Der Aufenthaltsraum ist seit der Umgestaltung zu einem Ort geworden, der unter anderem mit einem Tischkicker zum Verweilen einlädt. Foto: zVg/Felix Sutter

Die Hilfsorganisation pro digno hat einen neuen Aufenthaltsraum eingeweiht, der bereits rege genutzt wird.

Es ist kurz nach neun Uhr morgens. Der Kaffeeduft liegt in der Luft, Gespräche füllen den Raum. Einer sitzt am Tresen und blättert durch die Zeitung, zwei andere stehen an der Kaffeebar, irgendwo klappert Geschirr. Es ist kein Café – und doch fühlt es sich ein wenig so an. Für viele Bewohner des Wohnheims von pro digno ist dieser Ort inzwischen ein fester Bestandteil ihres Alltags geworden.

 

Arbeiten erfolgen mit viel Eigenleistung

Noch vor einem Jahr sah das ganz anders aus. Der Raum war dunkel, geprägt von seiner früheren Nutzung als Shisha-Bar, wenig einladend und kaum genutzt, heißt es in einer Mitteilung von pro digno. Mit viel Eigenleistung und unter der Leitung von Hausmeister Michael Binninger wurde er grundlegend umgebaut. Entstanden ist ein heller Aufenthaltsraum, der zum Verweilen mit Essbereich, Lounge-Ecke und Tischkicker einlädt – ein Ort, der heute für viele wie ein verlängerter Wohn- und Essbereich wirkt.

Seine erste Bewährungsprobe bestand der Raum bereits am 6. Dezember bei der internen Adventsfeier von pro digno. Wenige Wochen später wurde dort gemeinsam Weihnachten gefeiert. Inzwischen ist er aus dem Alltag der Einrichtung nicht mehr wegzudenken.

Tagsüber ist der Aufenthaltsraum von 9 bis 15 Uhr für die Bewohner geöffnet. Morgens gibt es Kaffee, mittwochs einen kostenlosen Brunch, organisiert von Ehrenamtlichen. Auch das gemeinsame Mittagessen von Bewohnern und Mitarbeitern findet dort statt. Vor allem aber ist der Raum ein Treffpunkt – ein Ort, an dem man sich begegnet, ins Gespräch kommt oder einfach nicht allein ist.

„Gemeinschaft ist ein zentraler Wert unserer Arbeit“, sagt Einrichtungsleiter Felix Sutter. „Gerade weil viele unserer Bewohner in Einzelzimmern leben, braucht es solche Orte ganz besonders.“

Spender haben den Umbau möglich gemacht

Auch die seit Ende März eingeführten Hausabende haben hier ihren Platz gefunden. Sie beginnen mit einem gemeinsamen Essen und bieten Raum für Austausch, Informationen und Begegnung. Neue Bewohner werden vorgestellt, es wird gemeinsam gespielt, diskutiert und gelacht.

Der Umbau wurde durch zahlreiche Einzelspender ermöglicht. Einen wesentlichen Beitrag leistete die Volksbank Lörrach, die einen großen Teil der Kosten übernommen hat.

Neben dem Aufenthaltsraum entstand im hinteren Bereich des Gebäudes zudem ein dringend benötigtes Büro. Der bisherige Essensraum wurde entsprechend umgebaut. Spätestens mit dem Start des Projekts „Wohnen Plus“ im Juli 2025 war der Platz knapp geworden – Mitarbeiter mussten ihre Arbeitszeiten und Räume genau abstimmen, oft wurde im Sitzungszimmer gearbeitet.

Heute hat sich die Situation deutlich entspannt. Vor allem aber hat sich etwas anderes verändert: Aus einem ungenutzten Raum ist ein Ort geworden, der Struktur gibt, Begegnung ermöglicht – und für viele ein Stück Zuhause geworden ist.

pro digno betreibt in Lörrach ein Wohnheim für Obdachlose. Neben Wohnraum bietet die Einrichtung Unterstützung im Alltag, Begleitung und gestaltete Gemeinschaft. Ein Großteil der Arbeit wird durch Spenden getragen. Weitere Informationen unter www.pro-digno.de.