretation“
In diesem Schreiben verwehren sich die Gruppen „gegen eine bewusste Missinterpretation“ ihres Fernbleibens. „Wir sind uns der aktuellen Konflikte und ihrer Tragweite bewusst, welche die Möglichkeit einer Fankurve zur Positionierung im Rahmen eines Fußballspiels bei Weitem übersteigen“, heißt es weiter. Und: „Wir stehen dafür, jederzeit jeder Form von Diskriminierung, Ausgrenzung und menschenverachtenden Äußerungen und Praktiken, egal welchen ideologischen Ursprungs, entschieden entgegenzutreten – an Spieltagen im Stadion und darüber hinaus!“
Viele Sicherheitsmaßnahmen am Donnerstag
Als Gründe für das Fernbleiben der Ultras werden in dem Statement vor allem die verschärften Sicherheitsmaßnahmen rund um den Stadionbesuch genannt, „deren Ausmaß und Legitimität“ man jedoch im Einzelnen nicht bewerten möchte. „Kombiniert mit weiteren vom SC Freiburg e.V. aus Praktikabilitätsgründen verfügten Einschränkungen ergibt sich für uns jedoch eine Gesamtkulisse, die so gravierend in fankulturelle Freiheiten eingreift, dass wir uns entschieden haben, dem Spiel fernzubleiben“, heißt es dem Schreiben.
Vor allem geht es den Fans dabei um die „vereinsseitigen Verbote des Mitführens jeglicher Fahnen, Zaunfahnen oder Spruchbänder im gesamten Stadion außerhalb der Südtribüne und des Gästeblocks“ sowie das Taschenverbot im gesamten Stadion. Diese würden „die Fankultur und Meinungsfreiheit in weiten Teilen des Stadions erheblich einschränken“, so die Fangruppierungen, die sich daher dazu entschlossen haben dem Spiel fernzubleiben.
Fanszene will ihre Tickets verfallen lassen
Der Bereich im Block C der Südtribüne, in dem normalerweise die aktive Fanszene steht, wird daher am Donnerstag wohl leerbleiben. Denn ihre Karten werden die SC-Anhänger nicht auf dem Ticketzweitmarkt anbieten, sondern verfallen lassen. Gleichzeitig machen sie klar: „Wir werden es jedoch nicht dulden, dass Einzelne unser Fernbleiben ausnutzen, um diesen Bereich für ihre politische Agenda zu instrumentalisieren.“
Fernbleiben richtet sich „selbstverständlich nicht gegen die Mannschaft“
Zudem betonen sie abschließend, dass sich das Fernbleiben bei dem Spiel „selbstverständlich nicht gegen die Mannschaft richtet und wir ihr auf diesem Weg viel Erfolg für das Spiel wünschen“.
Teile der VfB-Ultraszene handelte im Dezember ähnlich
Bereits im Dezember 2025, als Maccabi Tel Aviv beim VfB Stuttgart antrat, blieben Teile der organisierten VfB-Fanszene dem Europa-League-Spiel fern. „Die Sicherheitsmaßnahmen verlangen von uns einen großen Verzicht auf elementare Bestandteile der Fan- und Stadionkultur“, hieß es damals in einem Statement.
Commando Cannstatt, die wohl bekannteste VfB-Fangruppierung, hatte sich dagegen für einen Stadion-Besuch entschieden. Aus organisatorischen Gründen hatte man jedoch auf optische Stilmittel wie Schwenkfahnen und Doppelhalter in der Kurve verzichtet.