Mit dem Technischen Leiter des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn besichtigt eine Gruppe den Ostelsheimer Tunnel und hat viele Fragen zum Stand des Bahnprojekts.
Organisiert vom Althengstetter Netzwerk 55PlusNEW, trafen sich rund 30 Teilnehmer auf dem Parkplatz beim Rössle in Ostelsheim und machten sich die Bahnhofstraße hinauf und entlang des neuen Bahn-Haltepunkts auf den Weg zum Tunneleingang. Dort wartete bereits Kai Kübler, Technischer Leiter des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn.
Nach einer kurzen Einweisung ging es hinein in den 498 Meter langen Tunnel und auf dem betonierten Weg zwischen Tunnelwand und Gleisbett bis zum Tunnelportal auf Schafhausener Seite. Da der Tunnel gebogen ist, wurde es bald richtig dunkel, Taschenlampen und Handylichter sorgten dafür, dass niemand ins Stolpern geriet. Denn in Abständen gab es Vertiefungen im Weg, an denen noch Kabelanschlüsse verlegt werden müssen.
Vor dem Tunnelportal mit Blick auf Schafhausen ist ein breiter, geschotterter Platz ausgebildet unweit der Stelle in Richtung Weil der Stadt, wo ein Wald- und Feldweg die Bahn queren wird. Der Platz ist der Aufstellplatz für Rettungskräfte im Falle eines Unfalls im Tunnel. Hier stellten Teilnehmer ihre vielen Fragen an Kübler, die dieser bereitwillig und ausführlich beantwortete.
Wann fährt die Bahn? Die ausufernden Kosten und die Verzögerungen durch immer neue Naturschutzauflagen wurden von der Gruppe thematisiert, es wurde jedoch auch der Wunsch sehr deutlich, dass die Bahn endlich in Betrieb geht. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass Betriebsstart im Dezember 2025 ist“, sagte Kübler. Es hänge noch an einer letzten Genehmigung für die endgültigen Vorbautunnel zum Fledermausschutz durch das Regierungspräsidium, eine Teilgenehmigung ist laut Kübler erteilt.
Geplant ist ein dreimonatigen Probebetrieb, der jedoch auch kürzer ausfallen könne. Der Tunnel wurde mit einer Länge von 498 Metern und damit unter 500 Metern geplant und gebaut. Unter 500 Metern deshalb, weil ab dieser Länge deutlich mehr gesetzliche Vorgaben greifen, zum Beispiel braucht es dann einen extra Rettungsstollen, der die Kosten deutlich in die Höhe treibt. Der Tunnel wurde im Sprengvortrieb gebaut, begonnen wurde mit der Kalotte, dem oberen gerundeten Tunnelabschluss. Das mit Radladern entfernte Gestein wurde in Ostelsheim zunächst gelagert und beprobt und dann deutschlandweit auf Deponien verbracht.
Gibt es eine Möglichkeit zur Elektrifizierung auch im Tunnel? war eine Frage aus der Gruppe. Die ab Start eingesetzten Züge sind batteriebetrieben und vergleichbare tun schon auf der Ortenaubahn ihren Dienst, erläuterte Kübler. Eine Elektrifizierung ist mitgedacht, die im Tunnel per Deckenschienen realisiert werden wird. Es sei vertraglich zugesichert, dass eine Verlängerung der – elektrischen – S-Bahn bis Calw in einem zweiten Schritt erfolgen soll.
Feuerwehr probt den Ernstfall
Wie sind Bahn und Feuerwehren für Notfälle vorbereitet? Unter dem Aufstellplatz liegt ein 96 Kubikmeter Wasser fassendes Auffangbecken für Löscheinsätze und in der Tunnelwand sind in Abständen Trockenlöschleitungen verlegt. In einem Probentunnel bei der ehemaligen Gärtnerei Kienzle hat die Ostelsheimer Feuerwehr die Personenrettung geübt, sagte Kübler zum Rettungskonzept, das für alle Bahntunnel gleich ist.
Die Kosten seien enorm gestiegen, von ursprünglich 48 Millionen 2014 bis auf heute 200 Millionen, „da die von den beteiligten Gemeinden zu tragenden Kosten ja gedeckelt sind, wer bezahlt dann die Mehrkosten?“ wollte ein Teilnehmer wissen. Zum einen gibt es auch bei den 200 Millionen eine 75-prozentige Förderung vom Land, zum anderen übernimmt der Landkreis die Mehrkosten, so Kübler „Und die holt er sich dann über die Kreisumlage wieder bei den Gemeinden“, war die etwas fatalistische Erkenntnis des Fragestellers.
Fragen über Fragen
Wie schnell die Züge fahren (bis 100 Kilometer pro Stunde, auch im Tunnel), wie viele gleichzeitig auf der Strecke sind (zwei, ein zweigleisiges Stück zwischen Haltepunkt Ostelsheim und den Sportplätzen ermöglicht Begegnungsverkehr), was an Wartung im Tunnel nötig ( ist alle drei Jahre eine große Prüfung, sonst regelmäßige Sichtkontrollen) und wer bezahlt, weil ja die Fahrpreise die Kosten nicht decken (letztlich alle Steuerzahler) waren weitere Fragen.
Zum Schluss gab es ein Geschenk der Gruppe für Kübler und einen herzlichen Dank für die ausführliche und informative Führung direkt am Projekt Hermann-Hesse-Bahn. Die Teilnehmer wanderten einen anderen Weg zurück nach Ostelsheim und trafen sich zur Einkehr in Althengstett.
Das Netzwerk 55PlusNEW – Netzwerk-Erfahrung-Wissen versammelt unter seinem Dach die verschiedensten Gruppen und vernetzt Menschen ab circa 55 Jahren bei geselligen und sportlichen Aktivitäten, bietet Austausch von Erfahrung und Wissen und vermittelt Ansätze zur Gestaltung des Überganges in den Ruhestand. Werner Ammann organisierte die Führung, Otto Deschenhalm koordiniert und verwaltet Aktivitäten in den Gruppen des Netzwerks. Weitergehende Infos gibt es unter https://55plusnew.de.