Ausschnitt aus einem der beiden Instagram-Videos – einer der beiden Kletterer sitzt auf dem Kran und schaut nach unten. Die Profilnamen der Kran-Kletterer liegen der Redaktion vor. Foto: Florian Ganswind

Zwei Unbekannte sind heimlich auf den 107 Meter hohen Kran geklettert. Auch die Autobahnbrücke Weitingen soll schon Ziel gewesen sein. Was RP und Porr sagen.

Die einen feiern sie, die anderen „jagen“ sie: Zwei maskierte Männer, die heimlich den 107 Meter hohen Kran an der Baustelle der Hochbrücke Horb hochgeklettert sind. Und jetzt verstecken sie sich.

 

Fakt ist: Bis diese Redaktion die illegale Aktion aufgedeckt hatte, waren die Videos auf Instagram zu sehen. Einer schrieb noch gut eine Stunde, nachdem der Artikel erschienen ist, auf die Anfrage dieser Redaktion auf Englisch: „Why do you post me to the Newsletter?“

Jetzt haben beide die Videos offenbar vom Netz genommen. Plötzlich sind die Profile der beiden auf Instagram auf privat geschaltet.

Wie waren Baustelle und Kran gegen die Kletterer gesichert?

Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruch und anderer Delikte an der Baustelle der Hochbrücke Horb gegen beide. Und Regierungspräsidium Karlsruhe und die Baufirma Porr sind alarmiert. Weil einer der Kletterer geschrieben hatte: „Wir sind nirgends eingebrochen. Wenn alles frei zugänglich ist, liegt keine Straftat vor.“

Die Pressestelle der Baufirma Porr antwortet in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium. Der Sprecher: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Betreten der Baustelle der Hochbrücke Horb für Unbefugte strikt untersagt ist. Aus diesem Grund ist die Baustelle umfassend gegen unbefugtes Eindringen gesichert.“

Wird der Kran jetzt gegen Kletterer gesichert?

Ob jetzt die Sicherheitsmaßnahmen noch verstärkt werden, um Nachahmer vor der lebensgefährlichen Kletterei abzuschrecken, will Porr nicht sagen: „Zu möglichen weiteren sicherheitsrelevanten Maßnahmen äußern wir uns grundsätzlich nicht im Detail.“

Nachdem unsere Redaktion die Instagram-Videos der Polizei geschickt hatte, wird ermittelt. Ein Polizeisprecher sagt am Mittwoch, 13. Mai: „Wir haben noch keine neuen Erkenntnisse.“

Porr will Kletterer verklagen

Porr schreibt: „Die in sozialen Medien verbreiteten Aufnahmen, die zeigen, dass sich Unbefugte Zugang zu unserer Baustelleneinrichtung verschafft haben, sind uns bekannt.“

Und es werden rechtliche Schritte gegen die Kletterer an der Hochbrücke Horb vorbereitet. Der Sprecher: „Die Rechtsabteilung der Firma Porr prüft derzeit rechtliche Schritte. Zudem wird die Porr den entstandenen Schaden beziffern und gegenüber den Verantwortlichen geltend machen. Besonders schwer wiegt, dass die Täter bewusst und vorsätzlich gegen geltendes Recht verstoßen haben.“

Baufirma: Die wollen nur Klicks

Baufirma und Regierungspräsidium werfen den beiden unbekannten Männern vor, dass es ihnen nur um Klicks in den sozialen Medien geht. In der Presseerklärung heißt es: „Ihr Handeln war nicht situationsbedingt oder fahrlässig, sondern klar darauf ausgerichtet, illegale Inhalte für die sozialen Medien zu produzieren. Dabei stand erkennbar die Generierung von Reichweite und Klickzahlen im Vordergrund, um daraus Vorteile zu ziehen.“

Die Leser reagieren auf Instagram geteilt. Simon H: „Coole Aktion. Den Mut muss man erst mal haben.“ Ein anderer Nutzer: „Die Jungs/Männer wollten die mediale Aufmerksamkeit.“ Ein andere schreibt: „Lasst sie doch machen. Wenn die fallen, ist es halt so.“ Ein weiterer User meint: „Die Dummheit der Menschen ist grenzenlos.“ Im Gespräch mit Horbern ist das Entsetzen zu spüren. Vor allem kurz vor dem traurigen Jahrestag des tödlichen Arbeitsunfalls auf der Hochbrücke sorgt diese Aktion für Fassungslosigkeit.

Obwohl die Polizei offiziell keine neuen Erkenntnisse hat, gibt es neue Hinweise auf die illegalen Kletterer von der Hochbrück Horb. Offenbar war auch die Autobahnbrücke in Weitingen Ziel einer Aktion.