Sofia Thüringer, Susanne Keck, Beate Fischer, Christa Zierden-Kollmer, Birgit Thüringer, Heidi Weigold und Sabine Buhl (von links) haben in der Glattener Sammelstelle alle Hände voll zu tun, die vielen Päckchen zu befüllen. Foto: Waltraud Günther

Von Glatten aus gehen im Zuge der Hilfsaktion „Weihnachten im Schuhkarton“ bald wieder Tausende von Päckchen auf die weite Reise zu bedürftigen Kindern in Osteuropa.

Ab Oktober stapeln sich in Glatten jedes Jahr Schuhkartons. Aber nicht in der alten Schuhfabrik in der Mühlgasse – die steht seit Jahren leer. Vielmehr stapeln sich Kartons in allen Größen, liebevoll mit buntem Geschenkpapier überzogen, in den Nebenräumen des „Blumenlädle“.

 

Die Ehrenamtlichen der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ hoffen, dass bald noch viele weitere Päckchen dazukommen. Sie beteiligen sich seit mehr als 20 Jahren an der Hilfsaktion – getragen von der Hoffnung, bedürftigen Kindern etwas Gutes zu tun.

Beim Besuch in der Weihnachtswerkstatt berichtet Koordinatorin Heidi Weigold, dass die Gruppe fast das ganze Jahr Waren für die Schuhkartons sammelt und auch ständig mit den vielen Spendern und Helfern in Kontakt ist.

Strickerinnen unterstützen

Eine betagte Dornstetterin hilft das ganze Jahr über mit. „Die Gute hat bestimmt schon mehrere Tausend Schuhschachteln mit Geschenkpapier überzogen“, meint Weigold. Eine zeitaufwendige Arbeit: Deckel und Unterteil müssen jederzeit zu öffnen sein, deshalb müssen beide Teile gesondert beklebt werden.

Unverzichtbare Unterstützerinnen sind auch die vielen Frauen, die am laufenden Band Schals, Mützen und Socken für die Aktion stricken. Aber auch für die Ehrenamtsgruppe gilt: Nach der Geschenkaktion ist vor der Geschenkaktion. Kaufen sie doch das Zupackmaterial stets dann ein, wenn es günstig ist: Hunderte Rollen Geschenkpapier werden gleich nach Weihnachten gekauft.

Schon jetzt stapeln sich in Glatten gefüllte und beklebte Schuhkartons. Viele weitere sind aber willkommen. Foto: Waltraud Günther

Im Frühjahr werden Lagerräume hergerichtet und Flyer bestellt und gestempelt, ehe diese im Spätsommer ausgetragen und auch schon die ersten Spenden abgeholt werden.

Kein Wunder, dass sich im Herbst im Lagerraum die Kisten mit Malblöcken, Heften, Socken, Schals, Stiften, Spielzeug, Turnschuhen und Kuscheltieren stapeln.

Für die zehn Frauen beginnt dann der schönste Teil ihres Ehrenamts, denn dann werden die Kartons gemeinsam gefüllt. Enthalten sein sollen Schulartikel, Kleidung, Hygieneartikel, Spielzeug und ein Kuscheltier. Fehlt etwas davon in den angelieferten Schuhkartons, wird es ergänzt. „Was wir auf jeden Fall beim Packen dazulegen, sind gute Gedanken und unsere Gebete“, sagt Weigold.

Auch Geldspenden möglich

Bald stapeln sich dann im Nebenraum des „Blumenlädle“ die Schuhkartons. Viele Spender bringen bereits gefüllte Kartons vorbei, viele werden aus den zwölf Sammelstellen im Kreis angeliefert. Spender, die wenig Zeit haben, kaufen in den Sammelstellen die vorgefüllten Kartons oder geben Geld für die Transportkosten und das Zupackmaterial.

„Ende November ist hier alles leer und im Lastwagen auf dem Weg zu den Kindern“, versichert Weigold. Vorher aber müssen alle angelieferten Kartons nochmals genau durchgesehen werden. Denn Kriegsspielzeug, Flüssigkeiten, gebrauchte oder verschmutzte Artikel müssen aussortiert werden. Süßigkeiten leider auch. In EU-Ländern sind diese zwar erlaubt, in Nicht-EU-Ländern dürfen jedoch keine in den Schuhkartons sein.

Volle Transparenz

Eine Arbeit bleibt noch: Auf jeden Karton muss der richtige Zettel mit Geschlecht und Altersspanne des Empfängers geklebt werden. Auch finanziell herrscht bei den Ehrenamtlichen Transparenz. Geldspenden werden im „Vier-Augen-Prinzip“ erfasst und abgerechnet. „Und wenn dann der letzte Karton verpackt und auf dem Lastwagen ist, feiern wir gemeinsam im Restaurant“, erzählt Weigold. „Aber selbstverständlich bezahlt jede ihre Zeche selbst, bei uns kommt wirklich jeder gespendete Cent den Kindern zugute“, versichert sie.

Wann und wo die Schuhkartons abgeben werden können

Die Aktion
„Weihnachten im Schuhkarton“ ist die beliebteste Geschenkaktion weltweit. Der Träger „Samaritan’s Purse – Die barmherzigen Samariter“ ist ein zertifiziertes und mit dem DZI-Spendensiegel ausgezeichnetes Hilfswerk, das auf Wunsch auch Spendenbescheinigungen für Bar- und Sachspenden ausstellt. Mehr als zwölf Millionen Kinder weltweit wurden bereits mit Päckchen beschenkt. Viele Spender legen eine persönliche Grußkarte mit einem Foto bei. Dadurch sollen die Kinder erfahren, dass sie wertgeschätzt und geliebt sind. Die gefüllten Schuhkartons aus dem deutschsprachigen Raum sind für Kinder in Osteuropa bestimmt. Im Rahmen ihrer Geschenkaktionen arbeitet die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ eng mit den örtlichen Kirchengemeinden zusammen. Die Verteilpartner vor Ort müssen vorab ein Training absolvieren und verpflichten sich zu transparentem Berichtswesen.

Die Sammelstellen
Vom 10. bis 17. November 2026 ist die deutschlandweite Abgabewoche. Nahezu in jeder Gemeinde im Kreis Freudenstadt gibt es Sammel- oder Annahmestellen, in denen Schuhkartons abgegeben werden können. Angeliefert werden können die Schuhkartons in der Abgabewoche auch im „Blumenlädle“, Dornstetter Straße 14, in Glatten. Alle Abgabestellen und viele weitere Informationen sind online zu finden unter www.schuhkarton.de.