Die Schutzmaßnahmen für Fledermäuse – oder besser gesagt: die zahlreichen Vorschriften dazu – hätten den Start der Bahn beinahe um ein weiteres Jahr verzögert. Nun sieht es danach aus, als ob dieser Kelch am Kreis Calw vorübergehen würde.
Die letzte große Hürde, die Probleme rund um die Tunnel-im-Tunnel-Lösung, scheint – weitgehend – genommen zu sein. Es ist nun davon auszugehen, dass die Hermann-Hesse-Bahn (HHB) noch im Jahr 2025 in Betrieb gehen kann.
Das gab Landrat Helmut Riegger in der Sitzung des Verwaltungs- und Wirtschaftsausschusses bekannt.
„Wir haben ganz gut verhandelt“, sagte der Kreischef mit Blick auf die Gespräche mit dem Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe.
Denn das Ergebnis der Verhandlungen und ein entsprechender Antrag des Zweckverbands HHB haben zum Ergebnis, dass noch in diesem Jahr in den Tunneln eine provisorische Kammer eingebaut werden kann. Somit kann auch das Monitoring vorgezogen werden.
Genehmigung fehlt noch
Damit wird überprüft, wann und wie sich die Fledermäuse an die neuen Gegebenheiten durch die Tunnel-in-Tunnel-Lösung in Hirsau und Althengstett gewöhnen.
Diese Eingewöhnungsphase für die Tiere, die von Juli bis über den gesamten Winter laufen muss, ist eine der Voraussetzungen, damit die Bahn fahren darf.
Wäre also das Provisorium nicht genehmigt worden, hätte sich die Inbetriebnahme der Bahn um ein weiteres Jahr verzögern können. Denn dann hätte bis zum Bau des finalen Tunnels gewartet werden müssen.
Für den Bau dieses finalen Tunnel wiederum liegt bis dato keine Genehmigung vor. Gebaut werden darf zudem nur von Anfang Mai bis Mitte September eines jeden Jahres, weil das Bundesnaturschutzgesetz es unter anderem verbietet, wildlebende Tiere streng geschützter Arten in Fortpflanzungs- und Überwinterungszeiten erheblich zu stören.
Die Verhandlungen haben sich als überaus schwierig erwiesen, hatte Riegger im Mai dieses Jahres gesagt, als die Gespräche noch liefen. Man habe ein Jahr lang mit dem RP gekämpft. „Es geht langsam, es geht bedächtig und es ist schwierig“, so der Landrat damals.
Finanzielle Entlastung
Nun kann es also mit dem Großprojekt vorangehen. „Die weiteren Maßnahmen sind der Einbau der provisorischen Kammern, das darauf folgende Monitoring sowie diverse Baumaßnahmen rund um und entlang der Strecke“, teilt der Zweckverband auf Anfrage unserer Zeitung mit.
Dies betreffe den Gleisbau, den Ausbau der Signal- und Funktechnik, den Bahnsteigbau sowie den Ausbau der Sicherheitstechnik.
Auszahlung steht nichts mehr im Weg
Das führt auch zu finanziellen Entlastungen. Der Zweckverband geht davon aus, dass die Kassenkredite im kommenden Jahr zu einem großen Teil nicht mehr benötigt werden. Denn durch die Genehmigung des vorzeitigen Maßnahmenbeginns könne mit dem Planfeststellungsbeschluss bis Mitte 2025 gerechnet werden. Folglich stehe der Auszahlung der Kofinanzierung durch das Land Baden-Württemberg nichts mehr im Wege.